Seine Wahl gilt angesichts eines Oppositionsboykotts als sicher
Aristide vor Wiederwahl in Haiti

dpa PORT-AU-PRINCE. Haitis früherer Staatspräsident Jean- Bertrand Aristide hat sich bei den umstrittenen Präsidentenwahlen am Sonntag um eine neue Amtszeit beworben. Seine Wahl galt angesichts eines Oppositionsboykotts als sicher. Neben Aristide bewarben sich nur drei völlig unbekannte Männer um das höchste Staatsamt. Das Ausland hatte wegen zahlreicher Unregelmäßigkeiten erhebliche Vorbehalte gegen die Wahlen geäußert und jede organisatorische Unterstützung verweigert. Mit dem Wahlergebnis wird in den kommenden Tagen gerechnet.

Trotz der Boykottaufrufe der Opposition fanden sich in Port-au- Prince viele Menschen schon am frühen Morgen zur Stimmabgabe vor den Wahllokalen ein. Aristide war vor zehn Jahren das erste Mal zum Präsidenten gewählt worden. Ein Militärputsch zwang ihn ins Exil, Ende 1994 ermöglichte ihm eine Militärintervention der USA die Rückkehr. Anfang 1996 musste er wegen des Verbots der unmittelbaren Wiederwahl den Präsidentenpalast räumen.

Im Wahlkampf hatte sich der bei den armen Massen noch immer populäre Aristide gar nicht in der Öffentlichkeit gezeigt. In einer am Freitag verbreiteten Radiobotschaft rief er das Volk auf, ohne Furcht zur Wahl zu gehen. In der Woche vor der Wahl hatten Unbekannte mit Bombenanschlägen Panik unter der Bevölkerung gesät. Am Sonntagmorgen detonierte in der Hauptstadt im Stadtteil Carrefour erneut eine Bombe und verletzte einen Menschen.

Der Oppositionsboykott geht auf den Streit um die Parlaments- und Kommunalwahlen vom 21. Mai dieses Jahre zurück. Damals waren zehn Senats-Kandidaten aus Aristides Bewegung Lavalas vom Wahlrat zu Siegern im ersten Wahlgang erklärt worden, obwohl sie sich eigentlich einer Stichwahl hätten stellen müssen. Proteste der Opposition und des Auslands wurden übergangen, Oppositionspolitiker von einem gewaltbereiten Mob eingeschüchtert.

Haiti ist das ärmste Land des amerikanischen Kontinents. Die Hoffnungen auf Entwicklungsfortschritte nach Wiederherstellung der Demokratie 1994 haben sich, vor allem wegen des politischen Chaos, nicht erfüllt. Mit der umstrittenen Wiederwahl Aristides droht dem Land die Isolierung und der völlige Verlust von Auslandshilfe.

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