Seit 1901 haben zwölf deutschsprachige Schriftsteller den Literatur-Nobelpreis erhalten
Ein Dutzend literarischer Genies

Zwölf deutschsprachige Schriftsteller haben seit der erstmaligen Vergabe des Literatur-Nobelpreises 1901 die begehrte Auszeichnung erhalten. Neun von ihnen sind gebürtige Deutsche.

HB HAMBURG. Zu den deutschen Preisträgern gehören Theodor Mommsen, Rudolf Eucken, Paul Heyse, Gerhart Hauptmann, Thomas Mann, Heinrich Böll und Günter Grass. Der im württembergischen Calw geborene Hermann Hesse nahm 1923 die schweizerische Staatsbürgerschaft an. Nelly Sachs, eine jüdische Schriftstellerin, floh 1940 vor den Nazis nach Schweden. Von außerhalb Deutschlands stammen der Schweizer Carl Friedrich Georg Spitteler und der in Großbritannien und der Schweiz wirkende Elias Canetti.

  • 1902 - Theodor Mommsen (1817 - 1903), Historiker, für das 1854 begonnene Monumentalwerk "Römische Geschichte", das als Meisterwerk der Historiografie gilt.
  • 1908 - Rudolf Eucken (1846 - 1926), Philosoph, für eine in zahlreichen seiner Werke vertretene ideale Weltanschauung. In seinen in viele Sprachen übersetzten Büchern entwickelte Eucken eine "schöpferischer Aktivismus" genannte Lebensphilosophie.
  • 1910 - Paul Heyse (1830 - 1914), für "seine von Idealismus durchdrungene, vollendete Kunst", die er "als Lyriker, Dramatiker, Romanschriftsteller und Dichter von weltberühmten Novellen an den Tag gelegt hat".
  • 1912 - Gerhart Hauptmann (1862 - 1946), als einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Naturalismus ("Die Weber") für seine "reiche, vielseitige, hervorragende Wirksamkeit auf dem Gebiet der dramatischen Dichtung".
  • 1919 - Carl Friedrich Georg Spitteler (1845 - 1924), Schweizer Dichter, "in Würdigung besonders seines machtvollen Epos 'Olympischer Frühling'", verliehen 1920.
  • 1929 - Thomas Mann (1875 - 1955), für seinen zu einem klassischen Werk zeitgenössischer Literatur gewordenen großen Roman "Die Buddenbrooks".
  • 1946 - Hermann Hesse (1877-1962), mit Werken wie "Demian", "Steppenwolf" und "Das Glasperlenspiel" hervorgetretener Lyriker und Erzähler für eine "inspirierte Verfasserschaft, die ... neben Kühnheit und Tiefe zugleich klassische Humanitätsideale und hohe Stilwerte vertritt".
  • 1966 - Nelly Sachs (1891 - 1970), für ihre "hervorragenden lyrischen und dramatischen Werke, die das Schicksal Israels mit ergreifender Stärke interpretieren".
  • 1972 - Heinrich Böll (1917 - 1985), für eine Dichtung, "die durch ihre Verbindung von zeitgeschichtlichem Weitblick und liebevoller Gestaltungskraft erneuernd in der deutschen Literatur gewirkt hat" ("Ansichten eines Clowns", "Die verlorene Ehre der Katharina Blum").
  • 1981 - Elias Canetti (1905 - 1994), geb. in Bulgarien, deutschsprachiger Schriftsteller, lebte in Großbritannien und in der Schweiz. Die Schwedische Akademie würdigte sein "schriftstellerisches Werk, geprägt von Weitblick, Ideenreichtum und künstlerischer Kraft".
  • 1999 - Günter Grass (geb. 1927), "weil er in munter schwarzen Fabeln das vergessene Gesicht der Geschichte gezeichnet hat". Bekannteste Romane: "Die Blechtrommel", "Hundejahre", "Die Rättin" und "Der Butt".
  • 2004 - Elfriede Jelinek (geb. 1946), "für den musikalischen Fluss von Stimmen und Gegenstimmen in Romanen und Dramen" und ihre "sprachliche Leidenschaft". Bekannteste Werke: "Die Klavierspielerin" (Roman), "Lust" (Roman) sowie das Theaterstück "Raststätte oder Sie machen's alle".
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