Seit 1973 wird nach La Hague geliefert
Stichwort: Wiederaufarbeitung

In die Wiederaufarbeitungsanlage La Hague, für die auch die Atomtransporte aus Biblis, Philippsburg und Grafenrheinfeld bestimmt sind, liefert die deutsche Atomindustrie seit 1973 verbrauchte Brennelemente aus Kernkraftwerken.

ap BERLIN. Inzwischen haben sich dort rund 4.540 Tonnen radioaktive Schwermetalle aus Deutschland angesammelt, hauptsächlich Uran und Plutonium. Im britischen Sellafield lagern noch einmal knapp 700 Tonnen.

Der vertraglich und völkerrechtlich vorgeschriebene Rücktransport des Restmülls aus La Hague nach Deutschland begann erst 1996. Auch nach dem umkämpften Transport Ende März warten in La Hague noch Abfälle für etwa 115 Castor-Behälter. Bei der vorgesehenen Transportrate von zwölf Behältern pro Jahr dauert allein die Rückfahrt dieser Castoren nach Deutschland zehn Jahre.

Noch bestehen aber Verträge mit deutschen Atombetreibern über die Lieferung von weiteren 1.770 Tonnen Schwermetallen nach La Hague und Sellafield. Wird dieser Rahmen ausgenutzt, wird die Zahl der Castoren für den Rücktransport auf 166 steigen. Obwohl die Lieferungen nach dem Atomkonsens ab 1. Juli 2005 verboten sind, wird es also rein rechnerisch weit bis ins nächste Jahrzehnt dauern, bis alle Hin- und Rücktransporte abgewickelt sind.

Aber auch die Aufarbeitung selbst nimmt einige Zeit in Anspruch. In dem komplizierten Prozess werden Uran und Plutonium chemisch aus den abgebrannten Brennelementen herausgetrennt. Diese müssen schon vor dem Transport zunächst im Atomkraftwerk sechs bis zwölf Monate abklingen. Trotzdem sind sie bei Ankunft in der Wiederaufbereitungsanlage noch rund 300 Grad heiß. Zum Abklingen der Radioaktivität und zur Kühlung werden die Brennelemente dort in einem zehn Meter tiefen Wasserbecken noch einmal mindestens zwei Jahre lang zwischengelagert.

Alle Endprodukte gehören den Kernkarftbetreibern

Dann folgt die eigentliche Wiederaufarbeitung: Die Brennelemente werden zerschnitten, der nukleare Brennstoff wird in Säure aufgelöst. Mit Hilfe von Lösungsmitteln werden dann die Spaltprodukte von Uran und Plutonium getrennt. Das Uran wird gereinigt und in Nitratform aufkonzentriert; das Plutonium wird in verkapselten Behältern verpackt.

Danach bleiben noch hochradioaktive Abfälle, vor allem die Spaltprodukte, die mit Glas verschmolzen und in Edelstahlbehälter gegossen werden - die so genannten Glaskokillen. Die verstrahlten Hüllen der Brennelemente werden einzementiert. Alle Endprodukte gehören den Kernkraftbetreibern, die sie entweder wiederverwenden können - Uran und Plutonium - oder zwischenlagern müssen - die Kokillen.

Während Befürworter die Wiederaufarbeitung als ressourcenschonend loben, bemängeln Kritiker, dass während des Prozesses noch mehr strahlender Müll entsteht. Dazu zählen sie die benötigten Chemikalien sowie Geräte und Hilfsmittel wie Arbeitskleidung, die ebenfalls entsorgt werden müssen.

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