Seit 1975 bei Boss
Baldessarini: Modemacher mit Esprit und Bodenhaftung

Auch wenn Werner Baldessarini sich als Vorstandschef von Hugo Boss verabschieden will, bleibt sein Name dem Mode-Unternehmen noch lange erhalten: Die edle Luxusmarke Baldessarini, für die unter anderem der Schauspieler Heiner Lauterbach Werbung macht, ist nämlich nach ihm benannt.

dpa METZINGEN. In den über 25 Jahren seines Engagements für Hugo Boss hat der 56-Jährige mehr als jeder andere das Image des Herrenausstatters verkörpert: Weltläufigkeit und Kreativität gepaart mit mit schwäbischer Bodenständigkeit und nüchternem Unternehmertum.

Als Einkäufer des Münchner Modehauses Hirmer bestellte Baldessarini bei Hugo Boss in Metzingen und lernte dabei die Chefs Jochen und Uwe Holy kennen, die heute hinter dem Schweizer Modemacher Strellson stehen. Sie holten ihn 1975 zu Boss, und Baldessarini begann seinen Aufstieg bis an die Spitze des Unternehmens, die er im November 1998 erreichte. Obwohl Baldessarini kein Italiener ist, passt sein schwungvoller Nachname perfekt in die Modebranche. Bekannt für einen lockeren Stil ohne Schlips, war er schon unter seinen Vorgängern Peter Littmann und Joachim Vogt als Kreativ-Kopf für wichtige strategische Entscheidungen mitverantwortlich.

Baldessarini kennt sich in der Welt des Glamours und der Stars bestens aus - im neuen New Yorker Hugo Boss-Shop können die für das Prestige der Marke wichtigen Prominenten auf Extra-Service zählen. Allerdings bekam der Manager vor kurzem auch die raue Wirklichkeit zu spüren: Als sein Flugzeug wegen der Terroranschläge in Manhattan in Neufundland gestrandet war, übernachtete der Porsche-Fahrer fünf Nächte lang im Pritschenlager einer Turnhalle.

Die extravaganten Ausschweifungen der Modebranche schätzte Baldessarini nie. Als er beobachten konnte, dass Konkurrenten wie Calvin Klein ihre Marke durch unvorsichtige Lizenzgeschäfte ruinierten, setzte Baldessarini umso mehr auf Beständigkeit und Seriosität der Hugo Boss-Marken. Auch die Unabhängigkeit des Hauses, das mehrheitlich zum italienischen Wollweber Marzotto, aber eben nicht zu einem der internationalen Luxuskonzerne gehört, war stets Teil seiner Strategie. Ein Wechselangebot nach Hamburg zu Jil Sander, deren Unternehmen inzwischen an den Prada-Konzern verkauft wurde, lehnte er 1992 ab.

Während Baldessarini sich nun künftig mehr Zeit für sich selbst gönnen will, stehen seinem Nachfolger Bruno Sälzer ungelöste Aufgaben ins Haus: Der Erfolg der neuen Damenkollektion gilt bei Branchenkennern noch nicht als gesichert, und von der Vision, zum führenden Modeunternehmen der Welt aufzusteigen, ist Hugo Boss noch ein ganzes Stück entfernt.

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