Seit 20 Jahren will die Organisation mit spektakulären Aktionen die Welt retten
Greenpeace ist längst nicht mehr nur auf Konfrontationskurs

Ein winziges Schlauchboot vor dem aufragenden Bug eines Gifttankers, Kletterer in Schwindel erregender Höhe auf einem Schornsteinschlot, Menschen im Schafskostüm vor einer blitzsauberen Genfabrik - mit der Macht von Bildern macht die Umweltorganisation Greenpeace seit 20 Jahren in Deutschland Front gegen "Umweltfrevler". Die millionenschwere Unternehmung lebt weiter vom David-gegen-Goliath-Image, ergänzt die Proteste seit den Neunzigerjahren allerdings auch durch Lösungsansätze.

dpa HAMBURG. Die erste Aktion in Deutschland - damals noch von Greenpeace Niederlande geleitet - startete am 13. Oktober 1980 im niedersächsischen Nordenham: Mit einem kleinen Schlauchboot und einer von Elbfischern geliehenen Rettungsinsel blockierten "Regenbogenkrieger" drei Tage lang den Giftfrachter "Kronos Titan", der Dünnsäure in der Nordsee verklappen wollte. Es folgten dutzende weiterer Aktionen.

Die Popularität der Regenbogenkrieger ist derzeit wesentlich geringer als im "Brent-Spar-Jahr" 1995 oder zehn Jahre zuvor, als die Versenkung des Greenpeace-Schiffes "Rainbow Warrior" durch den französischen Geheimdienst den Aktivisten eine Sympathiewelle brachte. Zudem bereitet der Organisation die Konsenspolitik der rot- grünen Koalition unter Gerhard Schröder (SPD) - unter anderem beim Atomausstieg oder der Gentechnik - Kopfzerbrechen. "Das verwässert die Probleme" und mache ihre Darstellung schwieriger, sagt Hamdan.



Deutsche Spenden ermöglichen weltweite Präsenz

Greenpeace Deutschland

ist heute der größte Finanzier der internationalen Umweltschutzorganisation, die bereits 1971 in Kanada entstand. Im vergangenen Jahr spendeten mehr als 500 000 Unterstützer über 60 Mill. DM. Davon trug die deutsche Sektion mit 20,8 Mill. DM - mehr als 40 % der Kosten für die internationalen Kampagnen.

In den vergangenen beiden Jahren verzeichnete die Organisation allerdings einen Spendenrückgang. Laut Geschäftsführerin Brigitte Behrens hat dies aber weniger mit dem mangelnden Interesse an Umweltthemen zu tun, als vielmehr mit der Hinwendung von Spendern zu humanitärer Hilfe, etwa im Zuge des Kosovo-Kriegs oder nach dem Erdbeben in der Türkei. Behrens versichert: "Der Zulauf ist ungebremst."

Protestaktionen und Lösungsansätze  Als Erfolge auch ihrer Kampagnen verbuchte Greenpeace etwa die Einführung von bleifreiem Benzin, das Ende der Dünnsäureverklappung in der Nordsee oder den Verzicht auf die Versenkung der Ölplattform "Brent Spar" in der Nordsee. Seit den 90er Jahren verfolgt die Organisation eine neue Strategie: Zu Protestaktionen muss immer auch ein Lösungsansatz geliefert werden. So wurde 1991 chlorfrei gebleichtes Tiefdruckpapier für Magazine und Illustrierte entwickelt. Ein Jahr später wurde im Zuge der Kampagne gegen Treibhausgase der "Greenfreeze" präsentiert - der erste FCKW- und FKW-freie Kühlschrank, der sich in Deutschland durchsetzte.

Kritik am Führungsstil



Intern gab es in den 20 Jahren immer wieder Streit über den Führungsstil: Schon 1982 verließen deswegen mehrere regionale Gruppen Greenpeace und gründeten " Robin Wood ". 1998 lähmten Querelen um den Anfang 1999 gefeuerten Geschäftsführer Walter Homolka die Organisation. Sein Vorgänger Burkhard Gnärig hatte 1997 nach nur sechs Monaten das Handtuch geworfen.



Trotz entsprechender Größe kein "Öko-Konzern"

Heute stehen an der Seite der Umweltaktivisten der ersten Stunde, die bei ihren Aktionen oft ihr Leben riskieren, neben Wissenschaftlern auch Ökomanager in Schlips und Kragen oder Internet- Freaks, die ganze Kampagnen über das weltweite Computernetz fahren. Dabei sieht Brigitte Behrens ihre Organisation aber im "rasanten Trubel" des technischen Wandels als "Konstante" und "einzige unabhängige, ökologische Opposition".

Trotz des Wachstums seit den Anfängen weisen die "Greenpeacer" den oft gebrauchten Vergleich vom Aufstieg zu einem "Öko-Konzern" strikt von sich: "Der Vergleich hinkt: Was sind 60 Mill. DM etwa gegen den Gewinn eines Chemiekonzerns?" fragt Hamdan. Die Organisation sieht sich weiter lieber als "David im Kampf gegen Goliath", der auch in den kommenden 20 Jahren weitergeht. Probleme - wie derzeit die Gen- Technik - gebe es genug. "Wenn wir gut sind, haben wir in den nächsten 20 Jahren wenigstens den Öl-Verbrauch drastisch reduziert", hofft Hamdan. Zudem gelte es angesichts der globalen Probleme, noch mehr über die Grenzen Europas zu schauen. Zunächst aber feiern die Umweltschützer am Freitag erst einmal ihren 20. Geburtstag bei einem Empfang am Stammsitz in Hamburg.

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