Seit dem Terroranschlag verlor der Dax mehr als 20 %
Kriegsangst führt zu Panik an den Finanzmärkten

Kriegsängste haben am Freitag an den internationalen Finanzmärkten zeitweise Panik ausgelöst. US-Präsident George W. Bush, der die Auslieferung des von den USA als Hintermann der Anschläge verdächtigten Osama bin Laden von den afghanischen Taliban forderte, habe die Befürchtungen vor bevorstehenden Vergeltungsschlägen der USA erhöht, sagten Händler.

Reuters FRANKFURT. An den europäischen Aktienbörsen brachen die Kurse unter Führung der Versicherungs-, Auto- und Technologiewerte vorübergehend um bis zu sieben Prozent ein. Händler sprachen von Panikverkäufen, die jeder fundamentalen Grundlage entbehrten. Im Devisenhandel beschleunigte sich die Flucht der Anleger in den als "sicherer Hafen" geltenden Schweizer Franken.

"Das sind schon panikartige Verkäufe", sagte ein Händler in Frankfurt. "Der drohende Vergeltungsschlag der USA nach den Anschlägen in New York und Washington muss effektiv sein, ansonsten hält die Unsicherheit an, und Unsicherheit ist Gift für die Märkte", fügte er hinzu. "Es gibt gar keinen Versuch, sich die fundamentale Bewertung anzuschauen. Angst bestimmt hier alles. Und die Aktien müssen Armageddon einpreisen, bevor sie billig aussehen", sagte ein Händler.



Händler und Analysten hatten übernacht positiv auf die Rede von Präsident Bush reagiert. Bush habe dem Land auch einen psychologischen Schub geben wollen. Ein Finanzmarktexperte hatte zur Eröffnung der US-Aktienmärkte sogar einer Rally das Wort geredet. Knapp drei Stunden vor der Eröffnung der Wall Street deuteten die Terminkontrakte auf die wichtigsten Indizes allerdings auf massive Kursverluste hin.

Der Dax durchbrach die 3 600 Punkte-Marke

Der Dax, der seit den Anschlägen in den USA rund 147 Mrd. Euro an Marktkapitalisierung oder mehr als 20 % des Indexstandes verloren hat, fiel vorübergehend um sieben Prozent auf 3539 Punkte, den niedrigsten Stand seit Anfang November 1997. Am Neuen Markt stürzten die Kurse gemessen am wichtigsten Kursbarometer des Wachstumsmarktes, Nemax50, teils um mehr als zehn Prozent auf ein Rekordtief von 662 Euro. Zu den größten Verliereren an den Märkten zählten die Aktien von Infineon, SAP, Nokia und Ericsson sowie die Autowerte mit Kursverlusten von zeitweise bis zu acht Prozent.

Auch an den meisten europäischen Börsen fielen die Kurse am Freitag um vier bis fast sieben Prozent. Der paneuropäische Euro 300 Top-Index fiel um 4,3 % auf 981 Zähler. Händler verwiesen darauf, dass am Freitag an vielen europäischen Börsen und in den USA die Optionen auf Aktien und Indizes sowie die Futures fällig werden. Dies könnte zu weiteren großen Kursausschlägen führen. In London wurde wegen eines Alarms die Börse vorübergehend geräumt. Der Handel funktionierte aber normal.

In Deutschland ist nach Einschätzung des Ifo-Instituts trotz des unerwartet leichten Rückgangs des Ifo-Geschäftsklimaindexes im August eine konjunkturelle Erholung zu erwarten. Die zurzeit starken Kursverluste an den Aktienmärkten seien übertrieben. Das viel beachtete Konjunkturbarometer war im August auf 89,5 von 89,8 Punkten im Juli gesunken. Nach Einschätzung der Rating-Agentur Fitch ist die Weltwirtschaft dagegen so schwach wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts werde 2001 weltweit nur 1,25 % betragen, schätzte Fitch in ihrem am Freitag veröffentlichten Halbjahresbericht zur Weltwirtschaft.

Flucht in den Schweizer Franken

An den Devisenmärkten beschleunigte sich die Flucht in den Schweizer Franken, der damit erstmals seit der Einführung des Euro am 1. Januar 1999 wieder seine alten Rolle als sicherer Anlagehafen in politisch unruhigen Zeiten einnahm. Der Euro fiel zum Schweizer Franken auf ein neues Rekordtief von weniger als 1,45 Franken. Dies zwang die Schweizerische Nationalbank (SNB) zum Handeln. Sie senkte ihren Reposatz demonstrativ deutlich um 20 Basispunkte auf 2,43 % für Übernacht- wie für einwöchige Geschäfte. Angesichts der schwächer werdenden Schweizer Konjunktur kann die SNB nicht an einer starken Aufwertung ihrer Währung gelegen sein kann. Am Montag hatte die Notenbank im Einklang mit der EZB und der US-Notenbank Fed ihren Leitzins um 50 Basispunkte gesenkt. "Vor dem Wochenende will man Sicherheit - koste es, was es wolle", sagte ein Händler. Derweil pendelte der Euro zum $ bei nervösem Geschäft wenig verändert um 0,92 $.

Befürchtungen über einen möglichen US-Militärschlag ließen auch den Goldpreis auf 291,30 $ von 288,50 $ am Vorabend steigen. "Viele verharren an der Seitenlinie und warten auf Ereignisse im Nahen Osten," sagte ein Händler.

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