Seit heute Vorstandschef der Microlog AG
Kunzmann: Auf der Überholspur zu Hause

Fünf Unternehmen in 14 Jahren, nirgends länger als fünf Jahre: Martin Kunzmann, der neue Microlog-Chef, liebt Geschwindigkeit. Geduld ist seine Sache nicht.

FRANKFURT/MAIN. "Two by four" lautet sein berufliches Motto. Will heißen: Verdopplung der Gewinne alle vier Jahre.

Martin Kunzmann, seit heute neuer Vorsitzender des Vorstands des am Neuen Markt notierten Logistikers Microlog AG, hat eine Vorliebe für kurze Formeln und Schlagworte. Er baut gerne Druck auf, unter dem höchstens sein Umfeld leidet. Er selbst braucht diese Spannung, braucht Nervenkitzel, braucht hohe Geschwindigkeit.

Vergleiche mit der Comic-Figur Lucky Luke, der bekanntlich schneller als sein eigener Schatten ist, fallen Menschen ein, die die Bahnen des bisherigen Vorstands des Schweinfurter Wälzlagerherstellers FAG Kugelfischer gekreuzt haben. "Der Kunzmann lädt nicht, der schießt nur", sagt süffisant ein ehemaliger Kollege.

Den Fuß fest auf dem Gaspedal, so fühlt er sich am wohlsten - beruflich wie auch am Lenkrad eines seiner Sportwagen aus Zuffenhausen oder Maranello. "Bei meinen Autos sind alle Geschwindigkeitssperren entfernt", sagt Kunzmann mit Mannesstolz.

Auch bei seinen Visionen als Manager beseitigt er Barrieren. Wer sich auf der beruflichen Kriechspur bewegt, spürt nicht selten auch seine Geringschätzung, wird zurückgelassen: "Wenn in einer Branche Geld zu verdienen ist, bin ich vorne dabei", sagt der Mann, der seine Managerkarriere nach einer Lehre zum physikalisch-technischen Assistenten über den zweiten Bildungsweg gestartet hat.

Gewohnt schnell schiebt er nach, dass sich diese Aussage stets auf das Unternehmen bezieht, für das er arbeitet, und nicht auf ihn persönlich. Der 45-jährige promovierte Maschinenbauer und Vater zweier Kinder meint wohl beides. Es verwundert eigentlich, dass der Mann, den sie bei seinem ehemaligen Arbeitgeber Claas "Turbo-Martin" nannten, nicht schon früher den Weg zum Neuen Markt gefunden hat.

Doch Kunzmann hat im Gegensatz zu einigen aus der Riege der Neuen-Markt-Vorstände, die glaubten, auch auf der Überholspur gebucht zu sein, bereits gezeigt, dass er hohe Geschwindigkeiten beherrscht. Als er 1994 bei Claas startete, "und mitleidig belächelt wurde, in die langweilige Landmaschinenbranche zu gehen", zeigte er, dass "man auch in schwierigen Phasen erfolgreich sein kann". Die Zahlen, die Kunzmann bei seinen bisherigen Arbeitgebern produzierte, sprechen für seine Managerqualitäten.

Dass dabei zuweilen die Nerven von Sekretärinnen und Untergebenen Schaden nahmen, seinem Vorwärtsdrang kurzerhand sogar einmal ein großes Pförtnerhäuschen weichen musste, sind Episoden auf dem Weg zum Ziel. "Er engagiert sich bis zum Umfallen und erwartet das auch von allen anderen", sagt einer seiner Ex-Kollegen mit Anerkennung und einem Schuss Unverständnis.

Seine Geschwindigkeit will Kunzmann auch bei Microlog nicht drosseln: "Erster Meilenstein ist die Umsatzmarke von 500 Millionen Euro." Microlog soll auf dem Weg zum führenden Unternehmen im Bereich Kontraktlogistik mit hoher Schlagzahl weiterwachsen und mittelfristig "zu einem der führenden 50 Unternehmen an der deutschen Börse werden". Ein weiter Weg, denn bislang gehört die Firma nicht einmal dem Nemax 50 an.

Doch Microlog ist ein Unternehmen, das an hohes Tempo gewöhnt ist: Im Jahr 2001 wurde der Umsatz auf knapp 200 Millionen Euro mehr als verdreifacht und blieb dabei profitabel. Dafür sorgten der bisherige Vorstandssprecher Frank Weise, der im März in den Vorstand der Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit wechselte, und sein Vorstandskollege Rolf van den Berg, der Microlog gegründet hat.

Dass der Geschwindigkeitsrausch nicht den Blick für die Kosten vernebelt, garantiert auch die straffe Kontrolle des Mehrheitsaktionärs Delton AG. Denn das Unternehmen, in dem die Industriebeteiligungen des BMW-Erbes Stefan Quandt gebündelt sind, sieht sich keineswegs nur als Financier. Delton-Vorstandsvorsitzender Berndt-Michael Winter, der den Microlog-Aufsichtsrat führt, übt nach Angaben aus Branchenkreisen seine Aufgabe sehr aktiv aus. Ein Einfluss, der, so Kunzmann, "nicht behindert". Zumindest nicht so stark wie der der INA-Gruppe, die bekanntlich nach einer Übernahmeschlacht nun das Sagen bei seinem Ex-Arbeitgeber FAG Kugelfischer hat.

Denn das Sagen und das letzte Wort hat Kunzmann am liebsten selbst.

Quelle: Handelsblatt

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