Seit Jahren Standard
Nasdaq nimmt Pennystocks automatisch aus dem Handel

dpa-afx NEW YORK. Seit einem Jahr kennen viele Kurse am Frankfurter Neuen Markt nur noch eine Richtung: bergab. Der Wert zahlreicher einst hochgelobter Technologie-Aktien ist seit der Hochphase im März vergangenen Jahres ins Bodenlose gestürzt. Über 20 der 343 Titel am Neuen Markt notieren derzeit unter einem Euro (1,96 DM). Angesichts des zutiefst erschütterten Vertrauens der Anleger gerät die Deutsche Börse AG zunehmend unter Druck, diese so genannten Pennystocks aus dem Handel zu nehmen. Was in Frankfurt hinter verschlossenen Türen diskutiert wird, ist an der US-Vorbildbörse Nasdaq seit Jahren Standard.

Ein Wert, der an der Nasdaq notiert ist, steht unter ständiger Beobachtung. Tag für Tag durchforstet der US-Börsencomputer die Kurse der knapp 5 000 Titel und sucht nach Aktien, die unter einem US-Dollar notieren. Wird der Rechner fündig, bekommt das Management des betroffenen Unternehmens einen Blauen Brief mit der Aufforderung gegenzusteuern. Von nun beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. 90 Tage haben die Unternehmen üblicherweise Zeit, um ihren Verbleib auf dem Kurszettel zu sichern. Nur wenn die Firma es schafft, an zehn aufeinander folgenden Handelstagen über das vorgegebene Limit zu kommen, ist sie aus dem Schneider.

Sieben Tage Zeit

Gelingt dies nicht, wird das Unternehmen über den unmittelbar bevorstehenden Rauswurf informiert. Das Management hat dann sieben Tage Zeit, um eine Anhörung zu seinem Fall zu beantragen und das sogenannte Delisting zu verhindern. Die Kommission kann in seltenen Ausnahmefällen eine befristete Weiternotierung erlauben. Diese wird aber nur unter strengen Auflagen erlaubt.

Im vergangenen Jahr flogen insgesamt 240 Unternehmen aus dem prestigeträchtigen High-Tech-Markt. In diesem Jahr dürfte diese Zahl der Delistings deutlich überschritten werden: Allein bis Mai mussten bereits 205 Firmen die nach New York umgezogene Nasdaq verlassen. Nicht alle Delistings erfolgten allerdings auf Grund des Unterschreitens der Ein-USD-Marke. Auch Verstöße gegen die Vorgabe, Bilanzen rechtzeitig vorzulegen, sowie schlicht und einfach Firmenpleiten führen zur Herausnahme aus dem Handel.

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