Seit Jahresbeginn 45 Prozent an Wert verloren
Vodafone-Prognosesenkung belastet Europas Telekom-Titel

Mit einer deutlichen Senkung der Gewinnprognosen für seine Töchter in Deutschland und Italien, D2 und Omnitel, hat der europaweit größte Mobilfunk-Konzern Vodafone einen Einbruch der Aktienkurse an den bereits geschwächten Telekommärkten ausgelöst.

Reuters LONDON. Vodafone teilte am Freitag mit, die Prognose solle aber nicht als Korrektur derzeitiger oder künftiger Geschäftsaussichten interpretiert werden. Analysten reagierten unterschiedlich, der Aktienkurs brach in London um 9,68 Prozent auf 101 Pence ein. Seit Jahresbeginn hat die Vodafone-Aktie damit 45 Prozent ihres Wertes verloren. Vodafone zogen die gesamte Branche mit sich in die Tiefe.

So rutschten die Aktien der France Telecom um 6,65 Prozent auf ein Rekordtief von 22,87 Euro. Die Aktien der Deutsche Telekom büßten 5,90 Prozent auf ein Allzeittief von 12,91 Euro ein und der Mobilfunkhersteller Nokia wurde um 1,47 Prozent auf 16,87 Euro zurückgestuft. Insgesamt verloren am Freitag die Aktien der größten europäischen Telekomunternehmen über 27 Milliarden Euro an Wert.

Vodafone, die den inzwischen als Vodafone AG firmierenden Traditionskonzern Mannesmann AG im Jahr 2000 übernommen hatte, senkte am Morgen kurz nach Börsenbeginn in London seine 2002/03er Prognose für den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibung (Ebitda) für die beiden Töchter um 5,2 Prozent auf rund 6,0 Milliarden Euro und für 2003/04 um 8,0 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro. Analysten hatten für 2002/03 ein Ebitda von 6,5 Milliarden Euro prognostiziert.

In der ersten Hälfte des Vodafone-Geschäftsjahres bis September 2001 machten die D2- und Omnitel-Umsätze rund ein Viertel des vergleichbaren Konzernumsatzes und ein Drittel des Ebitda aus. Bereits im April hatte Vodafone einen Rückgang der Kundenzahl in Deutschland von fast 400.000 gemeldet. Der deutsche Markt gilt unter Branchenkennern für mehrere europäische Telekommunikationsanbieter als problematisch, da dort ungewöhnlich viele Anbieter tätig sind und die Regulierungsbestimmungen eine Konsolidierung verhindern.

INVESTOREN FÜRCHTEN ABSCHREIBUNGEN BEI DEUTSCHER TOCHTER

Einige Analysten sahen in der Prognoserevision ihre negative Einschätzung der Vodafone-Aussichten bestätigt. Die Senkung sei kaum überraschend gewesen, sagte Mark James von Nomura. "Unsere Zahlen sind viel weniger optimistisch als die des Unternehmens", sagte der Analyst, dessen Preisziel für die Aktien bei 77 Pence liegt. Interessant sei nun die Antwort auf die Frage, wie hoch die Vorteile für Vodafone aus dem Kauf der bisher von Dritten gehaltenen Anteile der Vodafone AG (ehemals Mannesmann) seien.

Vergangenen Monat gab Vodafone 430 Millionen Euro aus, um diesen 0,4-prozentigen Anteil aufzukaufen. Das Unternehmen begründete diesen Schritt damit, dass der Konzern so flexibler werde. Für einige Experten war der Zeitpunkt der Prognoserevision für die Vodafone-Töchter überraschend. "Wir haben nichts dergleichen erwartet", sagte John Hayes, Fondmanager bei F&C Management. "Dies ist eine klare Herunterstufung der Zahlen." Demgegenüber sagte Gareth Lewis, Fondsmanager beim Haus Singer & Friedlander: "Der Markt ist eindeutig besorgt, dass noch mehr fundamentale Probleme bestehen, als heute bekannt geworden ist".

Investoren befürchten, dass Vodafone ihre deutschen Vermögenswerte teilweise abschreiben muss, wenn das Unternehmen am 28. Mai die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr vorlegt. Immerhin kaufte Vodafone die Mannesmann AG für 180 Milliarden Dollar, als der Telekommunikationsboom nahe seines Höhepunkts war.

AKTIENKURS REAGIERT EMPFINDLICH

Angesichts des angeschlagenen Telekommunikationssektor reagierten Anleger besonders empfindlich, sagten Analysten. "In diesem Umfeld hat jede schlechte Nachricht eine große Wirkung", sagte ein britischer Branchenkenner. Seit März 2000 haben die Aktien der Branche über 70 Prozent ihres Wertes verloren. Der Aktienkurs von Vodafone war schon vorbörslich kräftig unter Durck geraten und hatte ein Niveau erreicht, auf dem er zuletzt im Februar 1998 notiert hatte.

Die Aktien haben allein seit Jahresbeginn 20 Prozent mehr verloren als der europäische Dow-Jones-Stoxx-Branchenindex. Händlern zufolge belasteten die Vodafone-Aktien zusätzlich Gerüchte über eine Herabstufung durch die Investmentbank Goldman Sachs. Das Investmenthaus erklärte aber, es habe seine Einstufung und Gewinnerwartungen nicht geändert, prüfe aber die Vodafone-Mitteilung genau.

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