Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund drei Viertel ihres Wertes verloren
Mobilcom-Aktie wird zum Spielball der Spekulanten

Gerüchte und lancierte Meldungen in Internet-Foren und Chatrooms sorgten für Fantasie bei Börsen-Zockern.

HB/dpa BÜDELSDORF/PARIS. Die Aktie des Büdelsdorfer Telekom - Anbieters Mobilcom ist zum Spielball für Spekulanten geworden. Wenige Tage vor der Veröffentlichung neuer Unternehmensdaten kletterte das Papier am Donnerstag dieser Woche um ein Drittel und erreichte Kurse oberhalb von sechs Euro. Am Freitag musste die Aktie einen Teil dieser Gewinne bis zum Mittag wieder abgeben.

Echte Neuigkeiten in dem Streit zwischen den Großaktionären France Télécom und Gerhard Schmid gibt es nicht, doch gerade die anhaltende Unsicherheit um die Zukunft des Unternehmens macht die Aktie für Spielernaturen attraktiv. "Gerüchte gibt es immer wieder, aber ich glaube nicht, dass mehr dahinter steht", sagte Unternehmenssprecher Matthias Quaritsch. Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund drei Viertel ihres Wertes verloren.

France Télécom will seit Monaten von Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid und seiner Ehefrau Sybille Schmid-Sindram knapp 50 Prozent der Aktien des Unternehmens übernehmen. Den Franzosen ist es zwar gelungen, Schmid von der Spitze des Unternehmens zu verdrängen; das Sagen bei Mobilcom haben sie damit offiziell jedoch noch nicht. So sieht es jedenfalls die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BAFin), die deshalb keine Verpflichtung von France Télécom erkennen kann, auch den freien Aktionären ein Übernahmeangebot zu machen. Gegen diese Rechtsmeinung will Schmid die Gerichte einschalten.

Seine Gattin hat zudem eine außerordentliche Hauptversammlung der Mobilcom AG beantragt, um Klarheit über die Zukunft des Unternehmens zu gewinnen. Dieser Antrag werde gegenwärtig juristisch geprüft, sagte Quaritsch. Eine Entscheidung darüber könne eventuell in der nächsten Woche fallen. Schon aus organisatorischen Gründen und wegen der Einladungsfristen ist mit einer solchen Hauptversammlung jedoch erst im Herbst zu rechnen, vielleicht Ende Oktober.

Die Spekulationen richten sich nun auf die Veröffentlichung der Unternehmenszahlen für das erste Halbjahr am kommenden Donnerstag. Schon vorher werde es eine aktionärsfreundliche Einigung mit einem Kurs von zehn Euro für die Mobilcom-Anteilseigner geben, rumorte es im Internet. Der Betrag geistert seit Monaten durch die Medien, wurde aber von France Télécom nie offiziell bestätigt. Schmid will mehr Geld, hat aber gleichzeitig erklärt, er wolle die Verhandlungen nicht scheitern lassen und keine Insolvenz riskieren.

Eine Einigung mit Schmid in den nächsten Tagen ist eher unwahrscheinlich, weil zuvor noch eine Lösung mit den Mobilcom - Lieferanten Ericsson und Nokia über Kredite von 1,1 Milliarden Euro gefunden werden muss. So lange hängt MobilCom am Tropf der Banken, die einen Großkredit über 4,7 Milliarden Euro bis Ende September verlängert haben.

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