Seit Jahresbeginn ist der Preis um über 40 Prozent gestiegen – Politische Unruhen an der Elfenbeinküste machen sich bemerkbar
Kakao dürfte erstmal noch teurer werden

Nachdem die Preise am Kakaomarkt in den beiden letzten Jahren fast ununterbrochen gefallen waren, zeichnet sich nun eine Trendwende ab: Seit Jahresbeginn sind die Preise für eine Tonne Kakao um über 40 Prozent auf zuletzt fast 840 britische Pfund gestiegen. Allerdings steigen auch die Vorräte weiter.

KAPSTADT. Was genau hinter dem plötzlichen Aufschwung des Kakaopreises steckt, ist unter Experten umstritten. Als Hauptgrund führen die meisten von ihnen die rückläufigen Kakaolieferungen aus der Elfenbeinküste an, wo die politischen Unruhen der letzten Monate nun allmählich auf den Preis durchschlagen. Da die nächste Ernte des westafrikanischen Landes hinter den Erwartungen zurückbleiben und womöglich kaum eine Millionen Tonnen erreichen dürfte - verglichen mit 1,3 Mill. t im vergangenen Jahr - werden kurz- bis mittelfristig weitere Preissteigerungen erwartet.

Auswirkungen auf die Kakao-Futures in London dürfte aber auch der jüngste Preiskampf zwischen den Rohstoffhäusern Archer Daniels Midland (ADM) und Cargill haben, die beide eine Verknappung des Angebots befürchten. Bereits im letzten Jahr hatten die zwei Unternehmen ihre Kakaobohnen deshalb erstmals zum Teil direkt von den Kaffeepflanzern gekauft und die Zwischenhändler umgangen. Unter diesen besteht nun die Sorge, dass die beiden großen Konzerne ein Monopol bilden und Preisabsprachen treffen könnten.

Auch die Regierung der Elfenbeinküste betrachtet die zunehmende Dominanz von Cargill und ADM am Kakaomarkt mit einer gewissen Skepsis. Auf der anderen Seite begrüßt sie jedoch den Preisanstieg und die stärkere Verarbeitung der Kakaobohnen im eigenen Land. Schließlich hatte der westafrikanische Staat seinen Kakaomarkt 1999 explizit mit dem Ziel geöffnet, die Erzeuger fortan stärker an den Weltmarktpreisen partizipieren zu lassen. Nach dem starken Einbruch der Kakaopreise im letzten Jahr scheint dies nun auch zu gelingen.

Dass sich die geringere Produktion der Elfenbeinküste nachhaltig auf den Kakaopreis auswirkt, hat seinen Grund: Mit einer Ernte von 1,3 Mill. t ist die frühere französische Kolonie in Westafrika der mit Abstand größte Kakaoproduzent der Welt. Abgeschlagen folgen auf den Plätzen zwei und drei sein westafrikanischer Nachbar Ghana sowie Indonesien, die beide jeweils 360.000 t ernten. Gemeinsam sind die drei Staaten einsame Spitzenreiter und für rund Zweidrittel der gesamten Weltkakaoernte von etwa 2,7 Mill. t verantwortlich.

Die Elfenbeinküste beunruhigt den Markt

Entsprechend empfindlich reagiert der Markt auf schlechte Kunde aus Westafrika, egal ob sich dabei um die Politik oder das Klima dreht. Die Elfenbeinküste sorgt bereits seit längerem für Unruhe am Markt: Seit seine staatliche Kakaovermarktungsbehörde im Oktober 1999 in private Hände überging und keine garantierten Preise mehr an die Pflanzer zahlt, ist es immer wieder zu spektakulären Aktionen gekommen: Erst blockierten die Kaffeefarmer aus Protest gegen den niedrigen Weltmarktpreis den Transport der Kakaobohnen an die Küste. Dann entschlossen sich vier afrikanische Staaten im August letzten Jahres in einem Verzweiflungsakt besonderer Art, zum Zweck einer Angebotsverknappung 250.000 Tonnen Kakaobohnen (fast 8% der Welternte) einfach zu verbrennen.

Auf den Marktpreis selbst hatte die Ankündigung schon deshalb nur begrenzte Wirkung, weil Kakao derzeit noch immer ein Überschuss- produkt ist. So stieg die Produktion im Jahre 1999/2000 auf drei Mill. Tonnen, eine Zunahme um 6,9%.

In dem gleichen Zeitraum nahm der Weltverbrauch nach Angaben der Internationalen Kakao-Organisation hingegen nur um 6,3% auf 2,95 Mill. Tonnen zu. Nach Schätzungen der Organisation sind die weltweiten Vorräte damit in der letzten Saison um weitere 3% auf nun 1,3 Mill. t gestiegen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Europäische Union im März letzten Jahres ihre Kakao-Richtlinien geändert hat.

Die Hersteller dürfen ihrer Schokolade seitdem 5% Fette beimischen. Diese kosten aber nur 10% des Preises für Kakaobutter. Eine Folge davon ist, dass die Nachfrage nach der teureren Kakaobutter gesunken ist. Allein die Elfenbeinküste verliert dadurch nach eigenen Schätzungen jährlich rund 300 Mill. Dollar.

Gleichwohl gibt es für die Kakaoproduzenten auch einzelne Hoffnungsschimmer: Dazu gehört zum Beispiel die fallende Kakaoproduktion in Brasilien und Malaysia. Zudem könnte die Nachfrage nach dem Rohstoff in Ostasien mit dem Ende der Wirtschaftskrise wieder wachsen und dem Kakaopreis zu einem länger anhaltenden Comeback verhelfen.

Dass es langfristig wegen der hohen Vorräte zwangsläufig zu einem Preisverfall auf breiter Front kommen muss, ist unter Experten auch aus einem anderen Grund umstritten. Einige verweisen darauf, dass anhaltend niedrige Kakaopreise auf Dauer zu einer Verknappung des Angebots auf dem Weltmarkt führen könnten - und zwar ausgerechnet bei qualitativ hochwertigem Kakao, wie er für die Schokoladenproduktion wichtig ist.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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