Seit November an der Spitze von HEW
Klaus Rauscher: Der optimistische Realist

"Ich bin ein optimistischer Realist", charakterisiert Klaus Rauscher sich selbst. Er sagt das ruhig und dabei kringelt sich der Rauch von Mac Baren?s Dark Twist aus seiner Pfeife. Beides, Optimismus und Realismus, kann der neue Chef der Hamburgischen Electricitäts AG-Werke (HEW), seit vier Wochen im Amt, auch gut gebrauchen.

HB DÜSSELDORF. Den Start seiner dritten Karriere als Industriemanager hat sich der ehemalige Spitzenbeamte und Banker sicher anders vorgestellt. Denn indirekt war es sein Wechsel von München nach Hamburg, der die Fusion von HEW, der Berliner Bewag und den beiden ostdeutschen Unternehmen Laubag und Veag scheitern ließ.

Der US-Konzern Mirant, Partner des schwedischen HEW-Mehrheitsaktionärs Vattenfall beim Aufbau der so genannten "Neuen Kraft", brach die Verhandlungen Ende September ab. Mirant, wie Vattenfall mit 44,8 Prozent an der Bewag beteiligt, empfand Rauschers Berufung an die HEW-Spitze als Affront. Angeblich, so die Version der Amerikaner, waren sie nicht in die Personalpläne der Schweden eingeweiht.

Marktbeobachter sehen das Ausscheren der Bewag aus der "Neuen Kraft" als entscheidende Schwächung des Projekts. Aber auch die Berliner verzichten durch ihren Alleingang auf erhebliche regionale Synergien mit Veag.

Für Zündstoff auf der Hauptversammlung (28. November) von Bewag ist also gesorgt. Zusätzliche Brisanz erhält das Aktionärstreffen dadurch, dass Bewag-Aufseher Rauscher in Vertretung für Aufsichtsratschef Barney Rush die Veranstaltung leitet. Denn der Mirant-Emissär spricht kaum Deutsch.

Kaum im Amt, schon ist Seiteneinsteiger Rauscher mittendrin im verwickelten Stromgeschäft. Seine Karriere begann der zweifache Familienvater und promovierte Jurist im Staatsdienst. 13 Jahre lang arbeitete er im bayerischen Finanzministerium und leitete zuletzt die Wirtschafts- und Beteiligungsabteilung. 1988, mit 39, wird Rauscher Chef der Staatskanzlei. 1991 wechselt er zur Bayerischen Landesbank und steigt wenig später in deren Vorstand auf. Er ist für das Firmenkundengeschäft und dabei insbesondere für die Energieversorger zuständig. In dieser Funktion sitzt er in Aufsichtsräten etwa von HEW, Bewag und Veag. Natürlich unterscheiden sich die Aufgaben als Firmenaufseher deutlich von seiner neuen Rolle als aktiver Manager. Aber dies empfindet der passionierte Teetrinker (Darjeeling Nr. 13 von Dallmayr) nicht als Nachteil.

Als Jurist habe er gelernt, analytisch präzise zu denken, in der Politik mehr in großen Zusammenhängen. Und als Banker war er oft auch Unternehmer. "Ich glaube, dass diese Kombination für meine neue Aufgabe ganz nützlich ist", resümiert der grau melierte Brillenträger in bayerischem Tonfall und mit geradezu hanseatischer Untertreibung.

Gleichwohl: Als designierter Vorstandsvorsitzender der "Kleinen Kraft" steht er vor einer gewaltigen Aufgabe. Frühestens in 13 Monaten geht das neue Unternehmen an den Start - viel Zeit für Eon und RWE, ihre führende Position im deutschen Strommarkt durch weitere Zukäufe auszubauen.

Rauscher darf also keine Zeit verlieren: Struktur und Führung des künftigen Nordostversorgers stehen bereits. Unter dem Dach einer Holding werden selbstständige Betriebe für Erzeugung, Netze, Stromhandel, Vertrieb und Wärme angesiedelt. Der HEW-Chef räumt ein, dass er bei der Umsetzung seines "Masterplans" bisweilen auf massiven Widerstand gestoßen ist. Doch die Überzeugungsarbeit habe sich gelohnt. Shareholder-Value könne nicht der einzige Wert für Manager sein. "Wir müssen auch Rücksicht auf die Menschen nehmen. Das Unternehmen lebt von ihnen."

Die nun vor ihm liegende Etappe ist noch schwieriger. Rauscher muss einen Braunkohleförderer (Laubag) und ein Verbundunternehmen aus Ostdeutschland (Veag) mit einem westdeutschen Atomstromproduzenten (HEW) zusammenführen. Er ahnt wohl, was ihn erwartet, "denn es handelt sich um eigenständige Unternehmen mit unterschiedlichen Kulturen und Interessen". Von den Wünschen der betroffenen Bundesländer und der Gewerkschaften ganz zu schweigen.

Doch Rauscher lässt sich nicht entmutigen. Sein Ziel: Aus dem "Solitär" HEW mittels der Fusion ein "Collier" am deutschen Strommarkt zu schaffen, in das, irgendwann, die "Perle" Bewag eingearbeitet wird.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur
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