Seit zwei Wochen keine Hinweise auf Terroristenführer
Spekulationen um Osama bin Laden

Der amerikanische Geheimdienst hat die Spur des Terroristenführers Osama bin Laden vor zwei Wochen verloren. Damals glaubten US-Soldaten, die Stimme des meistgesuchten Mannes der Welt in einigen aufgefangenen Funksprüchen erkannt zu haben.

ap WASHINGTON. Der Mangel an neuen Hinweisen gibt den seit Monaten kursierenden Gerüchten über bin Ladens Aufenthaltsort neue Nahrung: so soll er sich immer noch in der Höhlenfestung Tora Bora verstecken, sich in einem pakistanischen Grenzdorf aufhalten oder sogar von seinen eigenen Leuten als Märtyrer erschossen worden seien. Beweise gibt es für keine dieser Theorien.

Auch Videoaufnahmen, die der arabische Fernsehsender El Dschasira in Ausschnitten zeigte, gaben keine neuen Hinweise auf seinen Aufenthaltsort. Die Bilder wurden wahrscheinlich schon Ende November oder Anfang Dezember aufgenommen. Bin Laden bezog sich darin auf einen amerikanischen Bombenangriff "vor einigen Tagen" auf eine Moschee in Chost. US-Kampfflugzeuge bombardierten die Moschee nach amerikanischen Angaben irrtümlich am 16. November. In Anspielung auf die Terroranschläge vom 11. September und den Beginn der Luftangriffe auf Afghanistan am 7. Oktober sagte bin Laden, er spreche drei Monate nach den "gesegneten Angriffen auf die Ungläubigen" und zwei Monate nach Beginn der "teuflischen Aggression auf den Islam".

In den vergangenen Tagen hatten mehrere Zeitungen in Pakistan berichtet, bin Laden sei tot. Einige schrieben, er sei von seinen eigenen Leuten erschossen worden, als sich amerikanischen Truppen seinem Versteck näherten, andere sprachen von natürlichen Todesursachen. So hieß es in der "Daily Dophar", einer kleinen Zeitung in Islambad, bin Laden sei in Tora Bora an Nieren- und Magenkrebs gestorben und von 30 engen Vertrauten begraben worden. Wenn Bin Laden jedoch wirklich tot wäre, hätten seine Anhänger dies vermutlich in Funkgesprächen erwähnt, die von den US-Geheimdiensten abgehört werden. Im November hatten die Vereinigten Staaten auf diese Weise erfahren, dass der Stellvertreter bin Ladens, Mohammed Atef, bei einem Bombenangriff in der Nähe von Kabul ums Leben gekommen war. Aus US-Behördenkreisen verlautete, es sei jedoch möglich, dass die Anhänger bin Ladens sich noch immer in den Tiefen von Tora Bora versteckten und strenge Anweisung hätten, über Funk nicht über den Aufenthaltsort ihres Anführers zu sprechen.

Somalia und Sudan als mögliche Fluchtziele

Es gilt als wenig wahrscheinlich, dass Bin Laden über Afghanistan oder Pakistan hinaus geflüchtet sein könnte. Die USA haben jedoch Somalia, Tschetschenien und Sudan als möglich Ziele des Terroristenführers genannt. Amerikanischen Kriegsschiffe patrouillieren vor den Küsten, um eine Flucht auf dem Seeweg zu verhindern.

Bin Laden ist nicht der einzige gesuchte El-Kaida-Führer: Die amerikanischen Streitkräfte erklärten am Mittwoch, sie hätten den afghanischen Truppen in der Nähe von Dschalalabad eine Liste mit neun Namen übergeben. Darunter befinden sich bin Laden, sein Stellvertreter Ajman el Sawahri, Finanzchef Sa'd el Scharif und Sicherheitschef Saif el Adil. Aufgenommen wurden auch Atef, weil die US-Truppen seine Leiche bisher nicht gefunden haben. Der Oberbefehlshaber des Afghanistan-Einsatzes, General Tommy Franks, versicherte, die USA wollten sich durch Gerüchte und Trümmer kämpfen, um bin Laden zu finden. "Wir werden jede dieser Regionen durchkämmen, bis wir sicher wissen, dass er da und tot ist", erklärte Franks. "Wir werden es herausfinden."

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