Seitenlage der "Kursk" bereitet Probleme
Russische Marine will U-Boot-Besatzung mit Rettungsglocke bergen

Die Bergung der 116 Marinesoldaten soll am Abend beginnen. Die Rettung gilt als sehr schwierig.

afp MOSKAU. Die russische Marine hat sich am Dienstag auf den Versuch vorbereitet, die Besatzung des im Nordpolarmeer gesunkenen Atom-U-Bootes "Kursk" zu retten. Die Bergung der 116 Marinesoldaten sollte je nach Wetterlage am Abend ab 18.00 Uhr MESZ beginnen. Für die Aktion plante die Marine nach Angaben ihres Oberkommandierenden Admiral Wladimir Kurojedow den Einsatz einer eigens für U-Boot-Notfälle konstruierten Rettungsglocke. Sie sollte von dem Spezialschiff "Rudnizki" zu dem U-Boot hinabgelassen werden. Auf diese Weise sollten die Seeleute in Gruppen von bis zu 20 Mann an die Wasseroberfläche gebracht werden. Die Kapsel müsse jedoch an den Rettungsausstieg der "Kursk" andocken, hieß es.

Ein derartiges Manöver schätzten Experten als hoch problematisch ein: Die Seitenlage des Bootes mit etwa 60 Prozent Neigung mache die Rettung "sehr schwierig", sagte der russische Reservekapitän Igor Kudrin. Ein Ausstieg für die Marinesoldaten sei so über die Notluke "praktisch unmöglich". Dennoch hielten die meisten Experten diese Variante noch für die Erfolg versprechendste.

Die US-Marine verfügt über kleine Rettungs-U-Boote, die auf diese Weise Menschen von Bord holen könnten. Allerdings lehnte Moskau westliche Hilfe bis Dienstag ab. Unklar sei außerdem, ob die unterschiedlichen Schleusensysteme der US-Marine und der russischen U-Boote kompatibel seien, betonte der französische Marineexperte Bernard Prézelin. Die russische Marine verfüge zwar noch über ein vergeichbares Rettungs-U-Boot der "India"-Klasse. Es sei jedoch möglicherweise gar nicht mehr einsatzfähig.

Eine weitere theoretische Möglichkeit war der Aufstieg der gesamten Besatzung in zwei Rettungskapseln. Die beiden Kapseln befinden sich in der Mitte des U-Bootes. Die Seeleute könnten schließlich einzeln und ausgerüstet wie Tiefseetaucher aufsteigen - mit Tauchanzügen und Sauerstoffflaschen. Der Ausstieg wäre durch eine Schleusenkammer oder ein Torpedorohr möglich. Solch ein Aufstieg dauert nach Expertenansicht fünf bis sechs Minuten. Die Gesundheitsgefahr durch den mangelnden Druckausgleich wird dabei jedoch als sehr groß eingestuft. Die Tiefe von über hundert Metern sei selbst für erfahrene Taucher kaum zu meistern, sagte ein westlicher Fachmann.

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