Seitwärtsbewegung an den Aktienbörsen erwartet
Ausblick: Kriegsangst drückt die Märkte

Die Finanzmärkte schauen zuerst auf die politischen Ereignisse: Der Konflikt zwischen Indien und Pakistan sowie die Angst vor Terroranschlägen dämpfen die Kauflust. Labil bleibt aber auch das wirtschaftliche Umfeld.

nw FRANKFURT/M. Die politische Unsicherheit drückt weiter auf die Stimmung an den Finanzmärkten. Wie schon in der vergangenen Woche werden sich Investoren voraussichtlich mit Engagements zurückhalten, solange vor allem der Konflikt zwischen Indien und Pakistan nicht entschärft ist. Die Unsicherheit belastet den Dollar-kurs, dämpft die Kauflust an den Aktienmärkten und dürfte den Goldpreis weiter stärken, vermuten Volkswirte und Händler.

Auf der wirtschaftlichen Seite sehen die Investoren zwar viele Fragezeichen, aber auch einige Hoffnungsschimmer. In den USA belasten nach Meinung der DZ-Bank-Volkswirte weiterhin Sorgen über die Nachhaltigkeit der Konjunkturerholung die Börse, da nach einer Reihe positiver Wirtschaftsdaten die Frühindikatoren im April wieder rückläufig waren. Solche "Bären"-Stimmen wie von der DZ-Bank sind aber selten. Deutlich optimistischer klingt die Prognose von Lehman Brothers: Dort rechnen die Volkswirte in dieser Woche mit Signalen dafür, dass die privaten Konsumenten weiter in Einkaufslaune bleiben. Heute ist in den USA Feiertag, morgen werden Daten zu den privaten Einkommen, zum Konsum und dem Verbrauchervertrauen veröffentlicht. Nach Meinung der DGZ Deka-Bank werden dabei die erhöhten persönlichen Einnahmen zeigen, dass der Mehrkonsum nicht aus einer Mehrverschuldung der privaten Haushalte gespeist wird.

Die Wirtschaft in der Euro-Zone "schlägt jetzt die Trommeln für schnelleres Wachstum", glaubt Bear Sterns. Wie stark sich das Wachstum tatsächlich beschleunigt, ist unklar. Ein Signal gibt der westdeutsche Ifo-Geschäftsklimaindex, der heute veröffentlicht wird. Trotz des leichten Rückschlags im Vormonat sei der Auswärtstrend intakt, meinen die DGZ-Deka-Volkswirte. Für den Mai müssten allerdings der Metallerstreik und die Folgen berücksichtigt werden. Der Markt rechnet mit einem Indexwert von 90,9 nach 90,5 im Vormonat. Auf großes Interesse wird am Freitag die Veröffentlichung der Geldmenge M3 und des Euro-Verbraucherpreisindex stoßen. Für beide Kennziffern werden rückläufige Zahlen erwartet. Einige Beobachter stellen in Frage, ob die von der Europäischen Zentralbank (EZB) angestrebte Obergrenze der Jahresteuerung von 2,0 Prozent in diesem Jahr gehalten werden kann. Über den Zeitpunkt, wann die EZB die Zinsen erhöht - Juni, Juli oder September -, gehen die Meinungen auseinander.

In Japan erwarten Analysten weitere Interventionen der Notenbank, um die Yen-Stärke zu bekämpfen. Sie dürften jedoch immer weniger bewirken, da die Märkte sich bereits darauf einstellen, vermuten die Ökonomen von Bear Sterns. Die japanische Regierung befürchtet, dass ein zu fester Yen die Konjunkturerholung bremsen könnte.

Diese Woche werden in Tokio die Einzelhandelsumsätze, die Industrieproduktion und Preisindex für April veröffentlich. Von diesen Daten erwarten die Lehman-Volkswirte erste Aufschlüsse über die Konjunkturentwicklung im zweiten Quartal. Der Börse hat die Yen-Stärke bislang nicht sehr geschadet. Der Nikkei-225-Kursdurchschnitt erreichte den höchsten Stand seit neun Monaten.

Auf der Unternehmensebene ziehen in Europa in dieser Woche zwei Telekom-Schwergewichte die Aufmerksamkeit auf sich: Auf der Hauptversammlung der Deutschen Telekom am Dienstag wird Firmenchef Ron Sommer versuchen, die Aktionäre bei der Stange zu halten und überzeugende Visionen aufzuzeigen. Auch der Kurs des britischen Wettbewerbers Vodafone, der am gleichen Tag Zahlen vorlegt, hat in letzter Zeit arg gelitten. Analysten befürchten bei dem Mobilfunkkonzern weitere hohe Abschreibungen, die das Ergebnis drücken. Auf der Hauptversammlung der Commerzbank am Freitag stellt sich der seit einem Jahr amtierende Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller erstmals den Fragen der Aktionäre.

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