Selbst Anlageprofis sind nicht sicher, wie es weiter geht
Fondskommentar: Stochern im Nebel

Das Wunder ist ausgeblieben. Die schlechten Unternehmenszahlen fürs erste Quartal 2002 sorgten an der Wall Street für Verdruss. Nun geht wieder die Angst um vor dem börslichen Double-Dip, einem erneuten Einbruch wie nach dem 11. September.
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DÜSSELDORF. Besonders zittern müssen jetzt Fondsmanager, die ihr Portfolio bereits randvoll mit Zyklikern und Technologiewerten geladen haben. Durchhalten oder Strategie ändern? Eine eindeutige Antwort bleiben die Anlageprofis schuldig.

Fondsanbieter Adig etwa rechnet an der Leitbörse in New York in den kommenden Wochen mit seitwärts tendierenden Kursen. Die Analysten der Commerzbank-Tochter verweisen insbesondere auf die Risiken auf dem Ölmarkt durch die Nahost-Krise. Gerüchte über Kriegspläne der USA gegen den Irak ließen die Befürchtungen zusätzlich ins Kraut schießen. Angesichts dieses Szenarios sehen die Adig-Experten keinen Grund, von krisenfesten Anlageformen wie Immobilien und Anleihen wieder auf Aktien umzuschwenken.

Etwas optimistischer zeigt sich Klaus Wiener, Chefvolkswirt von AMBGenerali Asset Management. Aus heutiger Sicht könne der Aufschwung in den westlichen Industrieländern als sicher angesehen werden. Doch auch Wiener gießt Wasser in den Wein: Die Sparquote der amerikanischen Verbraucher sei trotz der Steuerentlastung nach wie vor extrem niedrig, die Verschuldung sehr hoch. Gleichzeitig bleibe die Kapazitätsauslastung des produzierenden Gewerbes in den USAauf niedrigem Niveau.

In dieser Situation haben sich die von Profis so oft als irrationales Marktmoment gescholtenen Privatanleger als erstaunlich weitsichtig erwiesen. Während Branchenfonds in den vergangenen Monaten starke Einbrüche zu verzeichnen hatten, platzen die Geldmarkt- und Rentenfonds aus allen Nähten.

Ein Engagement in risikoreichen Aktienfonds scheint angesichts einer seitwärts tendierenden Börse derzeit auch wenig sinnvoll.

Genauso töricht wäre es allerdings, Anteile an soliden Standard-Aktienfonds auf den Markt zu schmeißen. Dann schon eher nach Kostolany-Manier eine Schlaftablette nehmen, den Wecker auf zwei bis drei Jahre stellen und dann wieder ins Fondsdepot schauen. Wenn selbst die Profis nicht so genau wissen, wie es weiter geht, dann kann es kein großer Fehler sein, zunächst abzuwarten. Wer bei Nebel im Hafen bleibt, kann auch nicht auf ein Riff laufen.

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