Selbst britische Truppen stehen auf Stand-by
Verbündete bieten USA breites Militärsortiment an

Mit der konkreten Anforderung von umfangreichen Bundeswehrverbänden aus Washington nimmt Deutschland in Europa eine Sonderrolle ein. Zwar haben die meisten Länder den USA ihre militärische Hilfe angedient, doch bislang gingen konkrete Bitten nur in Berlin, Ankara und Prag ein. Obwohl sich Bundeskanzler Gerhard Schröder ausdrücklich auf den Nato-Bündnisfall berief, ist die Allianz nicht direkt beteiligt - alle Gespräche laufen bilateral mit den USA.

DÜSSELDORF. Selbst die Briten stehen derzeit nur in Bereitschaft, auch wenn Premier Tony Blair sein Land "Schulter an Schulter" mit dem Partner USA sieht. Nach dem Einsatz von Marschflugkörpern von britischen U-Booten zu Beginn des Krieges sind Londons Streitkräfte nur noch mit Tankflugzeugen aktiv. Doch stellte das Land nach einem Manöver in Oman ein Kontingent von rund 4 200 Soldaten ab, um in der Region auf Anforderungen reagieren zu können. Zudem befinden sich Flugzeugträger mit Nimrod-Flugzeugen und Kampfhubschraubern sowie mehrere U-Boote, von denen Tomahawk-Raketen abgefeuert werden können, in der Region.

Laut Verteidigungsminister Geoff Hoon könne noch einige Zeit vergehen, bis rund 200 Soldaten der Royal Marines zum Einsatz kämen. Darüber, ob die Spezialeinheit SAS bereits am Boden eingesetzt wurde, gibt es keine Angaben. Wie es heißt, soll Blair bei seinem Besuch in Washington am heutigen Mittwoch anmahnen, dass die USA stärker auf das Angebot der Europäer eingehen.

Erst auf eigenes Drängen wurde Italien in die Militärallianz aufgenommen. Die USA nahmen am Wochenende Angebot der Regierung Berlusconi formal an, italienische Soldaten gegen die Taliban einzusetzen. Verteidigungsminister Antonio Martino teilte mit, Italien werde Luftwaffeneinheiten, Schiffe und Bodentruppen zur Verfügung stellen. Es geht um mindestens sechs Aufklärungs-Tornados, einen Flugzeugträger mit acht bis zwölf Senkrechtstartern vom Typ Harrier, zwei Fregatten und ein Tankschiff. Die Einheiten der Luftwaffe (200 Mann) und die Schiffe der Marine (bis zu 1 400 Mann) sollen bereits in den kommenden Wochen entsendet werden. Mehr Zeit dürfte nach Ansicht hoher Militärs den insgesamt 1 000 Mann an Boden-Spezialeinheiten verbleiben.

Die Franzosen dagegen wollten sich nicht an einem "Schönheitswettbewerb" beteiligen, sagte Außenamtssprecher Francois Rivasseau. Doch liefen Verhandlungen mit Washington über eine erweiterte Militärbeteiligung. Präsident Jacques Chirac war am Dienstag zu Beratungen mit Bush in Washington. Bereits jetzt sind Versorgungs- und Aufklärungverbände der Franzosen im Indischen Ozean aktiv.

Das Nato-Mitglied Türkei stellt den USA 90 Soldaten einer Spezialeinheit zur Verfügung, die die oppositionelle Nordallianz unterstützen sollen. Tschechien will 300 Mann bereitstellen, darunter auf ausdrücklichen Wunsch der USA 160 Soldaten jener Einheit, die auf die Abwehr von chemischen Waffen spezialisiert ist. Diese Einheit wurde schon 1991 im Golfkrieg von den USA angefordert. Nach Angaben von Premier Milos Zeman soll sie "in der Kampfzone dort eingesetzt, wo es am nötigsten ist". Die Einheit kehrte gerade erst von Nato-Manövern in der Türkei zurück.

Außerhalb Europas stellten die Kanadier rund 2 000 Marinesoldaten und 200 Soldaten einer Spezialeinheit zur Verfügung; Australien hat 1 550 Soldaten im Angebot. Tokio schickte am Dienstag Beamte des Außen- und Verteidigungsministeriums nach Hawai, um dort mit den USA Details der Unterstützung zu erarbeiten.

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