Selbst Bundestag verlegte Debatte
In vielen Betrieben herrscht König Fußball

Zum Vorrunden-Spiel der Deutschen Nationalelf gegen Irland hat am Mittwoch in zahlreichen deutschen Betrieben König Fußball die Herrschaft übernommen. Fußballbegeisterte Mitarbeiter versammelten sich vor Fernsehern und Video-Leinwänden und bejubelten Torchancen des deutschen Teams in Japan. Vorstöße der Iren wurden in Konferenzräumen mit Live-Übertragung indes mit einem ahnungsvollen Raunen quittiert.

Reuters FRANKFURT. "Wir sitzen im Büro und schauen von hier aus", sagte Gregor Görtz, Händler beim Broker Lang & Schwarz in Düsseldorf. "Der Großteil der Händler am Finanzplatz Düsseldorf wird aber nur mit einer Notbesetzung arbeiten. Die meisten werden sich in den Kneipen der Innenstadt tummeln, besonders in den Irish Pubs." Es gebe kaum Aktienhändler, die kein Interesse an der Fußball-WM hätten. "Wir werden alle Kundenaufträge ausführen, aber wohl keine eigenen Positionen handeln", fügte Görtz hinzu. "Mit den Augen, Ohren und dem Herzen werden wir uns auf den Fernseher und nicht den Terminal konzentrieren." Anderen Händlern zufolge sollten die Umsätze während des Spiels noch geringer ausfallen als im bisherigen Tagesverlauf bereits. "Es wird sehr ruhig bleiben."

Auch in der Bundespolitik machte sich das Fußball-Ereignis deutlich bemerkbar. Im Bundestag wurde die Aktuelle Stunde zum Antisemitismus auf einen Termin nach der Begegnung gelegt. Die zuvor stattfindende Fragestunde, in der die Bundesregierung Anfragen der Abgeordneten beantwortet, wurde unterbrochen. In Medienredaktionen gingen während der Begegnung deutlich weniger Faxe und Telefonanrufe ein als üblich.

In der freien Wirtschaft mussten eingefleischte Fußballfans zum Teil einiges in Kauf nehmen, um das Spiel mitzubekommen. Bei Opel etwa hieß es Urlaub nehmen für diejenigen, die die Begegnung live verfolgen wollten. Auch beim Reifenhersteller Continental, wo ebenfalls keine Fernseher oder Großleinwände aufgestellt wurden, blieb den Mitarbeitern nur das Ausweichen auf den Videorekorder, um das Spiel aufzuzeichnen. Merck in Darmstadt verwies auf die gleitenden Arbeitszeiten, die den Mitarbeitern eine freie Zeiteinteilung erlaubten. Auch beim größten deutschen Automobilhersteller Volkswagen gab es nach Angaben des Betriebsrates keine Sonderregelungen. "Wer das Spiel unbedingt live sehen will, hat sich wahrscheinlich im Rahmen unserer flexiblen Arbeitszeitregelungen frei genommen", sagte eine Sprecherin des Betriebsrates. Die Produktion laufe aber unvermindert weiter.

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