Selbst die Stars haben mit Problemen zu kämpfen
Wenig Glamour bei den Medienaktien

In den vergangenen zwölf Monaten haben die Medienwerte am Neuen Markt rund 80 Prozent an Wert verloren. Durch Missmanagement sind ehemalige Top-Aktien wie EM.TV oder Kinowelt tief gefallen. Nur wenige Aktien sind heute noch für Anleger interessant. Das Risiko ist in jedem Fall hoch.

MÜNCHEN. Der Erfolg von Medienfirmen hängt letztlich immer vom Geschmack der Zuschauer ab. So das Fazit der Analysten von Credit Suisse First Boston (CSFB) in einer jüngst veröffentlichten Studie über die Branche. Nur wenn die Kinos voll sind, Fernsehsender die Filme kaufen und die Videokassetten ordentlich Absatz finden, verdienen die Unternehmen. Die Binsenweisheit spiegelt sich am Neuen Markt wider: Allein die Firmen, die laufend gute Titel im Angebot hatten, sind an der Börse halbwegs gut davon gekommen.

Beispiel Constantin Film AG: Obwohl der Münchener Filmproduzent von zahlreichen Analysten seit Monaten als einer der besten Medienwerte gelobt wird, war die Aktie im ersten Halbjahr völlig von der Rolle und fiel von 15 auf derzeit rund 10 Euro. Im Vergleich zum Vorjahr hatte die Firma von Star-Regisseur Bernd Eichinger einfach zu wenig gute Streifen auf die Leinwände gebracht.

Mit der Western-Parodie "Der Schuh des Manitu" haben die Bayern hier zu Lande in den letzten Wochen allerdings mehr als sechs Millionen Leute ins Kino gelockt und damit eindrucksvoll die Grundlage für ein besseres zweites Halbjahr gelegt. Große Kursgewinne erwarten die Experten dennoch nicht: Die Analysten der WestLB Panmure haben ihr Kursziel auf 10,50 Euro gesetzt, Morgan Stanley rechnet immerhin noch mit 15,45 Euro.

Kinowelt muss um Fortbestand zittern

Rund 40 Medienfirmen sind am Neuen Markt notiert - von Filmproduzenten wie Constantin und Senator bis zum TV-Kanal Viva, dem Verlagshaus Computec und dem angeschlagenen Lizenzhändler EM.TV. Viele dieser Unternehmen stecken so tief in den roten Zahlen, so dass ihnen Analysten zum Teil wenig Überlebenschancen einräumen. Die mit etwa 600 Mill. Euro verschuldete Kinowelt AG ist das letzte Unternehmen in einer langen Reihe von Medienfirmen, die derzeit um den Fortbestand zittern müssen, weil das Management mit dem rapiden Wachstum überfordert war. Viele dieser Aktien sind zu Penny Stocks verkommen, notieren also wie die Papiere der Filmfirma Advanced Medien seit Monaten weit unter einem Euro. Damit droht der Ausschluss vom Neuen Markt.

Die Medien-Stars lassen sich dagegen an einer Hand abzählen. Die Filmfirmen Constantin und International Media gehören dazu: "Diese Premium-Anbieter sind besser aufgestellt als ihre Wettbewerber, weil sie die Inhalte selbst bestimmen und deshalb den größten Gewinn aus den wachsenden Vertriebsmöglichkeiten ziehen können", urteilt CSFB. Bei Constantin beeindruckt die Analysten vor allem die lange Liste erfolgreicher Eigenproduktionen. Mit der Kirch-Gruppe hat Constantin zudem einen mächtigen Großaktionär. International-Media ist nach Ansicht vieler Banker insbesondere durch seine internationale Ausrichtung den meisten Wettbewerbern hier zu Lande voraus. Mit derzeit rund 25 Euro liegt die Aktie der Münchener allerdings weit unter dem Höchstkurs von 55 Euro vom vergangenen Sommer und sieben Euro unter dem Emissionskurs. Die Analysten von UBS sehen bei einem Kursziel von 27 Euro jedoch ein bescheidenes Aufwärtspotenzial.

TV-Loonland steigert Umsatz und Gewinn

Mit einem guten Ergebnis im ersten Halbjahr und einem ebenso ordentlichen Ausblick für den Rest des Jahres konnte zuletzt auch die Senator Entertainment AG die Analysten überzeugen. Durch Filme wie "Chocolat" hatten die Berliner in den vergangenen Monaten den Geschmack der Kinogänger getroffen. HSBC Trinkaus & Burkhardt hat die Aktie deshalb gestern auf ihrer Kaufliste bestätigt. Vergangene Woche schon hatten Independent Research und Sal Oppenheim das Papier hoch gestuft.

Dass sich auch im schwierigen Markt für Kinderunterhaltung Geld verdienen lässt, zeigt die Münchener TV Loonland AG. Umsatz und Gewinn legten im ersten Halbjahr kräftig zu. Zudem ist die Aktie nach Ansicht von ABN Amro im Vergleich mit den europäischen Wettbewerbern günstig bewertet. Für die Aktienexperten der BW Bank sind die Münchener eine der Hauptempfehlungen im Medienbereich. Die Stärken von TV Loonland: Das 1989 gegründete Unternehmen hat in der Trickfilmbranche einen guten Namen, ist schuldenfrei und mehr als 90 % aller Einnahmen fließen aus dem Ausland in die Kassen. Andere, vom Inlandsverkauf abhängige Firmen, sind in den vergangenen Monaten in Schwierigkeiten geraten, weil die deutschen Privatsender wenig abgenommen haben.

Für Kursphantasie könnte im Herbst freilich ausgerechnet die angeschlagene EM.TV AG sorgen: Der neue Vorstandschef Werner Klatten hat bereits angekündigt, andere Firmen am Neuen Markt übernehmen zu wollen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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