Selbst die Wasserflaschen sehen elegant aus
Fachinger oder Syltquelle?

Künftig müssen Gourmets nicht nur entscheiden, ob zum Bordeaux oder Rioja, sondern auch wissen, welches Wasser zum Hauptgang passt: H2O wird ist das neue Luxusgut.

Wollen Sie Wasser aus der Quelle trinken, die schon die Elefanten des Feldherrn Hannibal fit fürs Klettern in den Alpen machte? Oder probieren Sie lieber einmal die Tropfen aus den japanischen Rokko-Bergen, die auf langer Seefahrt nicht faulig wurden und heute im Reiswein schwimmen? Ob Sie sich für Perrier oder Rokko No entscheiden, im Berliner Hotel Adlon stehen beide glasklaren Getränke einträchtig auf der Wasserkarte, zu zwölf Euro die 0,75-Liter- Flasche das französische, zu 62 Euro der halbe Liter das weit gereiste asiatische.

Und das ist noch lange nicht alles: Von drei auf 39 Sorten hat Wirtschaftsdirektor Günter Gebhard die Wasserkarte aufgestockt: "Da ist aus allen Ecken der Welt etwas dabei." Loli aus Griechenland vertritt Europa ebenso wie Voss aus Norwegen, Canada Geese kommt vom amerikanischen Kontinent, Hartz vom australischen. Selbstverständlich gibt es auch Abfüllungen aus ganz Deutschland: Bekannte Marken wie Fürst Bismarck und Heppinger treffen auf Lokalmatadoren wie Himmelsberger, das aus der gleichnamigen Anhöhe südöstlich von Wittenberg sprudelt, oder die Syltquelle von der Ferieninsel.

Die fünf Seiten lange Wasserkarte steht vor der Weinkarte, die es immerhin auf rund 600 Positionen bringt. Die beiden Getränke sollen harmonieren, nicht konkurrieren. Adlons Wassermann Gebhard: "Wir sollten die Kirche im Dorf lassen, denn es ist und bleibt Wasser." Und muss bezahlbar bleiben - da ist der Liter Highland Springs zu 36 Euro für die Malt-Whisky-Trinker schon ein Ausreißer nach oben.

Mit 600 Quellen und rund 230 Marken könnten die deutschen Brunnenbetriebe leicht so manchen Gastronomen bestücken. Manfred Mödinger, Berater des DLG-Ausschusses Mineralwasser, und die Köche des Berufsverbandes Eurotoques wollen denn auch deutsches Wasser in deutschen Wein gießen. "Für das Jahr 2004 planen wir einen Wettbewerb und wollen eine Wasserempfehlung herausgeben." Kombinieren ist alles.

Und anschauen. Denn Gastronomieflaschen kommen in elegantem Design daher: Fachinger gibt der Gesundheit eine schlanke Linie, während Gerolsteiner auf einen kleinen Bauch unter langem Hals setzt. Auch bei internationalen Marken reizt neben dem Geschmackstest das Design: Dunkelblau wirkt edler als das übliche Flaschengrün, japanische Schriftzeichen auf dem Etikett stehen für Exotik pur.

Selbst die Uno ist in diesem Jahr aufs Wasser gekommen - und hat das "Jahr des Wassers" ausgerufen. Während die Weltorganisation die Gefährdung des Trinkwassers weltweit im Blick hat, schaut Mustafa Kirkgecit "auf das ideale Beigetränk zum Essen, das bisher stiefmütterlich behandelt wurde".

Der Inhaber der Wasser- und Nacht-Bar H2O in München redet dem "reinen Wasser" das Wort: "Gerade pikante Speisen verändern ihren Geschmack durch Kohlensäure und auch durch zu viele Mineralien." Wer nachfragt, erhält Tipps, welches Wasser "den Gaumen so spült, dass jeder Happen ein Genuss wird".

Das H2O, das im vergangenen Oktober eröffnet wurde, lockt mit einem wasserlastigen Ambiente: Kleine Wasserfontänen, sprudelnde Wasserspiele, Kegelleuchten wie Wassertropfen und an den Wänden Wasserbilder machen das Revival komplett. Kirkgecit geht so weit, dass er das Wasser dem Wein vorzieht: Unter 51 Positionen können Wasserfreaks bei ihm wählen, wobei es nur 28 Sorten sind - die aber mal glas-, mal flaschenweise.

Anders als im Adlon erzählen die Mineralwasser auf der H2O-Karte keine Geschichten. Unterschieden wird nur zwischen natriumarm oder sauerstoffreich. Für mehr sind die Kellner da. Ein wenig hängt die Wahl ja auch von der Tagesform ab.

"Welches Mineralwasser ich trinke, hängt von meinem Gemütszustand ab", sagt der passionierte Wassertrinker Gebhard. Und geht ins Detail: "Der beste Durstlöscher nach dem Sport, wenn ich viel Flüssiges brauche, ist stilles Wasser auf Zimmertemperatur. Wenn aber was im Mund passieren soll, etwa bei einem schönen Abendessen, dann sind Perlen genau das Richtige. "

Quelle: Handelsblatt

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