Selbstanalyse gibt Antworten
Die richtige Wahl zählt

Erholung im Urlaub ist nicht selbstverständlich. Je nach Typ sollte jeder genau nachdenken, welcher Urlaub wirklich zu ihm passt.

DÜSSELDORF. Himmel, Du bist ja völlig urlaubsreif!" So viel stand nicht nur für die Kollegen fest: Maschinenbauingenieur Rainer Wittkowski brauchte eine Auszeit. In den letzten Wochen hatte sein gewohnter Schwung spürbar nachgelassen. Der Urlaubsantrag war schnell geschrieben, ein Termin problemlos vereinbart. Nur: Was sollte der 29-Jährige mit der wertvollen freien Zeit anfangen? Mal so richtig Urlaub machen, aber wie?

"Kanufahren ist die beste Erholung!" meinte eine Freundin. "Ich leihe Dir mal meinen Kunstreiseführer Rom!", versprach wiederum die Kollegin, die den kulturresistenten Techniker auf neue Ideen bringen wollte. Der Nachbar steckte ihm wohlmeinend die neuen "Wanderwege durch die Anden" zu. Mit sturmgefluteten Wanderschuhen durch römische Museen wandeln? Das konnte der Weisheit letzter Schluss nicht sein. Nach Erholung klang das jedenfalls für Wittkowski nicht.

Welches Reiseziel verspricht aber die perfekte Entspannung? Die einen sagen: Hauptsache Bewegung, denn das bringt neue Energie. Die anderen behaupten: Nur das pure Nichtstun schafft Erholung vom stressigen Arbeitsalltag. Wer hat Recht?

Keine Kompromisse!

"Urlaub machen kann gelernt werden", sagt Horst Opaschowski, wissenschaftlicher Leiter des B.A.T.-Freizeit-Forschungsinstituts in Hamburg. Wichtigste Lektion: Im Urlaub ist man nicht plötzlich ein anderer Mensch. "Man bleibt derselbe", sagt Opaschowski, "nur in einer anderen Umgebung." Wer im Alltag lieber das Auto als das Fahrrad nimmt, für den bedeutet der Trekking-Urlaub eher Stress als Entspannung. Umgekehrt kann der Sonnenanbeter-Urlaub mit leichter Lektüre, Körper und Seele im dauernden Baumelzustand lähmend monoton wirken.

Opaschowski warnt bei der Urlaubsplanung besonders vor falschen Kompromissen, sonst ist die Erholung dahin: "Wer Angst vor dem Alleinreisen hat, sollte lieber auf eine Reise verzichten, statt überstürzt mit verkehrten Leuten in Urlaub zu fahren."

Auch Markus Sander, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Arbeitsmedizin, setzt bei der Frage nach dem Patentrezept auf die Individuallösung. "Was die erhoffte Erholung bringt, ist abhängig vom jeweiligen Typ." Der eine holt sich neue Kraft für den Arbeitsalltag in einer Hängematte unter Palmen, der andere fühlt sich erst gestärkt, wenn er ein Paar Wanderschuhe abgelaufen hat. Sander warnt davor, Urlaubsstress zu planen: Aktivurlaub inklusive Spaßgarantie von der Reiseagentur bedeutet nicht zwangsläufig Erholung.

Bleibt die Frage: Welcher Urlaub passt zu mir? Am Anfang steht die grundlegende Zielsetzung: Endlich Zeit für die Familie oder lieber allein auf weiter Flur? Bewegung oder grenzenlose Entspannung? Die Suche nach dem geographischen Ziel kann getrost in die zweite Phase der Planung verschoben werden.

Jeder Urlaubstyp hat seine eigenen Vorlieben

Wichtig ist es, sich selbst zu analysieren. Die Freizeitforscher unterscheiden mehrere Urlaubstypen mit ganz bestimmten Vorlieben:

  • Der Familientyp und Routinier hat beispielsweise seit mehreren Jahren ein Ferienhaus in den Niederlanden, das er für keine Villa am Strand von Malibu eintauschen würde. Hier herrschen Ruhe und sichere Gewohnheit. Wie seinen Terminkalender kennt er das Fahrradwegenetz, abends gießt er die Blumen im Vorgarten, grüßt die Nachbarn. Vorübergehend schießen seine Kinder die Moorhühner auf seinem Laptop.
  • Der Abenteurer und Einzelgänger sucht die Abwechslung. Zuletzt ist er mit einem Schlauchboot den Mississippi heruntergepaddelt. Er liebt es, unterwegs auf fremde Menschen zu treffen, deren Sprache er nicht immer spricht. Mit Freunden oder der Familie zu verreisen, wäre ihm viel zu anstrengend. Mindestens einmal im Jahr lässt er alles hinter sich, löst die Krawatte parkt das Auto in der Garage und nimmt den Akku aus dem Handy. Zwei Mal an denselben Ort zu fahren, langweilt ihn.
  • "Im Alltag komme ich nie ins Museum!", stöhnt der kulturell orientierte. Seine Flucht aus der alltäglichen Monotonie: die Bildungsreise. Allein, mit einem Freund oder der Freundin. Hauptsache volles Programm. Organisieren macht ihm Spaß. Andere Länder, fremde Sitten, neue Anregungen. Er tauscht im Urlaub den Anzug gegen bunte Hemden, trägt statt Akten umfangreiche Kunstbände und Städteführer unter dem Arm. Kein Inselsand ist ihm lieber als der urbane Staub spätsommerlicher Metropolen. Wenn er ins Büro zurückkehrt, warten dort schon die neuen Kunstdrucke, die er aus Mailand geschickt hat.
  • Auf ihn trifft man immer und nirgendwo: der Dynamiker. Zusammen mit dem Flexiblen erkundet er die Welt auf möglichst vielfältigen Pfaden. Im Gepäck: ein offenes Flugticket. Wer weiß, was sich noch ergibt. Wegen des guten Weins doch ein paar Tage länger in Bordeaux, dafür kürzer am Strand von Lacanau Océan. Geplant wird immer nur bis zum nächsten Sonnenuntergang, bloß keine Verbindlichkeiten. Die Busse fahren heute nicht? Macht nichts, bleiben wir eben einen Tag länger.
  • Das Motto des Sportler-Typs: ohne Surfboard kein Urlaub! Am liebsten in Kalifornien, aber auch die Nordsee hat ihren Reiz. Nichts hält ihn am Strand auf dem Badelaken. Am liebsten verreist er mit Freunden, das Surfboard wird im Winter durch ein Snowboard ersetzt. Wenn es nach ihm ginge, hätte seine Firma statt der Kantine ein Fitnessstudio, unterm Schreibtisch kann er nur schlecht die Füße stillhalten.
  • Sein Gegenpart: der Gemütliche. Er bucht eine Last-Minute-Reise, lässt sich an einem beliebigen Strand dieser Erde den Bauch bräunen und schaut erst wieder am Abflugtag auf die Uhr. Tagsüber der weite Sandstrand, abends der kurze Weg in die Hotel-Bar.

Wittkowski hat seine Entscheidung getroffen. Ein Ferienhaus wird er so bald nicht kaufen. Das Bedürfnis nach Abenteuer wiederum ist durch seinen Job mehr als gedeckt. Da er Turnschuhe lieber im Club als auf dem Tennisplatz trägt, reizt ihn auch der Aktivurlaub nicht. Sein Traum: morgens nicht vom Wecker geweckt werden, Zeit haben, den Tag auf sich zukommen lassen, Zeit für die Freundin. Seit er Anfang des Jahres von Lübeck nach Berlin gezogen ist, vermisst er das Meer. Er hat da schon einen Ort im Auge.

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