Selbstbedienungsterminals der Banken werden mit dem Internet verknüpft
Der Geldautomat wird zur Musikbox

Die Banken wollen dem Kunden am Automaten bald mehr bieten als Geld. Neben Barem können sich diese an den virtuellen Bankschaltern bald Musik auf ihren MP3-Player laden oder online Bücher kaufen. Durch Verknüpfen mit dem Internet werden die Automaten zum virtuellen Kiosk.

DÜSSELDORF. Etwas verwundert stehen zurzeit Kneipengäste in den USA der neuesten Entwicklung der Firma Diebold gegenüber. Das Gerät erscheint wie eine traditionelle Jukebox, im Innern verbirgt sich allerdings modernste Technik: Die Musikbox vereint die MP3-Abspieltechnologie mit einem Geldautomaten und ist ständig mit dem Internet verbunden. Der Kunde kann ganz normal Bares abheben oder aber mit der Bankkarte Musiktitel aus dem Internet auswählen und auf seinen MP3-Player laden.

Die Geld-Musikbox von Diebold ist nur ein Beispiel dafür, wie die Hersteller nach dem Siegeszug der traditionellen Selbstbedienungsterminals neue Unterhaltungs- und Informationsangebote in ihre Produkte integrieren wollen. "Wir sehen darin mehr als einen Trend", sagt Wolfram Köhler, Sprecher von Diebold Deutschland. "Es geht vielmehr um eine neue Stufe in der Evolution der Selbstbedienungssysteme."

Internetanbindung heißt dabei das Zauberwort. Schon seit einiger Zeit werden in den USA die so genannten ATM (Automatic Teller Machines) aufgerüstet und für das Internet fit gemacht. Erste Kunden in Amerika können sich schon jetzt am Bankautomaten Kinotrailer anschauen und auch die Karte online kaufen. Einige Maschinen bringen sogar über das Internet Bücher und CD unter die Leute. Nahezu alle Möglichkeiten des World Wide Web könnten mit modernen Geldautomaten kombiniert werden, sagt Pat Cronin vom amerikanischen Anbieter NCR. Nicht nur sein Unternehmen arbeitet mit Hochdruck an personalisierten Internetangeboten.

Ideale Werbeplattform

Bevor sich diese Möglichkeiten in der Praxis durchsetzen werden, könnte allerdings ein anderer Trend die Automaten aufpeppen. Die Geldausgabe-Maschinen seien eine ideale Werbeplattform, sagt Pat Cronin - schließlich sind die Kunden gezwungen, sich beim Geldabholen mehr als 30 Sekunden stark auf das Geschehen vor ihnen zu konzentrieren. "Diese goldenen Sekunden bringen Werbeeinnahmen, die die Kosten pro Transaktion für die Banken spürbar senken würden", so Cronin.

Doch Cronin ist sich sicher, dass es nicht bei der bloßen Werbung bleiben wird. Nahe liegend seien Services wie Börseninformationen und der Verkauf von Bank- und Versicherungsdienstleistungen per ATM. Geldautomaten werden sich nach Ansicht Cronins mittelfristig unweigerlich zum "Multifunktions-Kiosk-System" entwickeln. Wie schnell das aber passieren wird, darüber ist sich die Branche uneinig. "Wir wollen uns zur Umsatzentwicklung mit den internet-basierten Geldautomaten lieber noch nicht äußern", sagt Diebold-Sprecher Köhler. Das Beispiel E-Commerce habe ja gezeigt, "wie vorsichtig man mit Prognosen sein muss".

Banken zögern noch

Die Technik ist jedenfalls schon heute verfügbar und zuverlässig, wie zahlreiche Versuche belegen. Trotzdem zögern viele Banken noch - gerade in Deutschland. Das große Interesse der Kunden an Internet-Terminals wird von den Banken hier zu Lande kaum befriedigt, heißt es etwa in einer Studie des Instituts für Bankinformatik und Bankstrategie der Universität Regensburg. Und nach einer Analyse der Unternehmensberatung Gartner Group zögern die Banken, bei neuen technischen Möglichkeiten eine Vorreiterrolle einzunehmen. Bei Entwicklungen, die für den Geschäftserfolg als nicht primär wichtig angesehen würden, ließen sie lieber Konkurrenten erste Erfahrungen sammeln, um dann bei Erfolg nachzuziehen.

Schnell umgesetzt würden zurzeit nur Innovationen, die eine deutliche Kostenersparnis oder einen klaren Wettbewerbsvorteil brächten. Eine solche Kostenersparnis wäre vor allen Dingen mit einer Übertragung der Kontotransaktionen auf den Geldautomaten zu erreichen. Weltweit laufen zwar 80 % aller Bargeschäfte über ATM, doch nur der kleinste Teil der Kontotransaktionen ist automatisiert. Pat Cronin von NCR erwartet hier ein gigantisches Aufrüstungspotenzial für die Geldautomaten. In einem Feldversuch mit dem Kreditinstitut Caja Madrid hätte man über 70 % des Bankthekengeschäftes auf die Cash-Maschinen verlagern können. Die Vorteile dieses Systems lägen auf der Hand: Die Banken könnten Personal in beträchtlichem Maße einsparen und den Kunden ohne großen Aufwand einen 24-Stunden-Service bieten.

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