Archiv
Selbstmordanschlag auf Nationalgarde im Irak

Eine Serie von Anschlägen und Attentaten hat am Samstag die nordirakischen Städte Kirkuk und Mossul erschüttert. Ein Selbstmordattentäter riss vor dem Hauptquartier der irakischen Nationalgarde in Kirkuk 19 Menschen in den Tod, 49 weitere wurden verletzt.

dpa KIRKUK. Eine Serie von Anschlägen und Attentaten hat am Samstag die nordirakischen Städte Kirkuk und Mossul erschüttert. Ein Selbstmordattentäter riss vor dem Hauptquartier der irakischen Nationalgarde in Kirkuk 19 Menschen in den Tod, 49 weitere wurden verletzt.

Dies berichteten Krankenhausärzte in der Stadt. Vor dem Gebäude hatten junge Männer gewartet, die sich um eine Stelle bei der Nationalgarde bewerben wollten. Rekrutierungsstellen der Polizei und der Nationalgarde sind in den vergangenen Monaten häufig Ziel von Anschlägen geworden.

Unbekannte Attentäter ermordeten am Samstag in der Nähe von Kirkuk den Führer des einflussreichen Al-Budeir-Stammes, Scheich Kaddum el Hani, und einen seiner Begleiter. Zwei Leibwächter wurden nach Polizeiangaben verletzt. Bei einem Anschlag auf den Konvoi eines Top- Managers der Nordöl-Gesellschaft starben am Samstag in Mossul fünf Begleiter. Mohammed Sibari, der Vertriebsdirektor der Firma, wurde verletzt.

Unterdessen drohte die Extremistengruppe El Tawhid wa el Dschihad mit der Ermordung einer britischen und zweier amerikanischer Geiseln, falls ausländische Truppen nicht binnen Stunden alle weiblichen irakischen Gefangenen freiließen. Das ging aus einem Video hervor, das der arabische Sender El Dschasira am Samstag ausstrahlte. Auf dem Video sind die Geiseln mit verbundenen Augen zu sehen.

Die Gruppe um den Jordanier Abu Mussab el Sarkawi hat bereits mehrere ausländische Geiseln getötet, darunter auch den Amerikaner Nicholas Berg, dessen Enthauptung im Mai in einem Video im Internet gezeigt worden war. Sie will die Freilassung der weiblichen Gefangenen aus den irakischen Haftanstalten Abu Ghoreib und Umm Kasr erreichen. Im Irak häufen sich nun Berichte, wonach inzwischen auch kriminelle Banden Ausländer entführen, um sie anschließend an islamistische Extremisten "weiterzuverkaufen".

In Ramadi im Westen des Landes wurde nach Angaben von Krankenhausärzten die Leiche des Anfang September entführten Vizegouverneurs der Provinz Anbar entdeckt. Wie Bassem Mohammed ums Leben kam, wurde nicht mitgeteilt. Zu der Provinz gehört neben Ramadi auch die Aufständischen-Hochburg Falludscha. Dort hatte die US- Luftwaffe am Freitagabend erneut ein Haus bombardiert. Sechs Iraker wurden getötet und acht weitere verletzt.

In London wurde am Wochenende bekannt, dass der britische Premierminister Tony Blair lange vor dem Irak-Krieg vor "chaotischen Zuständen" nach einem Waffengang in dem Land gewarnt worden sein soll. Die Tageszeitung "Daily Telegraph" zitierte am Samstag ausführlich aus geheimen Regierungsdokumenten, in denen Innenminister Jack Straw und ranghohe Regierungsbeamte starke Vorbehalte gegen ein militärisches Eingreifen im Irak äußerten. In einem mit "geheim und persönlich" gekennzeichneten Schreiben an Blair gab Straw im März 2002 zu bedenken, die Probleme nach einem Sturz von Saddam Hussein würden wahrscheinlich viel größer sein als angenommen.

Das Außenministerium teilte dazu am Samstag mit: "Es dürfte wohl kaum überraschen, dass sich die Regierung vor zweieinhalb Jahren sehr detailliert Gedanken über den Irak gemacht hat."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%