Selbstmordanschlag von Netanja
Ziel des Attentats: Todesstoß für Zinni-Mission

Die Explosion der menschlichen Bombe war so gewaltig, dass sie die Empfangshalle des Park-Hotels in Netanja fast völlig zerstörte. Wände stürzten ein, Tische und Stühle wurden zusammen mit Gliedmaßen der Opfer durch die Luft geschleudert. Die Schmerzensschreie der Verletzten mischten sich schnell mit den hysterischen Rufen der Helfer, die kurz darauf am Tatort eintrafen. Überall Blut. Sprachlose Menschen in tiefem Schock neben Opfern mit blutüberströmten Gesichtern: Der Seder-Abend, der Vorabend des traditionellen jüdischen Passah-Festes, endete für die 250 Gäste des Park-Hotels an der Strandpromenade in einer Katastrophe.

dpa TEL AVIV. Doch der Selbstmordattentäter, der sich unter die fröhliche Feiergesellschaft gemischt hatte und so unentdeckt in das Hotel kam, beabsichtigte noch mehr. Gleich zwei radikale Organisationen der Palästinenser wetteiferten nach der Bluttat um die Urheberschaft und bekannten sich zu dem Anschlag. Erklärtes Ziel der Extremisten ist es, die Bemühungen um eine Waffenruhe im Nahen Osten zu untergraben. Sie wollen der Mission von US-Nahostvermittler Anthony Zinni den Todesstoß versetzen. Und dieses Mal könnte es ihnen nach Meinung aller Beobachter auch gelungen sein. Mit einer militärischen Reaktion Israels sei spätestens nach den Passah-Feiertagen zu rechnen, hieß es schon kurz nach dem Anschlag in Jerusalem.

Schon vor dem Terroranschlag von Netanja hatten viele Beobachter die Bemühungen Zinnis um eine Waffenruhe zwischen Israel und den Palästinensern für gescheitert erklärt. Zinni hatte es - wieder einmal - nicht geschafft, die völlig entgegengesetzten Forderungen der in sich verbissenen Konfliktgegner auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Zwar konstatierte US-Präsident George W. Bush seinem persönlichen Gesandten am Mittwoch "große Fortschritte" bei seinen diplomatischen Bemühungen, doch die vermag in Jerusalem und Ramallah kaum jemand zu sehen.

Die Autonomiebehörde brauchte nach dem Anschlag fast drei Stunden, um ihre übliche Verurteilungs-Erklärung zu veröffentlichen. Doch diese Erklärungen genügen Israel - und auch Zinni - nicht mehr. Der neue Selbstmordanschlag innerhalb Israels, noch dazu am Seder-Abend, an dem Juden des Auszugs aus Ägypten gedenken, fordert deshalb eine Reaktion heraus.

"Dies war kein Terroranschlag, dies war ein Massaker", sagte der ultrarechte Polizeiminister Usi Landau bei einer Besichtigung des Tatorts. Landau sprach damit selbst die Gefühle einer großen Mehrheit der Israelis an, die nicht zu seinen Anhängern gehören. Dem rechtsgerichteten Ministerpräsidenten Ariel Scharon wird es allein schon aus diesem Grund schwer fallen, auf eine militärische Reaktion zu verzichten, die das Ende der Waffenruhe-Bemühungen bedeuten könnte.

Doch gerade das war es, was die palästinensischen Extremisten wohl erreichen wollten. "Beide Seiten werden erst dann zum Frieden bereit sein, wenn sich sich im Krieg völlig erschöpft haben", sagte vor wenigen Tagen der ehemalige Chefredakteur der Tageszeitung "Jerusalem Post", Ari Rath. Dieser Zeitpunkt - das zeigte der Anschlag von Netanja - ist offenbar noch nicht erreicht.

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