Selbstmordattentäter sprengt sich und zwei Jugendliche in die Luft
Israel lässt Arafats Elitepolizei beschießen

Die Spirale der Gewalt im Nahen Osten dreht sich immer schneller: Wenige Stunden, nachdem ein palästinensischer Selbstmordattentäter sich und zwei israelische Jugendliche in die Luft gesprengt hatte, griffen die israelischen Streitkräfte am Mittwochabend palästinensische Regierungsgebäude im Westjordanland und im Gazastreifen an. Israels Armee sprach von einem gezielten Angriff gegen die "Elemente, die für den Terror verantwortlich sind".

ap JERUSALEM. Nach Augenzeugenberichten wurde in Ramallah das Hauptquartier der so genannten `Truppe 17", der Elitepolizei des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat getroffen, das zum Zeitpunkt des Angriffs aber leer war. Im südlichen Gazastreifen nahmen fünf israelische Kampfhubschrauber das Hauptquartier von Arafats Polizeitruppe unter Beschuss und trafen es mit sechs Raketen. Augenzeugen berichteten auch von Maschinengewehrfeuer in der Nähe von Arafats Regierungszentrale in Gaza-Stadt, das von israelischen Kriegsschiffe vor der Küste ausgehe.

Nach palästinensischen Berichten gab es sowohl in Ramallah als auch in Gaza Verletzte. Über Ramallah wurde die Nacht vom hellen Schein von Flammen erleuchtet. In den Straßen standen brennende Autos.

Aus Furcht vor einem israelischen Vergeltungsangriff hatten kurz zuvor palästinensische Beamte die Zentrale der Autonomiebehörde für das Westjordanland in Ramallah geräumt. Die israelische Armee habe die Evakuierung befohlen und angedeutet, dass ein Vergeltungsangriff unmittelbar bevorstehen könnte, sagten sie.

Wenige Minuten vor dem Angriff hatte der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon sein Kabinett zu einer Dringlichkeitssitzung versammelt. Der Gegenschlag kam nicht unerwartet, nachdem ein palästinensischer Selbstmordattentäter sich am Mittwoch neben einer israelischen Schülergruppe in die Luft gesprengt und zwei Jugendliche mit in den Tod gerissen hatte. Es war der dritte Anschlag innerhalb von zwei Tagen in Israel. Die Untergrundorganisation Hamas bekannte sich zu der Tat.

Nur kurz zuvor waren auf dem Marktplatz der Küstenstadt Netanja sowie in Petah Tikvah zwei Bomben rechtzeitig entdeckt worden, die Experten kontrolliert zur Explosion bringen konnten. Erst am Dienstag waren bei zwei Anschlägen in Jerusalem ein Selbstmordattentäter getötet und mehr als 20 Menschen verletzt worden.

Die Hamas bekannte sich in einem Telefonanruf bei einer westlichen Nachrichtenagentur zu dem Anschlag bei Sdeh Hemed. Die Organisation übernahm außerdem die Verantwortung für den Anschlag auf einen Bus am Dienstag und sagte, sieben weitere Selbstmordattentäter seien bereit, ihren Auftrag auszuführen.

Neunjähriger Palästinenser von Granate getötet

In Hebron wurden unterdessen sieben Palästinensern gehörende Autos in Brand gesteckt, offenbar von jüdischen Siedlern, die den Tod eines zehn Monate alten israelischen Mädchens rächen wollten. Das Baby war am Montagabend in Hebron von einem palästinensischen Heckenschützen erschossen worden.

In Rafah im Gazastreifen starb ein neunjähriger palästinensischer Junge, als eine israelische Granate explodierte, mit der er und andere Kinder spielten. Drei weitere Kinder wurden schwer verletzt, wie Ärzte mitteilten.

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