Selbstverpflichtung zu Filminvestitionen in Deutschland im Gespräch
Filmfondsanbieter hoffen auf Beistand der Politik

Mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung seiner Mitglieder zu Investitionen in Deutschland will der Verband Deutscher Medienfonds e.V. die Steuervorteile für Filmfonds retten.

rrl LUDWIGSBURG. Michael Oehme, Vorstand des Verbands, skizzierte die Überlegungen anlässlich der vom Vertriebsunternehmen Vendura veranstalteten "Medienfondstage 2002". Danach verpflichten sich die Anbieter geschlossener Filmfonds ihre Fonds so zu konzipieren, dass etwa 20 bis 30 Prozent der Filmproduktionskosten in Deutschland investiert werden. "Es bleibt bei der steuerlichen Handhabung, wenn in Deutschland investiert wird", lautet Oehmes Wunschvorstellung. Eine mögliche Konsequenz daraus: Der Anteil der von Fonds durchgeführten deutschen Fernsehproduktionen steigt.

Der Verband möchte mit dem Vorschlag den Beistand von Politikern gewinnen, indem er dem Vorwurf begegnet, es würden Steuersubventionen für Investitionen im Ausland gewährt. Vielfach finanzieren deutsche Filmfonds Hollywood-Produktionen. Selbst in diesen Fällen würde im Rahmen der Filmfertigstellung noch Arbeiten an deutsche Dienstleister vergeben, argumentiert der Verband.

Zudem verweist er darauf, dass den anfänglichen Steuervorteilen später zu versteuernde Gewinne gegenüber stehen, die die Steuermindereinnahmen überkompensieren. Die Rechnung geht allerdings nur auf, wenn diese riskanten Unternehmensbeteiligungen überwiegend ein wirtschaftlicher Erfolg werden. Dann ist der positive Effekt zwangsläufig, weil Steuervorteile gewährende geschlossene Fonds von vornherein so konzipiert werden müssen, dass ein Totalüberschuss erreicht wird. Das heißt: Die Gewinne müssen nach glaubwürdiger Prognose die Anfangsverluste übersteigen, weil das Finanzamt andernfalls von Liebhaberei ausgeht und den Steuervorteil nachträglich streicht.

Der Verband, dessen 18 Mitglieder nach eigenen Angaben mit ihren Fonds im vergangenen Jahr etwa für zwei Mrd. Euro Filminvestitionen anregten, muss letztendlich auf den Beistand der Politik setzen. Denn Äußerungen aus dem Umfeld der Einkommensteuerreferenten des Bundes und der Länder legen nahe, dass die Referenten bei ihrer Tagung vom 18. bis 20. September den als Entwurf vorliegende Erlass über die "Erwerbereigenschaft von Fondsgesellschaften, ertragsteuerliche Beurteilung der Eigenkapitalvermittlungsprovision und anderer Gebühren" weitgehend in der vorliegenden Fassung verabschieden werden. Demnach würden Filmfonds-Anleger künftig Erwerber statt Hersteller sein, was für Anleger zwei Prozent Abschreibung jährlich statt 100 Prozent Verlust am Anfang bedeuten würde. Die Fonds würden uninteressant.

Der Verband hofft nun, dass sich das Land Bayern mit seinem Abteilungsleitervorbehalt durchsetzt. Hat er Erfolg, wird über den Erlass auf Ebene der Abteilungsleiter der Steuerbehörden von Bund und Ländern entschieden. Die nächsthöhere Runde wäre dann die der Minister. Doch je später eine Entscheidung fällt, desto länger lähmt Rechtsunsicherheit den Absatz der Fondsanteile.

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