Selten gab sie Interviews
„Dr. Bazillus“ - die Mutter aller Biowaffen des Iraks

Rihab Taha (47) galt den UN-Waffeninspekteuren als Mutter aller Biowaffen des Iraks. Sie nannten die in England promovierte Biologin in den 90er Jahren auch "Dr. Bazillus" oder "Toxic Taha". Nach US-Medienberichten half sie dem Regime von Saddam Hussein bei der Produktion von Giftmengen, mit denen man jeden Erdenbewohner gleich zweimal hätte töten können.

HB/dpa HAMBURG. Es galt stets als ausgemacht, dass an der medienscheuen Frau niemand vorbeikommt, der mehr über das irakische Biowaffenprogramm erfahren wollte.

Meist vergeblich bemühten sich Journalisten und Waffeninspekteure um Interviews. Erst im April durchsuchten US-Truppen ihr Haus in Bagdad, ohne eine Spur von ihr zu finden. Ihr Mann, der irakische Waffenexperte und zeitweilige Ölminister General Amir Raschid, stellte sich den US-Behörden Ende April. Die beiden hatten sich 1993 in New York kennen gelernt und ein Jahr später geheiratet. Sie haben eine neunjährige Tochter.

Taha forschte 1985 an der Universität von East Anglia über Krankheiten von Tabakpflanzen, als Saddam Hussein sein Biowaffenprogramm startete. Die Regierung in Bagdad berief sie an das neu eröffnete Waffenforschungszentrum El Muthanna nördlich von Bagdad. Bald darauf stieg sie zur Leiterin eines 150-köpfigen Teams in der Forschungszentrum Salman Pak auf. Dort und in der supergeheimen Anlage von El Hakam forschte sie britischen Geheimdienstberichten zufolge an so tödlichen Stoffen wie Rizin, Aflatoxinen (Schimmelpilzgifte) oder Kamelpocken.

Viele Berichte über ihre Versuche mit Bakterien und Viren, einige davon angeblich auch an iranischen Kriegsgefangenen, liegen laut CNN bei den UN in New York unter Verschluss. Minutiös berichtete Taha über die Erfolge ihrer Experimente: "Wir haben die Auswirkung von Botulin im Kampfeinsatz erprobt. Achtzig Prozent der Versuchstiere starben", heißt es in einer ihrer Aufzeichnungen.

Taha, bestritt fast alles. Im Februar sagte sie dem US-Fernsehsender ABC, der Irak habe alle Kampfstoffe schon vor über zehn Jahren zerstört. Ähnliche Aussagen hatte sie im 12 000 Seiten starken Waffenbericht gemacht, den der Irak nach der UN-Resolution 1441 Ende 2002 den UN übergeben musste. Im Übrigen sei sie stolz darauf, ihrem Land zu einer "Abschreckung" gegen Israel verholfen zu haben.

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