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Sema fallen nach Gewinnwarnung fast um die Hälfte

Die Aktien des britischen Softwaredienstleisters Sema Group haben am Freitag nach einer Gewinnwarnung fast die Hälfte ihres Börsenwertes eingebüßt.

rtr LONDON. Die Aktien des britischen Softwaredienstleisters Sema Group haben am Freitag nach einer Gewinnwarnung fast die Hälfte ihres Börsenwertes eingebüßt. Die Papiere des in Großbritannien führenden IT-Unternehmens verloren bis 15.30 Uhr über 44 % auf 343 1/4 Pence und zogen gleichzeitig andere Hochtechnologiewerte mit nach unten. Sema hatte zuvor mitgeteilt, dass die Gewinne im Jahr 2000 hinter den eigenen Erwartungen und den Prognosen der Analysten zurückbleiben würden. Sema machte eine Verschlechterung des Geschäfts seiner kürzlich erworbenen Tochter LHS Group Inc im dritten Quartal für das geringere Gewinnwachstum mitverantwortlich.

Neben Sema verloren auch andere große britische Technologieunternehmen deutlich an Wert. Die Aktien der CMG Plc sanken zeitweilig um über elf Prozent, die der Softwarefirma Logica Plc um rund sechs Prozent und die Titel der Sage Group Plc um drei Prozent. Ein Analyst sagte, die Verluste sei bei einer Reihe von Papieren, so bei Logica und CMG, übertrieben.

Sema-Chef Pierre Bonelli sieht nach eigenen Angaben die durch ein Prüfverfahren der Kartellbehörden verzögerte Integration des deutsch-amerikanischen Softwarehauses LHS als Hauptgrund für das geringere Gewinnwachstum an. Sema hatte LHS in diesem Jahr für 4,7 Mrd. $ (rund elf Mrd. DM) übernommen. "Im vierten Quartal werden wir es aber besser machen", versicherte Bonelli. Das Gewinnwachstum im zweiten Halbjahr werde dem des Vorjahreszeitraums entsprechen, während der Umsatz um 13 % steigen werde.

Weitere Probleme hatte Sema nach eigenen Angaben im Geschäftsbereich Outsourcing, wo das Unternehmen für andere Firmen die Unterhaltung der Kommunikationssysteme komplett übernimmt. In dieser Sparte werde der Gewinn im zweiten Halbjahr zehn Prozent niedriger ausfallen als im gleichen Zeitraum 1999, hieß es. "Wir haben uns in Konkurrenz zu sehr großen Häusern um sehr große Aufträge, besonders Regierungsaufträge, sehr schwer getan", räumte Bonelli ein. Unter anderem habe man mit dem US-Computerriesen IBM konkurrieren müssen. Um die Gewinne wieder zu erhöhen, werde man sich demnächst eher um kleinere Aufträge bemühen und Software-Anwendungen über das Internet anbieten.

Für das Jahr 2001 erwartet Sema eigenen Angaben zufolge ein Umsatzwachstum von zwölf Prozent. Analysten sind mit dieser Prognose allerdings nicht zufrieden. "Zwölf Prozent ist nicht das, was die Leute sehen wollen", sagte ein britischer Wertpapierhändler. Die Aktien von Sema sind in den vergangenen drei Monaten um insgesamt 76 % gefallen und landeten am Freitag auf einem Dreijahrestief.

Marktbeobachter sehen in der Gewinnwarnung von Sema eine Art Vorboten für weitere Warnungen in der Hochtechnologiebranche. Sollte dies der Fall sein, würde die Talfahrt in diesem Sektor fortgesetzt, prognostizierte ein Analyst. Der französische IT-Dienstleister Cap Gemini Ernst&Young hat indes am Freitag seine Gewinn- und Umsatzprognosen für das Geschäftsjahr 2000 bekräftigt. Die Papiere der Firma hielten denn auch dem Abwärtstrend stand und notierten um 15.30 Uhr an der Pariser Börse nur knapp unter dem Einstiegswert. An der Pariser Börse verlor der französische Telekomausrüster Sagem jedoch nach einer Gewinnwarnung von Donnerstagabend fast 35 % seines Wertes. Die Aktien der niederländischen Getronics verloren seit der Gewinnwarnung am Mittwoch 42 % ihres Wertes.

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