Senat hofft auf "tragfähige" private Offerte
Skepsis vor Ablauf der Bieterfrist für Berliner Großflughafen

Kurz vor dem Ablauf der Bieterfrist für die Berliner Flughäfen hängt die milliardenschwere Privatisierung weiter in der Schwebe. Die Essener Hochtief AG kündigte am Mittwoch an, ihr Konsortium mit der Bonner IVG werde am Freitag zwar ein verbessertes Angebot abgeben.

afp BERLIN. Verglichen mit ihrer bisherigen Offerte könnten die Unternehmen "momentan sicher nicht" substanziell nachlegen, sie hofften aber, damit den Zuschlag für die Privatisierung zu erhalten, sagte Hochtief-Sprecher Werner Baier der Nachrichtenagentur AFP. In dem Verfahren geht es zunächst um den Verkauf der drei bestehenden Berliner Airports. Tempelhof und Tegel sollen geschlossen und in Schönefeld der Großflughafen BBI errichtet werden.

Der Sprecher der Berliner Senatskanzlei, Helmut Lölhöffel, betonte, Berlin erwarte zum Fristablauf nun ein "tragfähiges Angebot". Die erste Offerte sei aus Sicht der öffentlichen Flughafen-Eigner "nicht verhandlungsfähig" gewesen.

In Berliner und Brandenburger Regierungskreisen wurde damit gerechnet, dass sich die Entscheidung über die Privatisierung der drei bestehenden Berliner Flughäfen und den Neubau des Airports BBI im Südosten der Hauptstadt bis nach Weihnachten hinziehen dürfte. "Denkbar" sei aber, dass bei der Aufsichtsratssitzung der Planungsgesellschaft PPS am Montag bereits "erste Trends erkennbar sind", sagte Senatskanzlei-Sprecher Lölhöffel. Bei der PPS hieß es, dem Angebot der Unternehmen werde "erwartungsfroh" und "mit Interesse" entgegengesehen. Derzeit liefen Gespräche, in denen beide Seiten noch einmal ihre Vorstellungen darlegten.

Die zunächst konkurrierenden Konsortien um IVG und Hochtief hatten sich nach einem auch vor Gericht ausgetragenen Streit zusammengetan, um den Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI) zu bauen. Sie hatten zunächst 650 Millionen Mark (332 Millionen Euro) geboten, diese Offerte zuletzt aber auf 50 Millionen Mark (knapp 26 Millionen Euro) reduziert.

BBI im Süden des alten DDR-Flughafens Schönefeld soll nach bisherigen Planungen 2007 in Betrieb gehen. Spätestens ein halbes Jahr später soll Berlins bisheriger Haupt-Flughafen Tegel im Nordwesten stillgelegt werden. Der Betrieb auf dem kleineren Airport Tempelhof in der Stadt soll vermutlich 2003 eingestellt werden, wenn die Planung für BBI mit dem rechtsverbindlichen Abschluss des Planfeststellungsverfahrens steht.

Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums dementierte einen Bericht der "Wirtschaftswoche". Das Magazin hatte gemeldet, der Bund wolle sein Flughafen-Engagement nicht aufstocken, falls die Privatisierung scheitere. Stattdessen könne Schönefeld nur in kleinerem Umfang ausgebaut und Tegel offen gehalten werden. An diesem Bericht sei "nichts dran", sagte der Sprecher. Der Bund halte am Konsensbeschluss der Flughafen-Eigner fest.

Der Beschluss sieht vor, dass Tegel spätestens sechs Monate nach dem BBI-Start dicht gemacht wird. Der dritte Berliner Airport Tempelhof soll bereits geschlossen werden, sobald das Planfeststellungsverfahren für BBI rechtskräftig abgeschlossen ist. Damit wird 2003 gerechnet. An den Berliner Flughäfen halten die Länder Berlin und Brandenburg je 37 Prozent, der Bund ist mit 26 Prozent beteiligt.

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