Sender bekommt Kapitalspritze
Bundesliga beschert Pro Sieben Sat1 dickes Minus

Pro Sieben Sat 1 will erst einmal ohne starken Partner und mit Hilfe einer Kapitalspritze in ruhigeres Fahrwasser kommen.

HB/dpa MÜNCHEN. "Die Insolvenz der Kirch-Gruppe und der monatelange Verkaufsprozess haben mittelbar auch uns geschadet, sie haben uns im operativen Geschäft zusätzlich belastet", sagte Pro Sieben Sat.1-Chef Urs Rohner am Montag in München. Der Konzern müsse die "partielle Lähmung" überwinden. Dazu wollen die insolvente Kirch Media und Gläubigerbanken dem Unternehmen über eine Kapitalerhöhung bis zu 300 Millionen Euro geben. Vor zwei Wochen war der geplante Verkauf des TV-Konzerns an den US-Milliardär Haim Saban geplatzt. Rohner versprach für 2003 trotz eines Verlusts im ersten Quartal schwarze Zahlen.

Aktionärsvertreter kritisierten die Hängepartie, die der Sender seit dem Zusammenbruch der Kirch-Gruppe durchmacht. "Es ist wichtig, dass Pro Sieben Sat 1 einen verlässlichen Partner findet", sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) vor knapp 300 Aktionären auf der Hauptversammlung. Die geplante Kapitalerhöhung durch Banken und Kirch Media sei nur eine Notlösung. "Die unruhigen Zeiten gehen weiter."

Ursprünglich sollte Saban den TV-Konzern und den Filmrechtehandel der Kirch-Gruppe übernehmen. Nach dem Scheitern des Geschäfts setzen Gläubigerbanken und Kirch Media jetzt auf eine Übergangslösung, bestätigte Rohner. "Wir begrüßen diese Neuordnung und die vorläufige Beendigung des Verkaufsprozesses." Die Kapitalerhöhung solle möglichst noch in diesem Jahr erfolgen, eventuell aber auch erst im ersten Quartal 2004. Mit dem Erlös will die Pro Sieben Sat 1 Media AG (München) vor allem ihre Verschuldung verringern. Auf diesem Weg soll das Unternehmen mittelfristig für neue Investoren herausgeputzt werden. Die vier Gläubigerbanken wollen bis zur Hälfte der Kapitalerhöhung mittragen. "In diesem Fall könnte jede Bank rund drei Prozent der Anteile erhalten", sagte Rohner.

Die Berichterstattung von der ersten Fußball-Bundesliga hat Deutschlands größtem TV-Konzern derweil allein in der abgelaufenen Saison einen Verlust von rund 50 Millionen Euro beschert. "Die Bundesliga ist für uns künftig nur dann interessant, wenn der Preis refinanzierbar bleibt und sich der Anteil an Live- Spielen bei den Free-TV-Rechten deutlich erhöht", sagte Rohner. Andernfalls werde der Konzern, der bisher bei Sat 1 die Spiele in der Sendung "ran" zeigte, in Zukunft auf die Bundesliga verzichten.

Sat 1 hatte sich in der vergangenen Woche für 30 Millionen Euro die Rechte an der Champions League gesichert. Damit habe der Konzern die Versorgung mit Spitzenfußball für die nächsten Jahre erst einmal gesichert, sagte Rohner. Der Preis sei "sehr, sehr attraktiv". In der Branche gilt es als unwahrscheinlich, dass sich Sat 1 nach dem Champions League-Geschäft auch noch um die Bundesliga bemüht. Allerdings hat der Sender sein Angebot von 45 Millionen Euro (bisher 80 Millionen Euro) bisher nicht zurückgezogen und stattdessen weiterhin Verhandlungsbereitschaft signalisiert.

Pro Sieben Sat 1 leidet derzeit, wie die Konkurrenz auch, unter der Krise am Werbemarkt. Hinzu seien "Leistungsschwächen" bei den Sendern gekommen, sagte Rohner. Dennoch gelte: "Die Pro Sieben Sat 1-Gruppe ist kein Sanierungsfall." Nach dem Verlust in den ersten drei Monaten habe sich der TV-Werbemarkt im zweiten Quartal zumindest stabilisiert. Ein Gewinn sei in diesem Zeitraum sicher. Im traditionell schwachen dritten Quartal könne es noch einmal Verluste geben. Für das Gesamtjahr versprach Rohner aber schwarze Zahlen. Vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen solle ein Gewinn in dreistelliger Millionenhöhe (2002: 134 Mio) erzielt werden.

Rohner deutete an, dass die ungeliebten Vorzugsaktien abgeschafft werden sollen. Der Mehrheitseigner Kirch Media tendiere klar dahin, einer Umwandlung in stimmberechtigte Stammaktien zuzustimmen, sagte er. Allerdings gebe es bisher noch keine Entscheidung. An der Börse sind nur die stimmrechtlosen Vorzugsaktien notiert. Aktionärsschützer fordern schon seit längerem Mitspracherechte für die freien Aktionäre. Auch bei einer Umwandlung der Vorzugsaktien hätte die Kirch Media noch eine knappe Mehrheit an dem Unternehmen, wenn sie die geplante Kapitalerhöhung mitträgt. Zur Hauptversammlung standen auch Aufsichtsrats-Neuwahlen an. Statt wie ursprünglich geplant Haim Saban ziehen nun unter anderem Insolvenzverwalter Michael Jaffé und Sanierer Wolfgang van Betteray in das Kontrollgremium ein.

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