Sender-Chip soll Menschen identifizieren
Vision: Digitaler Ausweis unter der Haut

Für Hunde und Katzen gibt es sie schon, nun sollen auch Menschen einen digitalen Ausweis unter der Haut tragen. Ein per Spritze verabreichter Chip in der Größe eines Reiskorns hat persönliche Daten wie etwa das Geburtsdatum, Angaben zu lebensbedrohenden Allergien oder eine individuelle Kennnummer gespeichert. Diese Informationen ruft ein Lesegerät ab, das Streifenpolizisten, Sanitäter oder Flughafenpersonal an einer Sicherheitsschleuse am Gürtel tragen.

HB/dpa PALM BEACH. So sieht der Plan aus, mit dem ein amerikanisches Unternehmen nun im boomenden Markt der Identifikations-Technologie antritt. Mit dem Barcode fing alles an. In Supermärkten war dank der schwarz- weißen Etiketten plötzlich die problemlose automatische Identifizierung von Waren und Preisen möglich.

Dieses unbestechliche und fälschungssichere Methode wurde in den vergangenen Jahren weiterentwickelt, zu so genannten "Smart Tags". Airlines wie KLM nutzen sie bereits zur Identifizierung von Verpflegungswagen für Fluggäste. Die "Smart Tags" werden auch immer öfter als elektronische Türöffner benutzt, etwa beim Software-Giganten Microsoft, der unlängst die gesamte Belegschaft im Firmenhauptquartier bei Seattle mit neuen Hausausweisen ausrüstete. Der Microchip in der Karte sendet ein Radiosignal an ein Empfangsgerät in der Tür, die sich sofort öffnet - ohne dass der Kartenbesitzer den digitalen Schlüssel überhaupt aus der Tasche ziehen muss.

Diese Technik unter dem Kürzel RFID (Radio Frequency Identification) ist der neueste Schrei in der Identifikations- Technologie. Ihr widmet sich inzwischen eine eigene deutsche Fachmesse, die ident.de, die im kommenden Mai (15.5. bis 17.5.) zum zweiten Mal in Wiesbaden stattfindet. Führende internationale Hersteller wie das Schweizer Unternehmen Sokymat sind auch bei der diesjährigen CeBIT in Hannover vertreten.

Das US Applied Digital Solutions Inc. -Unternehmen (ADS) aus Palm Beach (Florida) will nun mit dem neu entwickelten "VeriChip" die RFID-Technik auch auf den menschlichen Körper übertragen. Ältere Versionen eines solchen Sende-Chips werden in den USA seit Jahren von Tierärzten empfohlen: Dem Haustier wird die digitale Erkennungs-Marke einspritzt, und die Nummer der Markierung kommt zusammen mit der Adresse von Herrchen und Frauchen in ein nationales Register. Entlaufene Katzen oder Hunde können dann mit Lesegeräten eindeutig identifiziert und an ihre Besitzer zurück gegeben werden.

ADS wirbt für den VeriChip nun mit einem Hinweis auf die "vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten in der Medizin, bei der Sicherheit und in Notfällen". Zum Beispiel könnte der digitale Sender bei den Empfängern künstlicher Gelenke oder Organe gleich mit eingepflanzt werden, schlägt ADS vor. Dann erhalten Ärzte oder Notfallsanitäter "schnell, sicher und ohne chirurgischen Eingriff per Lesegerät wichtige Informationen über den Patienten sowie technische Daten des künstlichen Körperteils.

Die zuständigen US-Behörden haben dem VeriChip ihren Segen noch nicht erteilt; das Verfahren laufe aber, und man erwarte noch in diesem Frühjahr ein positives Ergebnis, teilt ADS mit. Tausende von Freiwilligen hätten sich bereits gemeldet, die den Chip sofort ausprobieren wollen, sobald er für den US-Markt genehmigt wird. Aufsehen erregte ADS bereits mit dem Vorschlag, den VeriChip zur nationalen Sicherheit sofort, aber nur für Nicht-Staatsbürger einzusetzen. Man könnte ja zur besseren Kontrolle allen Ausländern, die die USA besuchen, den Minisender einspritzen, schlug der Firmenchef Richard Sullivan vor.

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