Sender zahlen drauf
Schröder, Stoiber & Co auf allen Kanälen

Politik bis zum Abwinken: Die letzten Tage vor der Wahl verlässt die Zuschauer die Lust. Noch nie hat es so viele TV-Sendungen zum Wahlkampf gegeben. Bezahlt macht es sich nicht.

HB DÜSSELDORF. So etwas hat es noch nicht gegeben. Politik-Sendungen bei den Privaten bis zum Abwinken. "Viel mehr ist den Sehern nicht zuzumuten - weder bei den Privaten noch bei den Öffentlich-Rechtlichen", kommentiert RTL-Chefredakteur Hans Mahr den Wahlkampf auf allen Sendern. Auch ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender sieht die Grenze erreicht: "In dieser Woche nimmt das Zuschauer-Interesse deutlich ab." Mit Porträts, Einzel-Interviews, Fragerunden und Dokumentationen haben sich der Bertelsmann-Sender RTL und der Kirch-Ableger Sat 1 in diesem Sommer weit von ihrer Maxime entfernt, Politik nur so wenig wie möglich zu auszustrahlen. 20 Stunden ohne Nachrichtensendungen waren es bei RTL. Auch Sat 1-Chefredakteur Jörg Howe bestätigt, vor der letzten Bundestagswahl 1998 weniger Politik im Programm gehabt zu haben.

Mit dem Rede-Duell zwischen Kanzler und Kandidat, einem Novum in der deutschen Fernsehgeschichte, hoffen RTL und Sat 1 bei den 15 Millionen Zuschauern allerdings auf einen satten Imagegewinn. RTL spendet die Studio-Dekoration nach der Wahl am kommenden Sonntag deshalb dem Haus der deutschen Geschichte in Bonn. "Wir fühlen uns als großer Sender demokratisch verantwortlich", begründet Mahr. Stolz sind die Privaten vor allem auf den hohen Anteil junger Zuschauer beim Duell.

Finanziell war das Wahlkampfengagement von RTL und Sat 1 allerdings kein Erfolg. Die Wahl-Berichterstattung hat alleine RTL einen hohen einstelligen Millionen-Euro-Betrag gekostet, so unternehmensinterne Quellen. Doch durch Werbeeinnahmen lässt sich das Wahlkampf-Fernsehen schlecht refinanzieren. Das Rede-Duell zwischen Gerhard Schröder und Edmund Stoiber war werbefrei. Trotz Zuschauer-Quoten wie zur Fußball-Weltmeisterschaft wurden die Reklameblöcke vor und nach dem Interview zu "moderaten Preisen" verscherbelt, berichten die Sender-Vermarkter IP Deutschland und Seven One Media übereinstimmend. Ein Werbe-Hit waren auch die anderen Sendungen nicht. "Die Nachfrage der Werbekunden war weder gut noch schlecht", so eine Sprecherin des RTL-Vermarkters. "An das spannende Filet-Stück, das Duell, konnten die Werbekunden nicht herankommen", erklärt Jürgen Blomenkamp, Geschäftsführer von Mediacom, eine der größten Media-Agenturen. Die "Inflationierung auf der Angebotsseite" habe das Thema Wahlkampf für die Unternehmen schnell unattraktiv werden lassen.

Um so glücklicher ist das ZDF, "früh mit der Wahlberichterstattung begonnen zu haben, um das Interesse der Zuschauer zu holen", so Brender. Zwar hatte bei den 15,3 Millionen Zuschauern für das zweite Fernsehduell die ARD anteilsmäßig die Nase vorne. Doch mit jeweils über drei Millionen Sehern der Wahlkampf-Sommer-Interviews ist Brender zufrieden. ARD und ZDF sollen laut Brancheninsidern jeweils 15 bis 20 Mill. Euro für die Wahlberichterstattung ausgeben. Das sei vergleichbar mit 1998. Nur der Wahlsonntag wird aufwendiger. RTL und Sat 1 wollen am Sonntag allerdings trotz Wahlkampf mit dem Programmen Geld verdienen. Beide zeigen dann einen launigen Spielfilm zur besten Sende-Zeit. Auch die Fußball-Bundesliga findet trotz Wahl bei Sat 1 ihren Sendeplatz.

Quelle: Handelsblatt

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