Senderchef Kofler will gegen Olympia-Berichterstattung auf Digitalkanälen vorgehen
Premiere attackiert ARD und ZDF

Von olympischer Waffenruhe keine Spur. Vier Tage vor Beginn der Sommerspiele in Athen geht Premiere-Chef Georg Kofler jetzt gegen ARD und ZDF in die Offensive. Er prüfe rechtliche Schritte gegen die Umwandlung von vier Digitalkanälen der öffentlich-rechtlichen Anstalten in Sportsender für die Zeit der Olympischen Spiele, sagte der Chef des einzigen deutschen Bezahlsenders gestern dem Handelsblatt. Es sei nicht hinnehmbar, dass ARD und ZDF die Kanäle einfach für kurze Zeit ganz anders positionieren würden, betonte der Manager.

MÜNCHEN. Kofler ist seit Jahren einer der lautstärksten Kritiker der öffentlich-rechtlichen Anstalten. Der Südtiroler kämpft vor allem gegen das große Sportangebot auf ARD und ZDF. Sport ist eines der Zugpferde des Münchener Pay-Kanals Premiere und für dessen Überleben unerlässlich. Finanziert durch "risikofreie Zwangsgebühren" sei die Sportberichterstattung von ARD und ZDF der "größte Dorn im Auge" von Premiere, unterstrich Kofler. Jeder Sender habe eine Lizenz für ein bestimmtes Programm erhalten, argumentiert Kofler. Da könne es nicht sein, dass die Digitalkanäle auf einmal zu reinen Sportsendern mutierten. Eine ARD-Sprecherin betonte hingegen, der Senderverbund könne die Inhalte der Digitalkanäle frei wählen.

ARD und ZDF werben damit, ab Samstag auf vier Digitalkanälen mehr als 1 100 Stunden Sport aus Athen zu zeigen. Normalerweise laufen auf diesen Sendern Wiederholungen aus dem ARD-Programm (Einsmuxx), Kultursendungen (Einsfestival), Dokumentationen (ZDF-Dokukanal) und Theaterinszenierungen (ZDF-Theaterkanal).

Zudem kündigte Kofler an, gegen den Sportrechteeinkauf der Öffentlich-Rechtlichen bei der Europäischen Union in Brüssel vorzugehen. Europaweit haben die öffentlich- rechtlichen Anstalten ihre Kräfte in der European Broadcasting Union (EBU) gebündelt und bieten gemeinsam für Großereignisse. Damit könnte die EBU günstiger einkaufen als Premiere, sagte Kofler. Den Privaten seien solche Absprachen dagegen untersagt.

Für Premiere, in Mehrheitsbesitz der britischen Investmentfirma Permira, ist es wichtig, Sportrechte möglichst billig zu bekommen, denn das Unternehmen will 2005 an die Börse und muss dazu nach zehn Jahren Verlust endlich schwarze Zahlen vorweisen. Operativ erzielten die Unterföhringer im abgelaufenen Quartal zwar einen Gewinn von knapp 21 Mill. Euro. Wegen hoher Abschreibungen blieb unterm Strich aber ein Minus von fast 22 Mill. Euro. Angesichts kräftiger Preiserhöhungen von zehn bis 15 Prozent sank die Zahl der Abonnenten um 61 800 auf knapp 2,9 Mill. Euro.

In Bankenkreisen hieß es, dass Hypo-Vereinsbank, Bayern LB und Morgan Stanley im Emissions-Konsortium mit dabei sein würden. Zudem seien UBS, CSFB und die Citigroup in der Auswahl.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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