Senderchef Larass gibt sich überzeugt, dass der US-Investor am defizitären Nachrichtenkanal festhält
N 24 bleibt trotz Saban-Einstiegs gelassen

Das Management von N 24 sieht den Einstieg des US-Investors Haim Saban beim Mutterkonzern Pro Sieben Sat 1 gelassen und macht sich keine Sorgen um die Zukunft des Nachrichtenkanals. "Ich bin sicher, dass Haim Saban an N 24 festhalten wird. Bei N 24 gibt es keine Unruhe wegen des neuen Mehrheitsgesellschafters", sagte Senderchef Claus Larass dem Handelsblatt.

BERLIN. Hintergrund sind andauernde Spekulationen um den Fortbestand des defizitären Informationssenders. Sie bekamen in den zurückliegenden Wochen durch Sabans Einstieg bei der Pro-Sieben-Sat-1- Gruppe neuen Schub. Saban hat vor zwei Wochen 36 % des Grundkapitals und die Mehrheit der Stimmrechte von Deutschlands größtem TV-Konzern übernommen, zu dem auch N 24 gehört.

Analysten gehen davon aus, dass die Pro Sieben Sat 1 Media AG durch den jüngsten Besitzerwechsel vor einem Neuanfang steht und in den nächsten Monaten ein umfangreicher Umbau folgen wird. Saban selbst hat noch kein Signal gegeben, wie er sich die Zukunft von N 24 vorstellt. Es seien insgesamt noch keine strategischen Entscheidungen gefallen, weil Saban momentan im Urlaub weile, heißt es in Unternehmenskreisen.

"Wenn Saban fest im Sattel sitzt, wird es zu Änderungen in der Programmstrategie kommen", erwartet Analyst Erik Heinrich von der WGZ-Bank. "Es könnte gut sein, dass N 24 unter die Räder kommt", prognostizierte er kürzlich. Auch Thomas Grillenberger von der Bayerischen Landesbank hält die Existenz von N 24 für bedroht.

In der Berliner Sendezentrale ist von Nervosität offiziell wenig zu spüren. "Durch den Einstieg von Saban hat sich für N 24 bisher nichts geändert", beteuert Larass, der als Informationsvorstand für Nachrichten innerhalb der ehemaligen Kirch- Senderfamilie zuständig ist.

Der Informationssender N 24 gilt als Sorgenkind in der Senderfamilie. Im ersten Halbjahr verzeichnete N 24 einen Verlust von 13,2 Mill. Euro bei einem Umsatz von 33 Mill. Euro. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum brach der Umsatz um fast ein Drittel ein. Das Defizit konnte Larass aber um 10 % senken.

Trotz der enttäuschenden Zahlen gibt sich N 24 unter anderem wegen des eingeschlagenen Sparkurses gelassen. "Wir sind auf alle Fälle im Plan. Das schafft Vertrauen", sagt Larass, der früher "Bild"-Chefredakteur war. Er verspricht, das Defizit weiter deutlich zu senken. "Wir wollen unsere Verluste dieses Jahr unter 20 Mill. Euro drücken."

Optimistisch stimmt ihn, dass N 24 mit dem Konkurrenten N-TV, Tochter der Mediengiganten Bertelsmann und AOL Time Warner, bei der Quote gleichauf liegt. Im ersten Halbjahr erzielten die beiden Infosender eine Quote von 0,8 % in der für die Werbewirtschaft wichtigen Zielgruppe. "Die Werbeeinnahmen von N 24 werden sich in diesem Jahr verdoppeln, wenn auch noch auf niedrigem Niveau", kündigt Larass an. Ein Grund dafür sei, dass die Werbepreise deutlich günstiger als bei N-TV seien.

N-TV leidet wie N 24 unter der Werberezession. Durch Entlassungen, Zusammenlegungen und neue Produzentenverträge versuchen beide Sender, aus den roten Zahlen zu kommen. N-TV-Chef Johannes Züll hat für Ende nächsten Jahres schwarze Zahlen versprochen. Unternehmensnahe Kreise bestätigen, dass die Verluste der RTL-Tochter geringer als beim Konkurrenten N 24 ausfallen.

Auch Larass gibt sich optimistisch: "2005 werden wir schwarze Zahlen schreiben." Dieses Ziel sei wegen des eingeschlagenen Sparkurses für den Sender gut zu erreichen. N 24 unterhält fest angestellte Auslandskorrespondenten nur noch in Washington und Jerusalem. Im Herbst steht bei dem Sender eine Programmreform an. Unter anderem wird der CDU-Politiker und Ex-Jenoptik-Chef, Lothar Späth, von Mitte September an eine eigene Talksendung erhalten.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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