Senderfamilie will Bundesliga-Rechte behalten
Pro-Sieben-Chef Rohner drückt die Kosten

Der Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 Media glaubt nicht an ein schnelles Ende der Werbekrise. Vorstandschef Rohner schließt deshalb das Verschwinden einzelner Sender vom deutschen Fernsehmarkt nicht aus.

MÜNCHEN. Die mehrheitlich zur Kirch-Gruppe gehörende Senderfamilie Pro Sieben Sat 1 Media AG stellt sich auf einen weiter schwachen TV-Werbemarkt ein. Dem Handelsblatt sagte der Vorstandsvorsitzende Urs Rohner: "Die Marktbedingungen sind sehr schwierig. Das Ende der Werbeflaute ist noch nicht in Sicht. Wir gehen aber wie unsere Konkurrenten und Kunden davon aus, dass der Markt im vierten Quartal wieder anziehen wird." Eine echte Erholung erwartet der aus der Schweiz stammende Manager aber erst für 2003.

Der im M-Dax notierte Fernsehkonzern mit einem Jahresumsatz von 2,015 Mrd. Euro (2001) und einem Ergebnis vor Steuern von 106 Mill. Euro drückt derzeit voll auf die Kostenbremse. "Innerhalb der Pro Sieben Sat 1-Gruppe gibt es keine heiligen Kühe", betonte Rohner. Zur Gruppe gehören die Sender Sat 1, Pro Sieben, Kabel 1 und N 24. "Wir fahren eine harte Kostenkontrolle. Wenn die Umsätze nicht steigen, müssen die Kosten unter Kontrolle sein." Einen Personalabbau schloss er jedoch aus. Derzeit beschäftigt der TV-Konzern rund 3 000 Mitarbeiter. Am kommenden Montag legt das Münchener Unternehmen seine Zahlen für das erste Quartal vor.

Größtes Sorgenkind ist der in Berlin beheimatete Sender Sat 1 , der seit Jahren Verluste einfährt. Rohner verspricht allerdings Besserung: "Sat 1 wird 2003 schwarze Zahlen schreiben." Der Kanal habe große Fortschritte gemacht. Jetzt konzentriere man sich auf das verbesserungswürdige Vorabendprogramm. Neben aufwendigen deutschen Fernsehfilmen setzt Sat 1 insbesondere auf die Fußball-Bundesliga. Doch für Rohner ist auch klar: "Die Fußballsendung Ran war in der Vergangenheit für Sat 1 ein wichtiger Pfeiler für die Positionierung des Senders. Doch die Attraktivität der Fußball-Bundesliga ist wegen des Überangebots an Fußball im TV zurück gegangen." Nach Meinung von Brancheninsidern zahlt Sat für die laufende Saison 125 Mill. Euro. Bisher wurden die Rechte vom Mehrheitsgesellschafter Kirch Media an Sat 1 weiter gereicht.

Ob die im Insolvenzverfahren befindliche Kirch Media überhaupt noch die nächste Rate am 15. Mai von 100 Mill. Euro an die Deutsche Fußball-Liga (DFL) überweist, ist unklar. Kirch Media müsste nach dem bis 2004 laufenden Vertrag noch etwa 900 Mill. Euro an die Liga zahlen. Insider gehen davon aus, dass die Bundesliga-Rechte neu ausgeschrieben werden. Schon jetzt haben Sport Five (RTL Group/Vivendi Universal), Herbert Kloiber (Tele-München-Gruppe) und die ARD ihr Interesse angemeldet. Pro-Sieben-Chef Rohner will die Erstrechte im Free-TV - unabhängig von der Entwicklung bei Kirch Media - weiter für Sat 1 behalten: "Wir werden jetzt wie in jedem Jahr die Verhandlungen führen und sind in der Pole Position für die nächste Saison."

Sparen muss allerdings nicht nur Sat 1, sondern auch der vor zwei Jahren gestartete Nachrichtensender N 24. Rohner bilanziert: "N 24 ist ein junges Unternehmen, bei dem wir noch nicht am Ziel sind. Wir haben unserem Nachrichtenkanal ursprünglich vier Jahre bis zum Break-Even gegeben." Erst vor wenigen Wochen hat N-24-Chef Ulrich Ende den Job quittiert. Seither wird der Sender vom früheren Springer-Manager und jetzigen Informationsvorstand Claus Larass geführt.

Der vom Erfolg verwöhnte Fernsehmarkt steht nach Meinung von Beobachtern vor seiner bislang härtesten Bewährungsprobe. Rohner erwartet, dass von den mehr als 30 frei empfangbaren Sendern hier zu Lande der eine oder andere stirbt. "Angesichts der harten Marktbedingungen ist es nicht ausgeschlossen, dass auch Sender verschwinden werden." Auch Norbert Schneider, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM), analysiert: "In Deutschland gab es bisher zu viel Fernsehen für zu wenig Geld. Am Ende wird das TV-Angebot in Qualität und Quantität abnehmen."

Pro Sieben erwartet, dass die Marktsituation sich auch bei den Preisen niederschlägt. "Wir sind überzeugt, dass sich die Preise für Filmrechte in Deutschland wieder normalisieren", so Rohner. "Für die hohen Preise war nicht Kirch verantwortlich. Schuld hatten die Neue-Markt-Firmen. Sie haben in der Vergangenheit die Preise für Fernsehrechte hoch getrieben." Von Spekulationen, dass mit einem Ende von Kirch Media der Pro Sieben Sat 1 die Filmeware ausgehen könnte, will Rohner nichts wissen: "2002 sind wir im Spielfilm- und Serienbereich komplett versorgt. Für nächstes Jahr ist der Bedarf an Lizenzprogrammen heute schon zu 86 Prozent gedeckt." Künftig will der TV-Konzern aber auch beim Einkauf auf eigenen Beinen stehen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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