Sendestart im Frühsommer 2002 geplant
Bibel TV steht kurz vor der Lizenzierung

Im Handelsregister liest sich die Eintragung sehr nüchtern: Sinn der Gesellschaft sei die "Förderung religiöser Zwecke in Form der Verbreitung der biblischen Inhalte über elektronische Medien, insbesondere über die so genannten Neuen Medien". Die "Bibel TV Stiftung gemeinnützige GmbH", die im Januar in Bad Godesberg gegründet wurde, will bald Fernsehen für diejenigen machen, die über die Inhalte der Heiligen Schrift auch in Bild und Ton informiert werden möchten.

dpa HAMBURG. Der digitale Fernsehsender, der kostenfrei, aber nur mit Hilfe eines Decoders zu empfangen ist, plant seinen Start im Frühsommer 2002 und steht kurz vor der Lizenzierung durch die Hamburgische Anstalt für neue Medien. Knapp drei Mill. Haushalte werden den Kanal zum Start empfangen können.

Der Sitz von Bibel TV mit seinen sieben Mitarbeitern befindet sich an der Hamburger Rothenbaumchaussee im Gebäude der katholischen Fernsehproduktionsgesellschaft Tellux, schräg gegenüber des Landesrundfunkgebäudes des Norddeutschen Rundfunks (NDR). In einer 150-Quadratmeter-Etage arbeitet die Gruppe fieberhaft an der Verwirklichung des Projekts arbeiten - allen voran Henning Röhl. Der 57-jährige Geschäftsführer ist kein unbeschriebenes Blatt in der Branche. Röhl war Chefredakteur von "ARD aktuell" und bis zum Frühjahr 2001 Fernsehdirektor des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR). Sein klares Ziel: "Wenn wir 1500 Programmstunden zusammen haben, kann es losgehen."

Zur Zeit ist Röhl auf der Suche nach geeignetem Material: Filme, Dokumentationen und Musik (Rock, Pop und Gospel) stehen auf seinem Einkaufszettel. 500 Programmstunden wird Bibel TV vom amerikanischen Anbieter The Christian Network erhalten, die holländische TV- Gesellschaft EO steuert 120 Stunden bei. Auch mit dem Münchner Filmhändler Leo Kirch sei man im Gespräch. Doch seine Preise liegen über dem Niveau, das sich Bibel TV leisten kann. 14 Mill. DM sind für den Aufbau des Senders veranschlagt, mit knapp 30 Mill. DM Investitionen rechnet Röhl für die ersten drei Jahre. 15 Gesellschafter sind dabei, darunter der Bonner Verleger Norman Rentrop (52 %) und mit insgesamt 25,5 % die Tellux und die evangelische Filmfirma Eikon.

Auf eine rasche Refinanzierung wie sonst im kommerziellen Fernsehen setzen die Gesellschafter nicht, obwohl Röhl damit rechnet, auch bestimmte Werbeformen im Programm zu verankern. Auch Sponsoringhinweise sollen erlaubt sein. Ein Freundeskreis von Bibel TV soll für die künftige Finanzierung des Senders sorgen. Der Sender sei kein Ersatz für den Kirchgang, unterstreicht Röhl, also keine "Electronic Church" wie in den USA. Denn Gottesdienste werden vom Bibel TV nicht übertragen. Der Streit unter den Gesellschaftern mit ihren verschiedenen christlichen Strömungen wäre dann vorhersehbar.

Die Terror-Anschläge in den USA und der Krieg in Afghanistan haben laut Röhl ein "ungeheures Interesse" an christlich ausgerichteten Themen ausgelöst. Es sei eine neue Wertediskussion im Gange, der Mensch lasse sich nicht von Spaß und Trash leiten, schon gar nicht der, der Bibel TV sehen wolle. "Der platte Joke ist nun einmal auf dem Rückzug", sagt Röhl.

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