Sendung auf Wunsch Reich-Ranickis abgesetzt
ZDF künftig ohne "Literarisches Quartett"

. Das ZDF muss ab Ende diesen Jahres mit dem "Literarischen Quartett" auf eine seiner profiliertesten Sendungen verzichten, setzt aber weiterhin auf alte Stärken wie Nachrichten, Dokumentationen oder Magazine.

ap HAMBURG. Wie ZDF-Intendant Dieter Stolte am Mittwoch bei der Vorstellung des neuen Programms mitteilte, wird Marcel Reich-Ranicki auf eigenen Wunsch das letzte "Quartett" am 14. Dezember bestreiten. Ersetzt wird die Sendung durch ein "Philosophisches Quartett" mit Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski.

Reich-Ranicki wird dem Sender nach Angaben Stoltes jedoch erhalten bleiben und sich im Jahr 2002 monatlich "pointiert zu kulturellen und kulturpolitischen Fragen unserer Zeit äußern". Der ZDF-Intendant Stolte dankte Reich-Ranickis langjährigen Kollegen Hellmuth Karasek und der bereits vor einiger Zeit wegen Differenzen ausgeschiedenen Sigrid Löffler sowie deren Nachfolgerin Iris Radisch. 13 Jahre lang lief die Literatur-Sendung sehr erfolgreich im Zweiten.

Abgesehen davon sind beim ZDF im kommenden Jahr kaum bahnbrechende Neuigkeiten zu erwarten. Der Sender will sich auch künftig auf die klassischen öffentlich-rechtlichen Genres Nachrichten, Magazine, Reportagen, Serien, Dokus und Fernsehfilme konzentrieren. "Nichts ist spannender für die Zuschauer als die Wirklichkeit", sagte Stolte.

Quote "nur ein relatives Programmziel"

Anspruchsvolle Fernsehfilme wie die neue Produktion von Dieter Wedel "Die Affäre Semmeling", Hollywood-Filme wie "Notting Hill" sowie anspruchsvolle Magazine wie "Abenteuer Wissen" sollen das ZDF im kommenden Jahr in der Gunst der Zuschauer nach vorn bringen. Trotzdem sei die Quote "für uns kein absolutes, sondern immer nur ein relatives Programmziel", erklärte Stolte. "Entscheidend bleibt, dass wir ein werthaltiges Angebot machen, mit dem die Zuschauer für ihre Lebenswirklichkeit etwas anfangen können."

In diesem Sinne sollen Sloterdijk und Safranski in ihrem "Philosophischen Quartett" demnächst mit wechselnden Gesprächspartnern über Grundfragen und Perspektiven der Zeit diskutieren. Dem neuen Bildungsgedanken, der bei anderen Sendern mit dem Quiz verbunden würde, stünden die ZDF-Kulturprogramme und Dokumentationen schon lange nahe, erklärte Stolte.

Aus für "Cash"

Im Gegensatz dazu bleibt die Unterhaltungs- und Showsparte wohl weiterhin das Sorgenkind des ZDF. Der Intendant selbst wünschte dem neuen Verantwortlichen Manfred Teubner auf diesem "Feuerstuhl" viel Glück: "Showprogramme sind im Wettbewerb der empfindlichste Publikumssensor" und erforderten dauernde Innovation. Das bekommt auch Ulla Kock am Brinks Quiz-Show "Cash" zu spüren, die im nächsten Jahr nach ZDF-Angaben nicht mehr stattfindet. Eine neue Musik- und Comedy-Show gibt es dagegen ab dem kommenden Jahr mit dem Moderator Götz Alsmann.

Ansonsten verlässt sich der Sender auch in diesem Bereich auf Altbewährtes: Stolte verwies auf den Dauerbrenner "Wetten dass...?". Weiter profilieren will sich das ZDF bei der Sportberichterstattung: So würden nicht nur wie immer die Olympischen Winterspiele in Salt Lake City übertragen. Dem Sender sei es außerdem gelungen, die den Boxstall Universum und damit die Brüder Vitali und Wladimir Klitschko an sich zu binden, teilte Stolte mit.

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