„Senegal gewinnt für Afrika“
Ein Kontinent brüllt mit den Löwen

"Das ist der Sieg für Afrika", brüllten Fußballfans auf dem ganzen Kontinent zusammen mit den "Terenga Lions", den gastfreundlichen Löwen aus Senegal. "Zum ersten Mal seit zwölf Jahren hat es ein afrikanisches Team ins Viertelfinale der Fußball-WM gebracht", strahlte ein Taxifahrer am anderen Ende Afrikas in Kenias Hauptstadt Nairobi. Und ein Student in der eritreischen Hauptstadt Asmara meinte: "Ganz gleich in welchem Land - überall auf dem Kontinent jubeln die Fans jetzt für das Team aus Senegal."

dpa DAKAR/NAIROBI. Das westafrikanische Land kommt seit dem ersten WM-Sieg gegen Frankreich vor zwei Wochen aus dem Feiern nicht mehr raus.

Dort hatten sich schon vor Sonnenaufgang Tausende siegesgewisser Fans vor den Großbildleinwänden in mehreren Orten und vor allem in der Hauptstadt Dakar versammelt. "Als Camara das Tor schoss, dröhnten uns nur noch die Trommelfelle und der Boden bebte unter unseren Füßen", strahlte Aliy Ndaw. In seinem Hotel Ganale hatten sich Gäste und Anwohner vor einem Fernseher zusammengequetscht, um das Spiel zu sehen. "Das ist nicht nur ein Sieg für Senegal, das ist ein Sieg für ganz Afrika", strahlte Ndaw.

"Wir kämpfen für den Rest des Kontinents und der Rest hält zu uns", meinte ein anderer Fan vor der Leinwand an der Küstenstraße Corniche, die bereits zum nationalen Denkmal erklärt worden ist. Alles wurde dort von den Nationalfarben rot, grün und gold beherrscht. Im Gewühl der tanzenden Fans stachen Kopftücher, Fahnen, Ohrringen und Spruchbänder in den Farben Senegals hervor. "Wir werden für Afrika siegen", strahlte Automechaniker Aliu Kamara. "Die Löwen wissen schwierige Situationen zu meistern."

Im Hupkonzert der Autoschlangen reckten viele die Hälse, um Ausschau nach Präsident Abdoulaye Wade zu halten. Der hatte sich nach dem Sieg gegen den ehemaligen Kolonialherrn Frankreich und den Einzug ins Achtelfinale in einem offenen Wagen durch die Innenstadt kutschieren lassen und dabei einen Fußball in die Höhe gereckt. Wade, seit dessen Amtsantritt vor knapp zwei Jahren die Fußballmannschaft erfolgreicher wurde, profitiert vom Siegeszug seiner Löwen.

In den letzten Monaten war die neue Regierung in der Beliebtheitsskala stark gesunken. Bei den Kommunalwahlen vor einigen Wochen verlor die Regierungspartei Bürgermeisterposten an Oppositionsparteien. Doch solange die senegalesische Nationalmannschaft im Wettkampf steht, treten die alltäglichen Probleme der Menschen des westafrikanischen Landes in den Hintergrund. Senegals Landwirtschaft - Arbeitgeber für die meisten Menschen des gut neun Millionen-Einwohner-Landes - leidet unter anhaltend schlechten Preisen, hauptsächlich für Erdnüsse.

"Doch daran", sagt Senegalese Ndaw, "denkt derzeit keiner. Hier dreht sich nur noch alles um die Löwen." Präsident Wades Entscheidungen stehen daher auch im Zeichen des Fußballs. Den Tag des 1:0 gegen Frankreich hat er bereits zum nationalen Feiertag erklärt. "Für die nächsten Spiele", sagt ein Fan, "kann er sich das sparen: da läuft im ganzen Land außer Fußball gucken sowieso nichts mehr."

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