Senegal oder Türkei vor historischem Sieg
Spiel für die Ewigkeit

Schafft Senegal als erstes afrikanisches Team den Sprung in ein WM-Halbfinale oder glückt der Türkei der historische Schritt? "Wir sind bereit, unseren ganzen Kontinent weiter in Ekstase zu halten", verkündet Senegals Trainer Metsu. Sein Kollege möchte, "dass die Türken in aller Welt glücklich sind".

dpa OSAKA. Einer geht auf jeden Fall in die Geschichtsbücher ein. Schafft Senegal als erstes afrikanisches Team den Sprung in ein WM-Halbfinale oder glückt der Türkei der historische Schritt? Im Duell der Überraschungs-Teams am Samstag in Osaka (13.30 Uhr MESZ) gibt es keinen Favoriten. Der einzige Unterschied zwischen beiden Mannschaften sei die Hautfarbe, wie es Senegals Trainer Bruno Metsu salopp formulierte. "Wir sind bereit, unseren ganzen Kontinent weiter in Ekstase zu halten", sagte der gebürtige Franzose. Sein türkischer Kollege Senol Günes möchte das Fußball-Fieber vor dem möglichen Halbfinale gegen Brasilien am Mittwoch nicht nur im eigenen Land unbedingt noch höher treiben: "Wir wollen, dass die Türken in aller Welt glücklich sind".

Selbst das deutsche Fernsehen ließ sich von der türkischen Euphorie anstecken. Angesichts der Jubelorgien in vielen Städten zwischen Flensburg und Garmisch nach dem 1:0-Achtelfinalsieg gegen Japan erwarb die ARD unplanmäßig für 2,5 Millionen Euro die Senderechte an der Partie. "Ich habe die Begeisterung aus Deutschland im japanischen TV gesehen", sagte der in Mannheim aufgewachsene Mittelfeldspieler Ümit Davala. Der Schütze des goldenen Tores hofft, dass "die Feiern meiner vielen Landsleute am Samstag weitergehen".

Heimlich, still und leise sind aus den vermeintlichen Außenseitern Geheimfavoriten geworden. So schwärmt Pele von dem kontrollierten und disziplinierten Auftreten der Türken ebenso wie von der Mixtur des senegalischen Spiels aus Technik, Physis und Selbstbewusstsein, mit der sie in der Vorrunde Weltmeister Frankreich und im Achtelfinale Schweden entzaubert haben. Die unbekümmert agierenden Westafrikaner waren eine echte Entdeckung, stellt der legendäre Brasilianer fest.

"Wir haben den großen Vorteil, dass wir nichts zu verlieren haben. Darum können wir weiter so befreit aufspielen wie bisher. Wir wissen, dass wir bis ins Finale vorstoßen können", sagte Dribbelkünstler El Hadji Diouf, der wie seine Mannschafts-Kameraden gleich vierfach motiviert wird: "Wir wollen für Senegal siegen, für Afrika und für Frankreich. Und damit wollen wir auch endlich klarstellen, dass wir die wirklichen Löwen sind und nicht die Spieler aus Kamerun."

Zur moralischen Unterstützung hat der Fußball-besessene Staatspräsident Abdoulaye Wade seine Tochter Sindiely spontan nach Osaka geschickt. Der politische Chef selbst wird sich mit einer neuen Videoaufzeichnung an das Team wenden, das der Coach vor der Begegnung in der Umkleidkabine einspielen wird. "Seine Worte gehen unter die Haut, sie inspirieren und enden mit der Zuversicht: Senegal kann gewinnen", erzählt Metsu, der sein stärkstes Aufgebot nominieren kann. Wade habe auch eine Extra-Prämie über die 10 000 Dollar hinaus versprochen, die für den Halbfinal-Einzug garantiert wurden.

Üppiger fällt dagegen das Salär für die Türken aus. 75 000 Dollar pro Spieler wurden bisher schon ausgeschüttet, beim Weiterkommen werden weitere sechs Millionen Dollar für den kompletten Kader fällig. Der Bürgermeister des Istanbuler Stadtteils Kaeidiköy versprach jedem Spieler gar ein Luxus-Appartement am Bosporus.

Mehr als ums Geld geht es den Türken jedoch um die Ehre. Zudem hofft Ümit Davala auf eine Revanche gegen Brasilien, das im ersten Gruppenspiel nach zweifelhaften Referee-Entscheidungen 2:1 gesiegt hatte: "Darauf würde ich mich freuen. Mal sehen, was passiert, wenn der Schiri vernünftig pfeift und Chancengleichheit herrscht."

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