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Sensation gegen Titelverteidiger: Griechen im HalbfinaleDPA-Datum: 2004-06-25 22:39:27

Lissabon (dpa) - Otto Rehhagels griechische «Fußball-Götter» haben Titelverteidiger Frankreich sensationell vom Sockel gestürzt und erstmals das Halbfinale einer Europameisterschaft erreicht.

Lissabon (dpa) - Otto Rehhagels griechische «Fußball-Götter» haben Titelverteidiger Frankreich sensationell vom Sockel gestürzt und erstmals das Halbfinale einer Europameisterschaft erreicht.

Der Bremer Stürmer Angelos Charisteas erzielte vor 45 390 Zuschauern in Lissabon in der 65. Minute das Siegtor für die Hellenen und schrieb so ein weiteres Kapitel einer unglaublichen EM- Geschichte. Gegen Tschechien oder Dänemark spielen die als krasser Außenseiter ins Turnier gestarteten Griechen in Porto nun sogar um den Einzug ins Endspiel.

Für die Griechen war es der erste Sieg gegen die «Grande Nation» überhaupt, die ihren Traum vom dritten EM-Titel nach 1984 und 2000 nicht verwirklichen konnten und wie alle Europameister vor ihnen den Titel nicht verteidigten. Frankreichs Nationaltrainer Jacques Santini kassierte nach 21 Spielen ohne Niederlage mit der «Equipe Tricolore» die erste Pleite. Es war zugleich seine letzte, denn nach der EM wechselt Santini als Vereinscoach zu Tottenham Hotspur.

Laut Rehhagel ging es für die Griechen nach dem historischen Einzug ins Viertelfinale nur noch um den Spaß am Fußball. «Wir haben nichts zu verlieren und können gegen die beste Mannschaft der Welt locker aufspielen», sagte «Rehakles», wie der gestrenge Deutsche von den Hellenen genannt wird. Für den einzigen Deutschen im EM- Viertelfinale waren mit dem Spiel im «Estádio José Alvalade» ganz unangenehmen Erinnerungen verknüpft. In der selben Arena war am Mittwoch die DFB-Auswahl an Tschechiens B-Team gescheitert. Doch für die Griechen galten gegen den zweimaligen Europameister und Weltmeister von 1998 ganz andere Vorzeichen.

Umso überraschender war das respektlose Auftreten des Außenseiters, dem Rehhagel die bei Werder Bremen erprobte «kontrollierte Offensive» verordnet hatte. Griechenland bestimmte in der ersten Halbzeit das Spiel. Der zur Bewachung des französischen Kapitäns Zinedine Zidane abgestellte Konstantinos Katsouranis begnügte sich nicht damit, die Kreise des Fußball-Genies zu stören. Bedrängt von Bixente Lizarazu, kam der Mittelfeldspieler von AEK Athen in der 15. Minute aus Nahdistanz zu einer verheißungsvollen Gelegenheit. Doch der Ball sprang an den Innenpfosten, wo ihn Torwart Fabien Barthez im letzten Moment am Überqueren der Torlinie hinderte.

Glatzkopf Barthez war der einzige Franzose in Normalform und erneut zur Stelle, als sich Kasouranis ein weiteres Mal am Torschuss versuchte (27.) und Verteidiger Panagiotis Fissas mit links aus 22 Metern abzog (37.). Der Titelverteidiger, der neben Bayern - Verteidiger Willy Sagnol (Unterarmbruch) auch Patrick Vieira (Oberschenkelzerrung) ersetzen musste, spielte ohne Esprit und Raffinesse. Zidane, der durch seinen 14. Einsatz gemeinsam mit Lilian Thuram zum EM-Rekordspieler aufstieg, war ein Schatten seiner selbst. Thierry Henry, der in der ersten Halbzeit nur eine Kopfball-Chance hatte (24.), wurde von Georgios Seitaridis an die Kette gelegt.

Die Fans waren von den ärmlichen Darbietungen der Fußball-Künstler derart enttäuscht, dass vor der Pause Pfiffe und - in Anspielung an das mitreißende erste Viertelfinale zwischen den Gastgebern und England - «Portugal»-Rufe ertönten. Das packte die Franzosen an der Ehre. In der zweiten Halbzeit schalteten sie einen Gang höher. Henry schoss vier Minuten nach Wiederanpfiff im Fallen nur knapp am rechten Pfosten vorbei (49.). Danach brannte es einige Male lichterloh im griechischen Strafraum, doch die in der Defensive sehr disziplinierten Hellenen hielten dem Druck stand, und das Tor fiel auf der anderen Seite.

Völlig frei köpfte Charisteas eine Flanke von Kapitän Theodoros Zagorakis ins Tor (65.). In der Schlussphase wechselte Santini in Sylvain Wiltord, Louis Saha und Jérôme Rothen noch drei Offensivkräfte ein - doch der Sturmlauf kam zu spät, mehr als eine Kopfball-Chance durch Henry (87.) sprang nicht mehr heraus.

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