Sensoren sollen Verkehrsströme besser in den Griff bekommen
Kleine Magnete erfassen jedes Auto

Magnetfeldsensoren zählen zuverlässig Fahrzeuge, messen deren Tempo und erkennen, ob ein Pkw, Lkw oder Lieferwagen vorbeisaust. Ihr Vorteil: Sie sind weitgehend wartungsfrei. Daher könnten sie künftig auch als moderne Parkplatzwächter oder in schlauen Kontroll- und Steuersystemen zum Einsatz kommen.

DÜSSELDORF. Ein Sensor, so groß wie eine Streichholzschachtel, könnte Wunder wirken im deutschen Verkehrsgetümmel. Der Magnetfeldsensor erfasst Fahrzeuge zuverlässiger als alle bisherigen Detektoren, sagt Heiko Menzel vom Dresdner Fraunhofer für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme-Institut (IMS). "Unser weitgehend wartungsfreies System funktioniert auch dann, wenn es auf der Autobahn spannend wird: bei Nebel, Regen und Schnee." Die Verkehrsleitzentrale könne die Blechlawinen durch Ampelschaltungen oder Spurführungen am Laufen halten oder zumindest frühzeitig Staumeldungen herausgeben.

Die Dresdner Forscher machen sich das Erdmagnetfeld zu Nutze. "Jede ferromagnetische Masse, etwa eine Karosserie oder ein Motorblock, bündelt dieses Magnetfeld und erzeugt ein Signal", erklärt Heiko Menzel. Computer lesen aus den Messdaten nicht nur die Geschwindigkeit heraus, sondern auch die Art des Gefährts, da jedes Modell charakteristische Signale sende. Das System kann die Daten drahtlos auswerten. "Nur die Autofarbe können wir nicht bestimmen", scherzt Menzel.

Entwickelt wurde die Technik im Auftrag des thüringischen Telematik TCZ GmbH-Unternehmens in Schmalkalden. "Die Autobahnämter klatschen vor Freude in die Hände", sagt Firmenchef Reinhard Zachmann. Die Patente habe er sich gesichert, erste Produkte seien schon verkauft: Sensoren zur Steuerung von Ampeln und Industrietoren etwa. Zachmann diskutiert nach eigenen Angaben derzeit "mit allen großen Unternehmen" über eine Vielzahl anderer Anwendungen. So sei Siemens daran interessiert, das Rollfeldmanagement auf Flugplätzen mit Magnetfeldsensoren zu optimieren, um Sicherheit und Abflugfrequenz zu erhöhen. Die beim Einsatz von Bodenradar nötigen Vorsichtsmaßnahmen wegen der starken Strahlung würden bei Magnetfeldsensoren entfallen. "Wir können auch problemlos durch stahlbewehrten Beton hindurchdetektieren", sagt Zachmann.

Ein Sensor könnte Leben retten

Zachmann mangelt es nicht an Anwendungs-Ideen: Das neue System sei etwa im Hinblick auf die geplante Maut für Lastwagen interessant. Auch Tunnels könnten sicherer werden, indem man Zahl, Art und Abstand der Fahrzeuge präzise misst. Ein Sensor auf unbeschrankten Bahnübergängen könnte Leben retten: Steht ein Auto auf den Schienen, wird der nahende Zug gewarnt. Selbst die Binnenschifffahrt könnte von Zachmanns Ideen profitieren: Er denkt an Sensoren, die automatisch Schleusen steuern.

Verkauft seien bereits Sensoren, die als elektronische Parkplatzwächter fungieren. Mit intelligenten Schrankensystemen gekoppelt, lassen sie nur bestimmte Fahrzeugtypen auf den Platz fahren. Da die Technik bis auf sechs Meter Distanz funktioniert, kann sie an Toren oder Garagen herkömmliche Öffnersysteme ablösen.

Ein Verfechter von Magnetfeldsensoren im Straßenverkehr ist auch Prof. Uwe Hartmann von der Universität des Saarlandes. Sein Sensor soll selbst Inline-Skater und Fahrradfahrer orten können. Hartmann schwebt sogar vor, die nötige Elektrik in einem flachen gelben Straßennagel unterzubringen, der normalerweise zur Fahrbahnmarkierung benutzt wird. TCZ-Geschäftsführer Zachmann zweifelt in diesem Punkt allerdings an der Praktikabilität.

Alle bisher eingesetzten Verkehrsdetektoren, die die Fahrzeugkolonnen auf den über 16 000 Autobahnkilometern am Laufen halten sollen, haben ihre Tücken. Verschmutzungsanfällige optische Erfassungsanlagen an Brücken sind unzuverlässig bei schlechtem Wetter. Auch Induktionsschleifen im Asphalt, die auf mechanischen Druck reagieren, brauchen regelmäßig Wartung, können reißen und halten nur drei bis vier Jahre. Sie erkennen im Gegensatz zum Magnetfeld-Verfahren auch keine stehenden Fahrzeuge. Ein vergleichender Praxistest habe bewiesen: "Magnetfeldsensoren sind zuverlässiger, genauer und auf Dauer auch billiger", sagt Zachmann. Sie lieferten die besten Messdaten, wenn die Sensoren erschütterungssicher in einem Rohr sitzen. "Einmal unter der Straße durchgeschoben, liegt das Rohr da ein Leben lang", sagt Zachmann.

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