Separatisten drohen mit Vergeltung
Mazedonische Armee setzt schwere Waffen gegen Rebellen ein

ap SKOPJE/BRÜSSEL. Nach elf Tagen relativer Ruhe hat die mazedonische Armee am Freitag mit Artillerie, Panzern und Kampfhubschraubern Stellungen der albanischen Rebellen in der Nähe der Hauptstadt Skopje angegriffen. Die Separatisten drohten umgehend mit Vergeltung. Ungeachtet der Eskalation äußerte die EU-Kommission in Brüssel die Hoffnung, dass sich Slawen und Albaner vor dem Rat der EU-Außenminister am Montag über Verfassungsreformen einigen könnten.

Aus dem Umfeld des mazedonischen Präsidenten Boris Trajkovski verlautete am Freitag, Trajkovski habe mazedonische und albanische Vertreter eingeladen, die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Es sei aber noch unklar, ob die Albaner unter dem Eindruck der heftigen Angriffe darauf eingehen würden. Erst am Mittwochabend hatte Trajkovski die Verhandlungen über einen Friedensplan für gescheitert erklärt und den albanischen Gesprächspartnern vorgeworfen, die Gespräche mit unrealistischen Forderungen zu blockieren.

Regierungstruppen feuerten am Freitag auf Stützpunkte in den Tälern zwischen Aracinovo und Nikustak. Dabei wurden auch Raketenwerfer eingesetzt. Der mazedonische Oberst Blagoja Markovski sagte zu den Einsätzen des Militärs, die Aktion diene der `Zerstörung von Terroristen". Nach Angaben der albanischen Rebellen wurden drei Zivilisten getötet und mehrere verletzt. Die Separatisten drohten mit Vergeltung und warfen der mazedonischen Armee vor, mit den Angriffen vom Freitag die Waffenruhe gebrochen zu haben. Rebellenführer Hohxa warnte die Verantwortlichen in Skopje vor einer weiteren Eskalation: "Wenn sie Krieg wollen, dann können sie einen haben", sagte er.

Auch aus den Gebieten um Tetovo und Kumanovo im Nordwesten des Landes wurden Schusswechsel gemeldet. Hunderte Bewohner flohen vor den Kämpfen ins Kosovo, wo nach Angaben der UN in diesem Jahr bereits 50 000 Mazedonier Zuflucht fanden.

EU-Kommission zuversichtlich

Ein Sprecher der EU-Kommission sagte: "Wir sind zuversichtlich, dass es eine politische Lösung gibt." Bei dem Treffen der EU-Außenminister am Montag werden der mazedonische Ministerpräsident Ljubco Georgievski und möglicherweise auch Trajkovski erwartet, um über Fortschritte im Reformprozess zu berichten. Die EU hat der mazedonischen Regierung bis Ende Juni Zeit gegeben, um erste Erfolge zu erzielen. In Luxemburg werden zudem die Führer sämtlicher Parteien erwartet. Sollte ein Abkommen bis Montag nicht zu Stande kommen, ist das weitere Vorgehen der EU noch unklar.

Unterdessen stellte sich die amerikanische Regierung hinter einen NATO-Einsatz in Mazedonien. Außenminister Colin Powell erklärte am Donnerstag nach einem Treffen mit NATO-Generalsekretär George Robertson, Washington unterstütze den Vorschlag, eine Friedenslösung mit der Entsendung von Soldaten zu fördern. Die NATO hatte sich am Mittwoch grundsätzlich dazu bereit erklärt, nach dem Abschluss eines Friedensvertrages Soldaten zur Entwaffnung der albanischen Rebellen nach Mazedonien zu schicken.

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