September langfristig schwächster Monat
Anleger müssen den Oktober nicht fürchten

Mit Unbehagen sehen Börsianer den Oktober nahen. Kein Wunder: Oft brachte der Monat hohe Verluste und die beiden großenCrashs in den Jahren 1929 und 1987 sind noch in Erinnerung geblieben. Doch 2002 dürfte der Crash ausbleiben, erwarten Experten - trotz des jüngsten Kursrutsches.

FRANKFURT/M. Wer Angst vor dem Oktober hat, für den hat Bernd Meyer eine gute Nachricht parat:"Seit 1955 ist der September im Schnitt immer der verlustträchtigste Monat gewesen", sagt der Aktienstratege der Deutschen Bank. Er betont aber gleichzeitig, dass noch keine nachhaltige Trendwende in Sicht sei. Dafür sei das gesamte Börsenszenario zu negativ:hohe Gewinnerwartungen für das dritte Quartal, der schwelende Irakkonflikt und die schlechte Konjunkturlage werde die Stimmungslage an der Börse so bald nicht ändern.

Als "i-Tüpfelchen" komme dazu, dass sich die Anleger im Monat Oktober auch psychologisch zurückhalten. Was nach Meyers Einschätzung allerdings für ein Investment spreche: "Viele Aktien sind zurzeit nicht teuer." Nach dem trüben Börsenmonat September ist dieses Argument nicht von der Hand zu weisen. Ähnlich hat die Mehrheit der Anleger wohl in der Vergangenheit gedacht: Jedenfalls hatte der Deutsche Aktienindex (Dax) in den letzten zehn Jahren zwischen Oktober und Dezember ein bisweilen kräftiges Wachstum zu verzeichnen; das Jahr 2000 war die einzige Ausnahme.

Auch Meyer erwartet bis Jahresende eine Seitwärtsbewegung oder leichte Gewinne. Auch Thomas Teetz, Leiter Aktienanalyse bei HSBC Trinkaus & Burkhardt, ist für den Oktober optimistisch. Er rechnet ab Mitte des Monats mit einer Stabilisierung oder Erholung. Teetz meint, viel Negatives sei bereits imMarkt eingepreist und hofft, dass einige Unternehmenszahlen zum dritten Quartal Lichtblicke bieten.

Mittlerweile habe sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Schätzungen für die Gewinne zu hoch seien - "und das ist in den Kursen enthalten", so Teetz. Auch die negativen Konjunkturerwartungen seien eingepreist. "Das Schlimmste haben wir hinter uns, der Markt ist stark überverkauft", so der HSBC-Analyst. Geparkte Liquidität könnte zumindest teilweise auf den Markt strömen.

Verunsicherte Investoren

Anleger müssten keine Angst vor einem Kurseinbruch haben - obgleich der Oktober als klassischer Crashmonat gilt. "Viele Anleger bewerten den Oktober noch immer als Crashmonat, obwohl sie ja eigentlich vor dem September mehr Angst haben müssten", bestätigt Joachim Goldberg, Geschäftsführer der Cognitrend GmbH in Frankfurt. Viele Investoren seien derzeit sehr verunsichert, wie sie sich verhalten sollten.

Der ehemalige langjährige Leiter der Abteilung Behavioral Finance bei der Deutschen Bank verweist die Investoren auf eine alte Börsenregel: "Was man heute nicht kaufen will, darf man nicht mehr im Depot halten, sondern muss man verkaufen." Anleger machten seit eh und je den Fehler, an Verlust bringenden Titeln zu lange festzuhalten, sagt Goldberg. Wie Untersuchungen über das Verhalten von Marktteilnehmern gezeigt hätten, geschehe dies oft aus gekränktem Stolz heraus, weil sich Anleger nicht eingestehen wollten, die Kursentwicklung falsch eingeschätzt zu haben. "Und wenn sie sich dann endlich dazu durchgerungen haben zu verkaufen, quälen sie sich mit Selbstvorwürfen-ohne ihr Verhalten zu ändern."

Goldberg rät: "Anleger sollten lieber Frieden schließen mit den Verlusten." Kurzfristig orientierte Investoren sollten konsequent mit Stop-loss-Marken arbeiten, die bei bestimmten Niveaus automatisch Verkäufe auslösen. Das zwinge sie dazu, von vornherein festzulegen, welchen Verlust sie bereit sind zu ertragen.

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