SER Systems führt Verliererliste im Nemax 50 an
Neuer Markt beschließt Handelswoche im Minus

So launisch wie sich rein wettertechnisch gesehen derzeit der April präsentiert, so zeigte sich in den vergangenen fünf Handelstagen auch der Neue Markt. Dramatische Einbrüche mit neuen Rekordtiefs folgten rasante Aufstiege - der Markt sei nach Händleraussagen noch sehr labil und unsicher.

dpa-afx FRANKFURT. Am Freitag war es ähnlich, nach einem freundlichen Start drehte der Index wieder ins Minus. Der Nemax 50 verabschiedete sich mit einem Verlust von 2,75 % auf 1 389,03 Zähler ins Wochenende, der alle Werte umfassende Nemax All-Share büßte 2,10 % auf 1 543,42 Punkte ein.

Wie so oft habe der Markt nach New York geschielt, sagte ein Händler. Dort hatten einige Gewinnwarnungen schon vor Eröffnung für Unruhe gesorgt. Zusätzlich wurde das Geschäft durch den Chip-Hersteller Intel belastet. Denn die EU hat wettbewerbsrechtliche Ermittlungen gegen Intel wegen des Verdachts auf unzulässige Rabattregeln eingeleitet.

Die Deutsche Börse AG ihrerseits dürfte auch in den nächsten Tagen für Unruhe sorgen, denn sie hat gegen 30 Unternehmen ein Sanktionsverfahren eröffnet. Als Grund wurden nicht rechtzeitig veröffentlichte Geschäftszahlen für das Jahr 2000 genannt.

Größter Verlierer im Nemax 50 war die SER Systems AG , die phasenweise mit 7,48 Euro auf ein neues 52-Wochen-Tief stürzte. Beim Schlussgong wies die Aktie einen Verlust von 19,31 Prozent auf 8,23 Euro aus. Das Softwarehaus leide unter negativen Analystenurteilen, war von Händlern zu hören. Das verstärke die Unsicherheit über die Zukunftsaussichten von SER.

Comroad im Aufwind

Die Anteilsscheine des Telematik-Netzwerk-Spezialisten Comroad AG haben nach Vorlage der vorläufigen Umsatzzahlen für das erste Quartal des aktuellen Geschäftsjahres um 11,68 Prozent auf 21,80 Euro zugelegt. Mit einem Umsatz von 14,4 Mill. Euro übertraf Comroad die erst Mitte März angehobenen Umsatzplanungen in diesem Quartal um 200 000 Euro. Mitte März hatte das Unternehmen die Umsatz- und Ergebnisschätzungen bis zum Geschäftsjahr 2003 angehoben. "Comroad gilt als Qualitätswert, der noch niemals enttäuscht hat", sagte ein Händler einer Großbank in Frankfurt. Zurückliegende Gerüchte über schlechte Ergebnisse hätten sich nicht bestätigt.

Auch die Intershop AG stand stark unter Abgabedruck. Der Wert büßte 112,00 Prozent auf 3,08 Euro ein. Kurzfristig war die Aktie auf das neue 52-Wochen-Tief von 3,01 Euro gefallen. Zum Vergleich: Das 52-Wochen-Hoch lag bei 120,12 Euro. Das Anlegermagazin "Euro am Sonntag" hatte in einem Vorabbericht über mögliche weitere Umsatzeinbrüche beim angeschlagenen Software-Unternehmen geschrieben. Für das erste Quartal 2001 war Intershop von 18 bis 20 Mill. Euro ausgegangen; diese Zahl war bereits nach untern korrigiert worden. Jetzt sollen es dem Bericht zufolge noch einige Millionen weniger sein.

ACC nach Durchsuchungen weiter unter Druck

Auch die ACG AG stand erneut unter Druck und büßte 11,41 Prozent auf 16,00 Euro ein. Am Mittwoch hatte eine Durchsuchung der Geschäftsräume die Aktien schlagartig in das Zentrum der Aufmerksamkeit von Anlegern gerückt. ACG wies den Verdacht auf Umsatzsteuerverkürzung beim Chip-Handel von sich. Sie seien als unbeteiligte Dritte in die Untersuchung einbezogen worden. Europaweit würden mehr als 300 Firmen untersucht, hiess es. Händlern zufolge habe die Durchsuchung auch angesichts einer Zeit, in der viele Unternehmen Gewinnwarnungen von sich geben, die Anleger nachhaltig verunsichert.

Die Aktien der RTV Family Entertainment AG verteuerten sich um 15,26 Prozent auf 2,19 Euro, nachdem Vorstand Peter Hille Gewinne für das laufende Jahr in Aussicht gestellt hatte. Im vergangenen Jahr verbuchte RTV einen Verlust von 14,2 Mill. DM. Bei einem Umsatz von 107 Mill. Der Trickfilmproduzent wolle sich auf lukrative Spielfilme konzentrieren, sagte Hille in Frankfurt. Er prognostizierte für das Medienunternehmen einen Vorsteuergewinn von 17 Mio. DM bei einem Umsatz von 140 Mill. DM.

Gedys Internet Products verloren im späten Handel

Die Aktien der Gedys Internet Products AG legten erst zu, verloren dann aber im späten Handel 3,49 Prozent auf 2,49 Euro. Bei dem Untenehmen hat sich der Vorsteuerverlust im vergangenen Geschäftsjahr auf 11,5 Mill. Euro ausgeweitet. Im Vorjahr lag der Verlust vor Steuern noch bei 2,4 Mill. Euro. Auf der Umsatzseite sah es für Gedys wesentlich besser aus, das Unternehmen erhöhte den Umsatz um 74 Prozent auf 10,9 Mill. Euro. Für das laufende Jahr peilt Gedys ein Umsatzwachstum von mehr als 50 Prozent an. "Trotz der gemischten Nachrichten stieg der Kurs, weil Gedys im vierten Quartal die Gewinnzone anvisiert", sagte eine Frankfurter Händlerin.

Die Aktien der Filderstädter CAA AG sind nach heruntergeschraubten Prognosen für das Geschäftsjahr 2001 eingebrochen und büßten 76,28 Prozent auf 3,00 Euro ein."Normalerweise werden schlechte Nachrichten in guten Zeiten eher verziehen", sagte ein Frankfurter Händler. Derzeit befinde man sich aber eher in schlechten Zeiten. Der Entwickler von Fahrerinformations- und Kommunikationssystemen hatte mitgeteilt, dass Umsatz und Ergebnis 2000 "mit hoher Wahrscheinlichkeit" wesentlich geringer ausfallen dürften als geplant. Auf der Basis dieser Zahlen werde das Unternehmen seine Planungen für das Geschäftsjahr 2001 nach unten korrigieren. Zahlen nannte das Unternehmen nicht.

Verluste bei Intertainment eine technische Reaktion

Ebenfalls zu den großen Verlierern zählte die Intertainment AG mit einem Abschlag von 20,38 Prozent auf 6,37 Euro. Marktbeobachtern zufolge handele es sich um eine technische Reaktion nach den deutlichen Gewinnen vom Vortag.

Größter Gewinner im Neuen Markt war die Jack White Productions AG (JWP) mit einem Plus von 46,23 Prozent auf 3,10 Euro. Das Unternehmen hatte am Montag für das Geschäftsjahr 2000 einen Verlust nach HGB von 6,1 Mill. DM nach einem Verlust von 2,8 Mill. DM im Vorjahr gemeldet. Danach stand die Aktie längere Zeit unter Druck, nun sei sie offenbar wieder auf Erholungskurs.

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