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Serena Williams attackiert Schiedsrichterin

Erst verlor Serena Williams ihr Viertelfinale gegen Jennifer Capriati, dann die Fassung über eine indiskutable Schiedsrichter-Leistung.

dpa NEW YORK. Erst verlor Serena Williams ihr Viertelfinale gegen Jennifer Capriati, dann die Fassung über eine indiskutable Schiedsrichter-Leistung.

"Ich glaube, sie ist vorübergehend verrückt geworden", schimpfte die einstige Weltranglisten-Erste bei ihrem Abschied von den US Open über die portugiesische Unparteiische Mariana Alves. "Ich fühle mich verschaukelt, ich fühle mich beraubt."

Der ungewöhnliche Ärger war nach der 6:2, 4:6, 4:6-Niederlage verständlich. Denn im zweiten Satz überstimmte Mariana Alves seltsamerweise eine Linienrichter-Entscheidung. Serena Williams dachte beim Blick auf die Anzeigetafel zunächst an einen Irrtum und konnte es dann nicht glauben. Im abschließenden Aufschlagspiel von Capriati fielen gleich drei krasse Fehlentscheidungen zu ihren Ungunsten. "Ich bin richtig verärgert und verbittert", sagte die 22- Jährige und musste trotzdem herzhaft lachen. Dann erinnerte sie daran, dass Schwester Venus sich in Wimbledon benachteiligt fühlte: "Ich dachte, das ist schon wieder eine Wimbledon-Verschwörung."

Die Organisatoren der US Open zogen am Mittwoch Konsequenzen. Oberschiedsrichter Brian Earley kündigte an, dass Mariana Alves beim Turnier in diesem Jahr nicht mehr eingesetzt wird und sprach von einem bedauerlichen Fehler.

Capriati musste sich in ihrer Geburtsstadt ein paar Buhrufe vom nicht gerade zimperlichen New Yorker Publikum gefallen lassen, das sie wegen ihrer großen kämpferischen Leistung während des gut zweistündigen Matches aber mehrheitlich angefeuert hatte. "Ich weiß nicht, wie oft Sachen gegen mich gelaufen sind. Da kann ich auch mal ein paar Entscheidungen für mich vertragen", konterte die 28-Jährige, die schon 1991 erstmals im Halbfinale von New York stand und am Freitag gegen French-Open-Finalistin Jelena Dementjewa aus Russland im vierten Anlauf endlich zum ersten Mal ins Finale einziehen möchte.

Dies hatten von 1999 bis 2002 die Williams-Schwestern mit jeweils zwei Erfolgen dominiert, 2001 und 2002 machten sie den Sieg sogar untereinander aus. Nach ihrem verletzungsbedingten Fehlen im vorigen Jahr ist das Comeback zum sportlichen Desaster geraten. Venus war am Montag schon im Achtelfinale an Lindsay Davenport gescheitert, die angeschlagene Serena beherrschte die Schlagzeilen und Fotostrecken mehr mit ihrer gewöhnungsbedürftigen Tennis-Arbeitskleidung.

Für dieses Jahr bleibt ihre Final-Niederlage gegen die Russin Maria Scharapowa in Wimbledon der größte Erfolg der Schwestern bei den Grand-Slam-Turnieren, die sie zwischenzeitlich nach Belieben dominiert hatten. Wie Venus scheiterte auch Serena letztlich an ihren vielen leichten Fehlern. Am Ende waren es 57, fast doppelt so viele wie bei Jennifer Capriati. Immerhin gestand sie ein, nicht wegen der unzulänglichen Schieds- und Linienrichter-Leistungen ausgeschieden zu sein. Andererseits sorgte Serena auch für Zweifel an ihrem Realitätssinn: "Ich sehe mich selbst immer noch als die Beste auf und außerhalb des Platzes." Knieprobleme hin oder her - die Tatsachen sprechen momentan eine andere Sprache.

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