Serie (2): Wellness und Freizeit
Keine Ermüdungserscheinungen

Wenn die Konjunktur schon lahmt, dann wollen sich doch die Menschen fit halten. Es werden Gewichte gestemmt und es wird geschwitzt, die Pfunde müssen runter - steigendes Körperbewußtsein fördert das Wohlbefinden. Mitunter kommen auch Betreiber von Fitness-Studios ins Schwitzen, nämlich dann, wenn sie ihr Angebot nicht an der Nachfrage ausrichten.

DÜSSELDORF. Obwohl das Wachstumspotenzial für Fitness-Dienstleistungen hoch eingeschätzt wird - das Münchener Ifo-Institut taxiert das gesamte Volumen des deuschen Fitness- und Wellness-Marktes auf 62 Mrd. Euro - ist nicht in jedem Segment gleichermaßen Wachstum angesagt. So stagnierten im vergangenen Jahr die Zuwachsraten, der Markt zeigte Ermüdungserscheinungen - allerdings auf hohem Niveau. Nach Feststellung des Deutschen Sportstudio Verbands (DSSV) ging die Mitgliederzahl in deutschen Fitnesstudios im Vorjahr erstmals zurück - von 5,39 auf 5,08 Millionen.

Die Essener Karstadt-Quelle AG geht das Thema Freizeit- und Fitnessmarkt daher gesamtheitlich an. Nach dem das Unternehmen im Sportartikelgeschäft zum größten Anbieter Deutschlands avancierte und den Fernsehsenders DSF übernommen hatte, wurde mit dem Kauf der neun Fitness-Clubs der US-Kette "24 Hours" das Angebot rund um den Sport erweitert. Die Kette verfügt in Deutschland über 28 000 Mitglieder. Die im Durchschnitt 2 400 Quadratmeter großen Clubs werden unter dem Namen Karstadt betrieben. Der Warenhaus-Konzern kündigte für die nächsten Jahre bereits eine zügige Expansion an.

Die Ermüdungserscheinungen des Fitness-Marktes betreffen nach Beobachtung von Karstadt vor allem die Solitäre, die kleinen Einzelkämpfer. Die könnten häufig nicht das Rundum-Programm um das reine Muskeltraining bieten und kauften Geräte teurer ein als die großen Ketten, erläutert ein Unternehmenssprecher. Großanbieter mit guter Kaptialausstattung genießen offenbar mehr Vertrauen bei der Kundschaft.

In ihrer Studie über die Entwicklung des deutschen Fitness- und Wellness-Marktes im Jahr 2005 sieht auch die Unternehmensberatung Deloitte & Touche deutliche Veränderungen: Kleinere Anbieter werden verschwinden, Studios mit größeren Trainingsflächen und umfangreichen Angeboten sich dagegen ausbreiten. Dabei wird der deutsche Markt die Entwicklung der USA und Großbritanniens nachvollziehen. In den Vereinigten Staaten kontrollieren die größten Ketten bereits 30 % des Marktes, in Großbritannien halten die fünf Größten 27 % Marktanteil.

Die großen Fitness-Studios haben längst das Image reiner "Muckibuden" abgelegt. Im Vordergrund stehen jetzt qualifizierte Beratung, Cardio-basiertes Ausdauertraining und wellnessorientierte Dienstleistungen. Studiobetreiber, Physiotherapeuten, Sonnenstudioinhaber, Freizeitanlagenbesitzer, Praxisinhaber, Investoren sowie Hoteliers und Banker informieren sich, um noch genauer auf die Bedürfnisse der zahlenden Kundschaft einzugehen.

Aerobic, Prävention, Rehabilitation, Wirbensäulengymnastik, Rückenschule, Ganzkörper- und Ayurvedamassage, Ernährungsberatung, Aromatherapie, aber auch Erholung, Spaß, Freude, Unterhaltung und Kommunikation gehören zum immer ausgefeilteren Angebot. Innerhalb von zwei Jahren haben allein die inzwischen 99 deutschen Kiesertrainingstudios des Schweizers Werner Kieser mit ihren Übungen zur Stärkung des Rückens, Deutschlands großer Volkskrankheit, rund 70 000 neue Kunden gewonnen; im Jahr 2002 lag die Kundenzuwachsrate bei 31%.

Von Insolvenzen, Massenentlassungen und massiven Umsatzeinbrüchen ist der Fitness-, Wellness- und Freitmarkt weitgehend verschont geblieben - auch wenn derzeit ein Umstruktierungsprozess zu beobachten ist. Nach der neuesten Studie des Deutschen Sportstudio Verbandes hat sich der Umsatz der etwa 6 500 Anlagen in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren von 1,28 auf 3,16 Mrd. Euro (2002) erhöht. Gleichzeitig ist die Zahl der Mitglieder in diesem Zeitraum von 2,7 auf heute 5,1 Millionen gestiegen. Das sind 6,3 % der Bevölkerung. Vergleichszahlen aus den USA zeigen, dass der hiesige Markt noch längst nicht ausgeschöpft ist. In Amerika gehen 12 % der Bevölkerung regelmäßig in Clubs. Selbst in der Schweiz und Großbritannien geht jeder Zehnte regelmäßig zur Verbesserung seiner Fitness ins Studio.

Günstig auch die Entwicklung der Sonnenstudios. Nach der Verbandsstudie werden jährlich 1,54 Mrd. Euro in den rund 24 000 Sonnenstudios umgesetzt. Rund 140 000 Menschen - davon 80 000 Vollzeit- und 60 000 Teilkräfte - verdienen hier ihr Geld.

Bei ihrer Zukunftsstrategie setzen die Fitness-Studios nach Information des Deutschen Sportstudio Verbandes auf Diversifizierung. Die größten Wachstumschancen werden bei Damenstudios, dem Premium-Segment speziell in Großstädten sowie der Zielgruppe der so genannten "Best Age", der über 50-Jährigen gesehen. Dadurch hat sich das Durchschnittsalter der Mitglieder erhöht - entsprechend der vor allem in den USA gesammelten Erkenntnis, dass Ältere auch mehr Geld für ihr Wohlbefinden ausgeben können.

Nächste Folge:Ernährungsindustrie

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%