Serie (3): Wellness und Freizeit: Ökolandbau verlässt Nischendasein
McDonald’s schiebt die Öko-Welle an

Ökologischer Landbau und Öko-Nahrung sind dem Nischenmarkt für Öko-Freaks längst entwachsen. Sie liegen voll im Wellness-Trend. Lebensmittelketten setzen auf Öko-Produkte, um sich von Discountern abzuheben. Die EU fördert den ökologischen Landbau schon seit über zehn Jahren.

DÜSSELDORF. McDonald?s weiß, wie man die kleinen Kunden becirct. Mit Geschenken wie Figuren aus Walt-Disney-Filmen, sorgt das Unternehmen in seinen über 12 000 Schnellrestaurants dafür, dass die "Happy Meals" bei den Kids begehrt sind. Seit 10. Juni versucht McDonald?s die Kleinen für Bio-Milch zu erwärmen, die es zu den "glücklichen" Menüs dazu gibt. Lieferant ist die Andechser Molkerei Scheitz in Bayern, ein Mitglied des Bioland Bundesverbandes. Bioland ist der größte Öko-Anbau-Verband Deutschlands mit 4 400 Erzeugern.

Die Kinder wird die Öko-Beigabe weniger interessieren als ihre Eltern. Die wichtige Botschaft für die nachhaltige Landwirtschaft ist eine andere: Ökoprodukte erreichen auf breiter Front auch Otto-Normalverbraucher. Schon vor zwei Jahren hatte McDonald?s im Beisein von Verbraucherministerin Renate Künast einen Vertrag mit "Weidehof", einer Erzeugergemeinschaft für Qualitätsfleisch im ostdeutschen Hohen Wangelin, abgeschlossen. Die liefert seither sechs bis sieben Tonnen Ökorindfleisch jährlich. Den "Öko"-Hamburger macht McDonald?s daraus freilich nicht, sagt Frank Bleker, Manager für Kommunikation bei McDonald?s Deutschland. Das Ökofleisch wird untergemischt; bei 2 Millionen Hamburger, die hierzulande täglich verzehrt werden, reicht die Liefermenge der Ökobauern nicht aus.

Gleichwohl will McDonald?s auf das wachsende Interesse an Öko-Produkten reagieren - und den Öko-Bauern aus dem Nischendasein helfen. "Die McDonald?s Initiative freut uns", betont Tomas Sonntag, stellvertretender Geschäftsführer der Naturland Marktgesellschaft in Hohenkammer bei München. Das sei eine wichtige Botschaft. Noch mehr würde sich Naturland freuen, wenn McDonald?s den echten Bio-Burger anbietet. "Wenn man überlegt, wo der Öko-Landbau vor Jahren stand", so fügt Thomas Dosch vom Bioland-Bundesvorstand hinzu, "dann ist es interessant zu sehen, wie McDonald?s Punkte sammeln will".

Natürlichkeit bei Nahrungsmitteln liegt voll im Wellness-Trend, fasst Ralf Alsfeld, Sprecher von Bioland in Mainz, zusammen: Natürlichkeit mit Zusatznutzen wie Suppen mit Calcium oder Joghurt mit besonderen Milchsäurebakterien. "Man kommt wieder auf das Bodenständige, Nachvollziehbare und Ehrliche zurück."

Bioland profitierte mit zweistelligen Zuwachsraten. Auch Naturland verzeichnete in den vergangenen fünf Jahren Sprünge mit zweistelligen Zuwächsen bei Betriebszahl und Umsatz. Und das Potenzial sei noch erheblich, bezieht sich Bioland-Vorstand Dosch auf eine Emnid-Studie. Danach kaufen 4 % der Befragten nur Biokost, 60 % gelegentlich und 20 % haben es noch vor. Ein Widerspruch zum Run auf die Discounter ist das nicht. Laut Olaf Roik, Handelsexperte beim HDE ist derzeit eine Polarisierung festzustellen: einerseits der Trend zu den Discountern, andererseits die Nachfrage nach hochpreisigen Produkten.

Einzelhandelsketten wie Rewe in Köln oder Tengelmann in Mülheim bewegen sich schon seit Jahren sogar mit eigenen Marken (Füllhorn und Naturkind) auf dem Öko-Pfad. Bei Tengelmann machen Natur-Produkte 3 bis 5 % des Sortiments aus, wie Paul Daum, Bereichsleiter Qualitätsmanagement, Verbraucherschutz und Förderung des ökologischen Landbaus berichtet. Tengelmann platziert die Öko-Artikel quer durch das Sortiment, um beim Kunden das Bewusstsein dafür zu schärfen und Kaufanreize zu schaffen. Daum ist mit dem Öko-Absatz "sehr zufrieden". Er sieht das Geschäft erst am Anfang einer Entwicklung. Einen Umsatzanteil von 5 bis 6 % hält er in den nächsten Jahren für möglich.

Rewe will sich mit den 350-Öko-Artikeln gegenüber den Discountern mit ihrem schmalen Sortiment profilieren. Mit dem Wachstum ist auch der Kölner Handelskonzern zufrieden. Weil die typischen Supermarkt-Kunden auf Konjunkturschwankungen sensibler reagieren, versucht sich Naturland derzeit verstärkt im klassischen Naturkosthandel sowie bei Metzgern und Bäckern zu verankern. Mit seinem Qualitäts-Image spricht der Fachhandel wohlhabendere Kunden an.

Regelmäßige Impulse erhält das Geschäft mit der Ökoware durch Nahrungsmittelskandale wie BSE, Schweinepest oder Salmonellen in den Eiern. Diese Wiederkehr der Skandale ist aus Sicht von Biolandsprecher Alsfeld systemimmanent. Die konventionelle Landwirtschaft, bei der die Bauern in Monokultur immer das gleiche Produkt auf ihren Feldern anbauen oder Fleisch und Eier in Massentierhaltung erzeugen, bringt aus seiner Sicht Verwerfungen mit sich. Dadurch werde der Boden ausgelaugt, verloren gegangene Nährstoffe müssten durch Dünger ersetzt werden. Die Massentierhaltung erzeugt Stress und damit Krankheiten bei den Tieren, die mit Arzneien behandelt werden müssen. Die Verbraucher haben vor allem vor den Pestizid- und Arzneirückständen Angst.

Beim Öko-Anbau, der auf Fruchtfolge setzt, wird das Auslaugen vermieden. Die Anbauprodukte wechseln in regelmäßigen Abständen. Zudem baut der Landwirt zwischendurch Pflanzen wie Klee an, die Stickstoff binden, wodurch sich die zusätzliche Düngung erübrigt. Die stressfreie Tierhaltung macht den Einsatz von Arzneien überflüssig.

Da Öko-Landwirte eine große Palette von Produkten erzeugen, eröffnet sich ihnen auch der Weg der Direktvermarktung. "Das ist ein großer Trend", bestätigt Alsfeld. Bei Bioland verkaufen etwa 1 500 Landwirte ihre Ware direkt an die Kunden.

Noch bewegt sich der ökologische Landbau im bescheidenen Rahmen. Nach Feststellung des Verbraucherschutzministeriums machte er 2002 mit knapp 700 000 Hektar 4,1 % der Gesamtfläche aus, erzielte aber eine Zuwachsrate von 10 %, obwohl die Förderprogramme erst noch zu greifen beginnen. Das ehrgeizige Ziel von Ministerin Renate Künast: In zehn Jahren sollen 20 % der Fläche ökologisch bearbeitet werden.

Naturland-Manager Sonntag hält es grundsätzlich für möglich, ganz Deutschland ausschließlich mit Ökoprodukten zu versorgen - auch wenn das eine Generation dauern wird. Mit Verordnungen wie die EWG Nr. 2092/91 reagierte auch die EU auf das Interesse europäischer Verbraucher an Öko-Nahrung. Angesichts der Überschüsse in der konventionellen Landwirtschaft, die mit hohen Subventionen in Drittländer exportiert werden müssen, fördert sie den Ökolandbau, weil die Produktion hier niedriger ist.

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