Serie (4): Wellness und Freizeit
Freizeitgestaltung ist ein einträgliches Geschäft

Wem?s in der Freizeit zu langweilig wird, der bedient sich immer häufiger der kommerziellen Angebote deutscher Freizeit- und Erlebnisparks. Daraus ist eine weitgehend konjunkturresistente Branche geworden.

DÜSSELDORF. Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl hatte im Rahmen der Faulheits-Debatte 1993 noch vor dem "kollektiven Freizeitpark Deutschland" gewarnt. Dabei hatte der ehemalige Regierungschef wohl verkannt, welche wirtschaftliche Bedeutung die "Freizeit- und Erlebnisparks" in Deutschland haben: Mit jährlich rund 21 Millionen Besuchern, 15 000 Beschäftigten, bis zu 300 000 Saison- und Aushilfskräften und einem Umsatz von rund 440 Mill. Euro sind die 59 im VDFU organisierten deutschen Einrichtungen heute ein beachtlicher Wirtschaftssektor. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 2 000 Anlagen, die dem Besucher außergewöhnliche Freizeitvergnügen bieten.

Es begann in Deutschland mit Ausflugsrestaurants, die durch zusätzliche Attraktionen wie Märchenparks Besucher anlockten, ging über Safariparks und gipfelte in Parks, die auf einem überschaubaren Terrain eine Mischung aus dekorativen Inszenierungen, Shows und Gastronomie- sowie Spieleinrichtungen anboten. Kurz: Die Geschichte der Freizeit- und Erlebnisparks in den vergangenen 30 Jahren ist eine Erfolgsgeschichte des Mittelstands. Es ist meistens die Lebensleistung von Persönlichkeiten, die es geschafft haben, die Wettbewerbsfähigkeit durch immer neue Attraktionen zu erhalten, haben Branchenexperten beobachtet.

"Natürlich spüren wir auch die konjunkturelle Flaute, und einige kleinere Parks kämpfen ums Überleben", beschreibt Klaus- Michael Machens, Geschäftsführer des Erlebniszoos Hannover und Präsident des Verbandes Deutscher Freizeitparks und Freizeitunternehmen e. V. (VDFU) die aktuelle Lage. "Doch wer regelmäßig in Qualität investiert, hat keine Probleme." Der VDFU nimmt die Berufs- und Standesinteressen der Parkbetreiber wahr. Gegründet 1978, vertritt er die 59 bedeutendsten Parks Deutschlands sowie acht Einrichtungen in Nachbarländern.

"Es läuft weitaus besser als im vergangenen Jahr", sagt ein Sprecher des Hansa-Parks in Sierksdorf an der Ostsee, "auch weil wir gutes Wetter haben". Selbst von der Wirtschaftsflaute würden sich die Besucher nicht abhalten lassen: "Urlaub im eigenen Land ist in, das spüren wir." Von der Tourismuskrise will der Europa-Park im badischen Rust (bei Freiburg) ebenfalls nichts wissen. Das Unternehmen baut gerade für 40 Mill. Euro ein neues Hotel. "Momentan haben wir fast 100 % Auslastung", sagte eine Sprecherin.

Die kommerziellen Anbieter von Erlebnissen haben längst auch das Trendthema Wellness für sich entdeckt: Die Freizeit- und Erlebnisparks setzen auf Gesundheitsbewußtsein und auf das Interesse an gehobener Lebensart. Und haben dabei zunehmend gut betuchte ältere Kunden im Blick. Das Potenzial sei noch erheblich, meint VDFU-Präsident Machens, denn bislang kommen je nach Standort gerade einmal zehn Prozent der Bevölkerung aus dem unmittelbaren Einzugsbereich in die Parks. Und in Ostdeutschland gibt es noch vergleichsweise wenig Parks.

Wie Investitionen in Wellness aussehen, zeigt das Beispiel Phantasialand bei Köln. Der zweitgrößte Freizeitpark Deutschlands mit rund zwei Millionen Besuchern jährlich hat ein Viersterne-Hofel eröffnet, das die chinesische Lebensart nachempfindet. Und wie sich der Einzelhandel das Thema Erlebnis im weitesten Sinne vorstellt, zeigt das CentrO Oberhausen - ein familiengerechter Freizeitpark in gepflegter Gartenlandschaft mit Fahrgeschäften wie Achter.- und Mini-Eisenbahn, Theater, Kino sowie Spielgelegenheiten, eingefügt in eines der größten Einkaufszentren Europas mit Cafés, Restaurants und Verweilzonen. Ein ähnliches Projekt entsteht gerade in Bremen mit dem "Space-Park".

Viele Firmen haben das Thema "Erlebnis" zum festen Bestandteil ihres Marketings gemacht. So hat der Spielzeughersteller Lego sein "Legoland" in Günzburg aufgebaut, Playmobil seinen "Playmobil-Fun-Park" in Zirndorf bei Nürnberg und Ravensburger sein "Spieleland" am Bodensee. Auch Volkswagen verfolgt mit seiner "Autostadt" in Wolfsburg das Ziel, die Übergabe neuer Autos zum bleibenden Event zu machen. Finanziert wird die Autostadt - neben den Eintrittsgeldern - aus dem Marketing-Etat des Autoherstellers.

Auch die Filmparks Babelsberg am Rande Berlins, Warner Bros. Movie World in Bochum oder die Bavaria Filmstadt in München wollen ihr angestammtes Geschäft protegieren und setzen dabei auf den Werbeeffekt von Comicfiguren wie Bugs Bunny und anderen Sympathieträgern. Wenn diese Parks mit Eintrittsgeldern und dem Verkauf von Werbeartikeln noch einen Gewinn erzielen, umso besser.

Darüber hinaus hat die Deutsche Zentrale für Tourismus das Erleben von Natur und Landschaft in Kombination mit Gesundheits- und Wellnesstourismus als neuen Megatrend entdeckt. Ergänzt wird dies mit Erlebnis- und Eventreisen. Gerade die Verbindung von Erholung und Aktivität wird als Ausgleich zum Alltag gesehen. Dafür gibt es in Deutschland 13 Nationalparks, 13 Biosphärenreservate, rund 90 Naturparks, 40 000 Kilometer Radfernwege, 330 Kurorte und Heilbäder sowie 612 Golfplätze. Zählt man die 4 274 Museen, 8 766 Ausstellungen und rund 10 000 Volksfeste dazu, ist das kommerzielle Angebot für die Kurzweil der Deutschen mehr als beachtlich.

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