Serie (6): Wellness und Freizeit
Sport wird als Lebensgefühl vermarktet

Sport ist mehr als nur Fitness und Spaß. Die Hersteller von Sportartikeln sprechen ganz gezielt auch weniger aktive Menschen an. Der Sport soll dabei auch Ausdruck einer gehobenen Lebensart sein.

MÜNCHEN. Ein Blick auf die Aktienkurse von Adidas, Puma & Co zeigt: Sport ist in. Weltweit gibt es kaum Unternehmen, die so gut durch die Wirtschaftskrise kommen wie die großen Sportartikel-Hersteller. Der Grund: Es ist angesagt, sich sportlich zu geben. "Vier von fünf Leuten kaufen ihre Sportschuhe doch gar nicht, um zu joggen", sagt Hilary Edwards, Marken-Managerin vom Sportartikel-Produzenten Puma. Immer mehr Leute ziehen hoch entwickelte Turnschuhe zum Bummeln an oder gehen mit den wieder in Mode gekommenen Trainingsanzügen im Stil der 70er-Jahre in die Discos. Den Herstellern beschert das ein riesiges, bisher von ihnen nicht abgedecktes Kundenpotenzial.

Die Herzogenauracher Puma AG hat den Trend vor einigen Jahren frühzeitig erkannt und damit großen Erfolg. Im laufenden Jahr wird der Gewinn um fast zwei Drittel steigen. Puma setzt konsequent auf sportlichen Lifestyle - und trifft damit den Geschmack der Kunden.

Es ist ganz im Sinne von Konzernen wie Puma, dass Sportausrüstung und Freizeitbekleidung immer mehr verschmelzen. Beispiel Yoga: Puma hat Anfang des neuen Jahrtausends mit dem ehemaligen Model Christy Turlington eine eigene Yoga-Kollektion auf den Markt gebracht. Stand die Traditionsmarke zuvor für Fußball und Jogging, so wurde Puma jetzt für Frauen attraktiv.

Die Tops und Schuhe der "Nuala" genannten Serie lassen sich gewiss auch für Yoga-Kurse verwenden. Viel öfter dürften die Klamotten aber einfach zum Spaziergang oder ins Büro angezogen werden. Puma hat es sogar geschafft, den Motorsport salonfähig zu machen. Selbst Leute, die keine Formel-Eins anschauen, tragen inzwischen die ausgesprochen eng geschnittenen Rennfahrer-Schuhe.

Die Sportartikel-Industrie versucht zudem gezielt, auch weniger sportliche Leute zu begeistern. So umgarnen die Wintersport-Ausrüster ihre Kunden mit Skiern, die wesentlich leichter zu fahren sind als noch vor zehn Jahren. Weichere Ski-Stifel, so genannte Soft-Boots, und Heizungen in den Schuhen sollen dafür sorgen, dass auch kälteempfindliche Frauen ihr Geld für das Pistenvergnügen ausgeben.

Die Chance, ganz neue Bevölkerungsgruppen für den Sport zu gewinnen, sieht auch Sandra Orth, Direktorin der weltgrößten Fitness- und Freizeit-Messe FIBO in Essen: "Aus der ursprünglichen Bewegung von Körpermasse hat sich längst eine Massenbewegung entwickelt."

Wie groß das Potenzial für Trendsportarten ist, die zugleich dem Bedürfnis nach einem gehobenen Lebenstil entsprechen, zeigen zwei Studien zu den Themen Golf und Reiten. Das Kernpotenzial für den deutschen Golfmarkt beträgt rund 800 000 Interessierte, fand eine Studie "Golfmarkt der Zukunft" von der GTC - Golf & Tourismus Consulting in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Golf Verband heraus. Zusätzlich zu den derzeit rund 400 000 organisierten Golfspielern in Deutschland können sich somit also noch einmal so viele Menschen, mithin also etwa 1,3 % der Bevölkerung vorstellen, den Golfschläger zu schwingen.

Um ein Vielfaches größer ist die Zahl derjenigen, die grundsätzlich Interesse am Golfsport haben: Von den rund 4,2 Mill. ziehen es immerhin 3,2 Mill. in Erwägung, Golf auszuprobieren. Das Interesse der Männer ist dabei mit 8,1 % deutlich größer als das der Frauen (5 %). Das Interesse in der Altersgruppe der bis 34-jährigen ist dabei am höchsten nimmt mit zunehmendem Alter allerdings wieder ab.Dass sich der Golfsport bereits seit längerem wachsender Beliebtheit erfreut, belegt die bisherige Entwicklung. Mit konstanten Zuwachsraten von rund 24 000 neuen Golfspielern pro Jahr gehört der Deutsche Golf Verband im Deutschen Sportbund seit Jahren zu den Sportverbänden mit den höchsten Steigerungsraten. Motive, wie draußen in der Natur sein, Erholung und Entspannung finden, Fitness und Gesundheit sind die ausschlaggebenden Gründe dafür, dass sich heute so viele Menschen für den Golfsport begeistern.

Aus den gleichen Gründen suchen auch immer mehr Menschen das Glück auf den Rücken der Pferde. Das noch nicht ausgeschöpfte Potenzial an Reitern ist riesig. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung, der Dachverband in Warendorf, hat eine Marktstudie in Auftrag gegeben, die zu der Erkenntnis kommt, dass neben den bereits über eine Million aktiven Reiterinnen und Reitern in Deutschland gerne noch einmal soviele ihre Freizeit mit dem Pferd verbringen würden, hätten sie nur die - für sie bezahlbare - Gelegenheit dazu.

Und das würde nochmals eine Verdoppelung des Marktes für Ross und Reiter bedeuten, der schon heute in Deutschland 5 Mrd.Euro beträgt. Den meisten Pferdesportlern genügt dabei auch schon ein einfacher und preiswerter vierbeiniger Freizeitpartner. Doch auch die Pferde für den gehobenen Sport sind gefragt, wie die jüngsten Zahlen der großen Pferdeauktionen der Zuchtverbände in Verden und Vechta belegen, die von neuen Rekordzahlen berichten. Hier sind vor allem ausländische Käufer an den edlen Rössern aus deutscher Zucht interessiert, die auf Grund der sehr restriktiven Politik der Zuchtverbände international sehr angesehen und begehrt sind.

Der Hannoveraner Verband hat jüngst sein bislang bestes Ergebnis einer Sommerauktion erzielt. Uwe Karow aus Niedererbach, der sich auf die Beratung von Reitsportbetrieben spezialisiert hat, sieht auch künftig noch Entwicklungsmöglichkeiten: "Hohe Wachstumsraten gibt es zwar auch im Reitsport nicht mehr, doch der Markt wächst immerhin noch - und das will in der jetzigen Zeit schon was heißen."

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