Serie: Aktie unter der Lupe
Cargolifter ist eine Glaubensfrage

Sicher bleibt bis auf weiteres: Als solide Geldanlage sind Aktien der Cargolifter AG ungeeignet. Schon lange nennen die Bayerische Landesbank und Independent Research die Papiere des brandenburgischen Zeppelinbauers " hoch spekulativ".

BERLIN. Die Kursschwankungen von über 20 % in den vergangenen Monaten nach oben und nach unten signalisieren zudem: Wenn der Kurs der Zeppeline in der Luft so ist wie der an der Börse, dann brauchen die Piloten ungefähr so starke Nerven wie der Kapitän eines Segelschiffs bei einem Orkan.

Die Frage ist, ob die Zeppeline jemals abheben werden. Bisher ist das eine Glaubensfrage. Immerhin gibt es Hoffnung, dass Cargolifter vorerst nicht scheitert, obwohl die liquiden Mittel der am Neuen Markt notierten Firma nach bisherigem Stand nur bis zum Sommer 2002 reichen. Der heutigen Planung zufolge braucht der Luftschiffbauer bis zum Ende des Geschäftsjahres am 31. August noch 100 Mill. Euro. Auf der Hauptversammlung am kommenden Samstag will das Management aber einen neuen Zeit-- und Finanzplan bekanntgeben.

Zeitverzögerungen schließt Carl von Gablenz, der Vorstandsvorsitzende der Firma, schon jetzt nicht aus. Und für die Beschaffung von Kapital dürfte er einen Finanzierungsmix aus privaten und öffentlichen Mitteln anstreben.

Aus Kreisen des Bundeswirtschaftsministeriums und der brandenburgischen Landesregierung heißt es, der von Cargolifter beim Bund beantragte Kredit von rund 300 Mill. Euro habe gute Chancen, bewilligt zu werden, wenn auch nicht in voller Höhe. "Ich sehe eine realistische Chance, dass der Staat einen Beitrag zu diesem Projekt leistet", sagt auch Götz Albert von Independent Research.

Zudem will sich das Unterehmen bei seinen Aktionären weitere Kapitalmaßnahmen genehmigen lassen. Für unwahrscheinlich hält der Analyst Albert, dass sich Cargolifter in der schwierigen Situation allein an der Börse wird finanzieren können.

Von seinen potenziellen Kunden kann sich der Zeppelinbauer auf dem ehemaligen sowjetischen Militärflughafen im Moment kein Geld erhoffen. Dabei ist die Liste prominent mit Namen wie Siemens, Alstom Power, Ferrostahl, Hochtief und General Electric. Alle erklären auf Anfrage, der Transport von Lasten mit Gewichten bis zu 160 Tonnen in unwegsames Gelände sei ein Problem, zu dem der zukünftige Luftschiffbauer eine attraktive Lösung verspreche. "Wir sind sehr interessiert", heißt es bei Alstom Power und Siemens, die Aktionäre von Cargolifter sind - wenn auch nur mit einem Aktienpaket von unter 5 % und von unter 1 %.

Investieren wollen sie nicht. "Erstmal wollen wir einen Prototypen für das Luftschiff CL 160 sehen", sagt ein Sprecher von Siemens. Die ersten Testflüge damit sind bisher ab 2004 geplant. Ursprünglich sollte es ein Jahr früher sein. Hinter vorgehaltener Hand kritisieren einige Kunden, Unternehmenschef Carl von Gablenz habe die ingesamt 300 Mill. Euro an privaten Mitteln bisher zuviel für die Vermarktung seiner Sache genutzt und sich zu lange Zeit gelassen mit dem technischen Fortschritt des Projekts. Deswegen habe Cargolifter jetzt sowohl das Management auf drei statt bisher zwei Vorstände vergrößert als auch den Aufsichtsrat auf sechs statt bisher drei Mitglieder.

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